nNick Energy Atlas
Messwesen und Geräteverwaltung

08SAP Utilities & Betrieb

Messinstanz und Messprodukt in SAP S/4HANA Utilities

Was eine Messinstanz in SAP Intelligent Metering ist, wie sie Messprodukt, Tarifanwendungsfall, Geräteinfosatz, Gerät, Anlage, MaLo und MeLo verbindet und was bei Messprodukt- oder Gerätewechsel mit ihren Zeitscheiben passiert.

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Kurzantwort

Eine Messinstanz ist in SAP Intelligent Metering for German Energy Utilities das Objekt, das festhält, welche Tarifanwendungsfälle mit welchen Parametern für eine bestimmte Anlage und ein bestimmtes Gerät gelten und welche Aktionen dafür gelaufen sind, zum Beispiel das Senden der Daten zur Profilerzeugung an den Gateway-Administrator. Ihre Vorlage ist das Messprodukt: Es bündelt einen oder mehrere Tarifanwendungsfälle (TAF) samt OBIS-Kennzahlen und Parametern. Jede Messinstanz besteht aus Zeitscheiben, und jede Zeitscheibe wird zu genau einem Messprodukt angelegt. SAP nennt die Messinstanz ausdrücklich die Verbindung zwischen dem Standard-IS-U-System und der Erweiterung für intelligente Messsysteme (SAP-Hilfe Intelligent Metering, Kap. 5.3).

Beim Messstellenbetreiber hängt nach dem SAP-Stammdatenmodell eine Messinstanz mit Tarifanwendungsfall an der Anlage der Marktlokation (MaLo) und eine Messinstanz ohne Tarifanwendungsfall an der Anlage der Messlokation (MeLo). Ein Messproduktwechsel erzeugt eine neue Zeitscheibe und eine neue Parametrierung im Smart-Meter-Gateway. Ein Gerätewechsel beendet die alte Zeitscheibe und eröffnet eine neue für das neue Gerät. In beiden Fällen zählt das Datum, das der Gateway-Administrator als tatsächlichen Parametrierungszeitpunkt bestätigt.

1 VorlageDas Messprodukt legt TAF, OBIS-Kennzahlen und Parameter fest
n ZeitscheibenJede Zeitscheibe der Messinstanz gehört zu genau einem Messprodukt
7 Statusvon „Inaktiv“ über „Gesendet“ bis „Produktiv“ oder „Veraltet“
2 AnlagenBeim MSB: MaLo-Anlage mit TAF, MeLo-Anlage ohne TAF

Einordnung: wozu es die Messinstanz gibt

Ein klassischer Zähler ist in SAP IS-U gut beschrieben: Gerät, Registergruppe, Zählwerke, Einbau in eine Anlage, Ablesung. Welche Zahl die Abrechnung am Ende bekommt, ergibt sich aus dem Zählwerk und seiner Stammdatenzuordnung. Das erklärt der Artikel Register und Zählwerke.

Beim intelligenten Messsystem reicht das nicht mehr. Welche Werte entstehen, entscheidet vor allem die Konfiguration im Smart-Meter-Gateway. Das Gateway bildet nach einem Tarifanwendungsfall aus den Zählerständen der modernen Messeinrichtung eine Datenreihe und versendet sie an berechtigte Empfänger. Wie das technisch funktioniert, beschreibt der Artikel Tarifanwendungsfälle im Smart-Meter-Gateway. Eine Übersicht über die einzelnen TAF bietet der TAF-Katalog.

Das Backend muss diese Konfiguration kennen, planen, versionieren und an den Gateway-Administrator (GWA) übergeben. Dafür erweitert SAP Intelligent Metering das IS-U-Datenmodell um zwei neue Objekte, Messprodukt und Messinstanz. Hinzu kommen zusätzliche Geräteattribute, der elektronische Lieferschein, Web-Services an GWA und Meter-Data-Management-System (MDM) sowie Prozessdokumente, die jeden Schritt steuern (SAP-Hilfe, Kap. 1 „Funktionsumfang“).

Drei Ebenen muss man beim Lesen auseinanderhalten:

  • Technische Ebene: Was im Gateway wirklich läuft, also Auswertungsprofil, Kommunikationsprofil und Tarifanwendungsfall nach BSI TR-03109-1.
  • Stammdatenebene im SAP-System: Messprodukt, Messinstanz, Gerät, Geräteinfosatz, Anlage und Zählpunkt.
  • Marktebene: Was Netzbetreiber, Lieferant und Messstellenbetreiber einander über die Marktkommunikation bestellen und mitteilen. Dort gibt es ebenfalls „Messprodukte“, gemeint ist aber etwas anderes. Dazu mehr im Abschnitt zur Marktkommunikation.
Hinweis zum Produktstand

Die SAP-Anwendungshilfe vom 06.08.2026 beschreibt SAP Intelligent Metering for German Energy Utilities als Erweiterung von SAP for Utilities (IS-U) ab Erweiterungspaket 6. Die SAP-Learning-Kurse zum deutschen Stammdatenmodell verwenden dieselben Objekte für SAP S/4HANA Utilities. Die hier genannten Transaktionen, Prozessnummern und Statuswerte stammen aus dieser Anwendungshilfe. In einem konkreten S/4HANA-Release und bei kundeneigenen Erweiterungen können einzelne Details abweichen.

Die Begriffe im Überblick

Begriff Was es ist Wo es lebt
Tarifanwendungsfall (TAF) Vom BSI festgelegte Verarbeitungsregel im Gateway, zum Beispiel TAF 7 Zählerstandsgangmessung Technisch im Gateway. In SAP als Customizing mit Parametern hinterlegt
Messprodukt Vorlage, die bestimmte TAF für ein Smart-Meter-Gateway definiert, mit TAF-Daten und OBIS-Daten SAP-Objekt, gepflegt mit /IDEIM/MP_CREATE bis /IDEIM/MP_DELETE
Messinstanz Zuordnung eines Messprodukts zu Gerät und Anlage, dazu Status, Versandzeiten und Profilnummern SAP-Objekt mit Kopf und Zeitscheiben, gepflegt mit /IDEIM/MI_CREATE bis /IDEIM/MI_DELETE
Messinstanz-Zeitscheibe Gültigkeitsabschnitt der Messinstanz. Erbt alle Daten vom Messprodukt Teil der Messinstanz
Gerät Das physische Gerät mit Seriennummer: moderne Messeinrichtung (mME), Smart-Meter-Gateway, Steuerbox IS-U-Gerät bzw. Equipment
Geräteinfosatz Virtueller Platzhalter für ein Gerät, das nicht im eigenen System geführt wird oder dessen Zählwerke virtuell abgebildet werden IS-U-Stammdatenobjekt, in Anlagen eingebaut
Anlage Abrechnungsobjekt, hier je eine Anlage für MaLo und MeLo IS-U-Anlage mit Bezug zum Zählpunkt
MaLo / MeLo Marktlokation: Ort von Verbrauch oder Erzeugung. Messlokation: Ort der Messung mit allen Messeinrichtungen Zählpunkte in SAP, fachlich Objekte der Marktkommunikation

Die Definitionen von Tarifanwendungsfall, Messprodukt und Messinstanz stammen aus Kapitel 5.1 bis 5.3 der SAP-Hilfe. Die Rolle des Geräteinfosatzes beschreibt SAP Learning so: Er ist eine Darstellung eines realen Geräts und wird vor allem dann gebraucht, wenn das reale Gerät vom Messstellenbetreiber in einem anderen System geführt wird (SAP Learning, Standard Consumption).

Messprodukt: die Vorlage

Das Messprodukt beantwortet die Frage: Welche Datenreihen soll ein Smart-Meter-Gateway für diesen Anwendungsfall bilden? Es besteht laut SAP-Hilfe aus drei Bildbereichen:

  1. Kopfdaten: allgemeine und administrative Angaben.
  2. TAF-Daten: die zugeordneten Tarifanwendungsfälle mit Parameterwerten. Ein TAF darf mehrfach vorkommen. Je TAF lässt sich festlegen, ob er zur Abrechnung verwendet wird. Jedes Messprodukt muss mindestens einen TAF zur Abrechnung verwenden, der im TAF-Customizing als abrechnungsrelevant gepflegt ist.
  3. OBIS-Daten: die den TAF zugeordneten OBIS-Kennzahlen mit ihren Pflichtparametern.

Die Tarifanwendungsfälle selbst pflegt man im Customizing unter „SAP Intelligent Metering for Germany → Tarifanwendungsfälle“. SAP liefert standardmäßig TAF 1, TAF 2, TAF 6, TAF 7 und TAF 8 aus (SAP-Hilfe, Kap. 5.1). Die BSI TR-03109-1 in Version 2.0 kennt weitere Anwendungsfälle, etwa TAF 9, TAF 10, TAF 14 und TAF 15. Ob und wie ein System diese abbildet, ist deshalb eine Frage des Releases und des Projekts, nicht des Standardumfangs laut dieser Hilfe.

Die Kette der Parameter läuft in drei Stufen: Das Customizing definiert, welche Parameter ein TAF hat. Das Messprodukt setzt Werte für diese Parameter. Die Messinstanz darf einzelne Werte je nach Customizing überschreiben. Nach Aktivierung der Messinstanz geht die TAF-Konfiguration an den Gateway-Administrator, der daraus ein Auswertungsprofil erzeugt und an das Gateway sendet.

Faustregel

Das Messprodukt ist der Katalogeintrag, die Messinstanz ist die Bestellung für einen konkreten Ort. Wer ein Messprodukt ändert, ändert nicht automatisch die laufenden Messinstanzen. Dafür gibt es den Messproduktwechsel mit eigenen Zeitscheiben und einer eigenen Parametrierung.

Messinstanz: Aufbau, Zeitscheiben und Aktionen

Die SAP-Hilfe definiert die Messinstanz so: Sie enthält die Zuordnung eines Messprodukts zu einem Gerät und einer Anlage und die vorgenommenen Aktionen, zum Beispiel das Versenden der Daten zur Profilerzeugung. Eine Messinstanz legt je Anlage und Gerät fest, welche Tarifanwendungsfälle mit welchen Parametern ausgeprägt sind. Für alle Prozesse, die Informationen zu intelligenten Messsystemen enthalten, sind Messinstanzen erforderlich. Die Messinstanz bleibt aktiv, bis die Anlage außer Betrieb genommen wird.

Aufbau

Eine Messinstanz hat Kopfdaten und eine oder mehrere Zeitscheiben. Jede Zeitscheibe enthält:

  • Kopfdaten der Zeitscheibe: allgemeine Daten, Gerätedaten, Administrationsdaten. Hier steht auch, welches Gerät der Zeitscheibe zugeordnet ist.
  • TAF-Daten: nur die TAF, die das Messprodukt vorgibt. In der Zeitscheibe lassen sich nur noch einzelne Felder ändern, die Einschränkungen des Messprodukts gelten weiter.
  • OBIS-Daten: ebenfalls nur die OBIS-Zeilen aus dem Messprodukt, mit begrenzt änderbaren Feldern.

Die Messinstanz zeigt außerdem an, ob die zugeordnete Anlage einem Messlokations- oder einem Marktlokations-Zählpunkt zugeordnet ist. Voraussetzung ist der Systemparameter MALO_MELO_ACTIVE (SAP-Hilfe, Kap. 5.4).

Was die Messinstanz über Aktionen festhält

Die Messinstanz ist mehr als eine Stammdatenzuordnung. Sie protokolliert die Verbindung zum Gateway:

  • Versandsteuerung je TAF: Versandperiode, Versandzeit und Versandstartdatum steuern den regulären Versand der Messwerte vom Gateway zum MDM-System. Die Versandperiode muss ein Vielfaches der Turnusperiode sein. Über eine Versandgruppe lassen sich Messinstanzen für die Versandplanung bündeln (SAP-Hilfe, Kap. 5.5).
  • Kommunikationsprofil je TAF-Position: Änderungen lassen sich per Massenänderung /IDEIM/MI_CPROF_UPD an GWA und MDM senden, ohne neue Zeitscheiben anzulegen.
  • Parametrierungsergebnis: Nach erfolgreicher Bestätigung durch den GWA schreibt das System den Parametrierungszeitpunkt des Basiszählers sowie die im GWA erzeugten Nummern von Auswertungs- und Kommunikationsprofil in die Messinstanz.
  • Tatsächliches Start- und Enddatum: Es wird aus der Antwort des GWA und gegebenenfalls aus dem Ereignis „OBIS unbekannt“ abgeleitet, nicht aus dem geplanten Datum.

Statusverwaltung

Der Status einer Zeitscheibe legt fest, welche Aktionen erlaubt sind. Die SAP-Hilfe nennt sieben Status (Kap. 5.3.1):

ID Status Bedeutung Was man damit tun kann
0 Inaktiv Zeitscheibe ist noch in Bearbeitung ändern oder löschen
1 Aktiv Zeitscheibe ist für Prozesse freigegeben parametrieren, also an den GWA senden. Ändern nur nach Rücksetzen auf „Inaktiv“
6 Gesendet Zeitscheibe wurde an den GWA gesendet auf Bestätigung warten
2 Parametriert erfolgreich am GWA bzw. Gateway parametriert Grundlage für die Abgrenzung benachbarter Zeitscheiben
3 Generiert Zählwerke zur Zeitscheibe wurden im IS-U-System generiert Zählwerke sind im IS-U angelegt, Parametrierung noch nicht bestätigt
5 Produktiv parametriert und generiert Normalbetrieb
4 Veraltet wird nicht mehr verwendet nur noch Historie

Ein Status lässt sich immer nur auf den nächsthöheren setzen. Die einzige manuelle Ausnahme ist das Zurücksetzen einer aktiven Zeitscheibe auf „Inaktiv“, und das nur mit entsprechender Berechtigung. Alle anderen Wechsel führt das System selbst aus.

freigebenmit BerechtigungzurücksetzenProfile an GWAGWA bestätigtüberdeckt oder storniert0 Inaktiv1 Aktiv6 Gesendet2 Parametriert3 Generiert5 Produktiv4 Veraltet
Status-Lebenszyklus einer Messinstanz-Zeitscheibe nach SAP-Hilfe Kap. 5.3.1. Erst die Bestätigung des Gateway-Administrators macht aus einer gesendeten Zeitscheibe eine parametrierte. Aus jedem Status kann eine Zeitscheibe veralten, etwa wenn eine neue Zeitscheibe sie vollständig überdeckt oder ein Prozess storniert wird.

Wie Zeitscheiben sich gegenseitig abgrenzen

Sobald der GWA eine neue Zeitscheibe erfolgreich bestätigt, setzt das System Status „Parametriert“ und das Parametrierungsdatum. Dann grenzt es die Nachbarn ab: Die bisher gültige parametrierte Zeitscheibe endet eine Sekunde vor dem Start der neuen. Zeitscheiben, die die neue vollständig überdeckt, werden „Veraltet“. Eine Zeitscheibe lässt sich auch manuell über das Enddatum abgrenzen. Maßgeblich ist damit die Sekunde der tatsächlichen Parametrierung, nicht der geplante Stichtag. Diese Regel erklärt viele Klärfälle weiter unten.

Welche Rolle welche Messinstanz braucht

Ob und welche Messinstanzen im System stehen, hängt von der Marktrolle ab, aus deren Sicht das SAP-System betrieben wird. SAP Learning beschreibt dafür Referenzkonstellationen für den Standardverbrauch mit intelligentem Messsystem (iMS). Beim Messstellenbetreiber (MSB) sind die realen Geräte in beiden Anlagen als nicht abrechnungsrelevante Objekte eingebaut. Um die Zählwerkseigenschaften der modernen Messeinrichtung abzubilden, legt der MSB einen Geräteinfosatz an. Dieser Schritt ist nach SAP entscheidend, um eine Messinstanz mit TAF zu konfigurieren. Eine Messinstanz mit TAF wird der MaLo-Anlage zugeordnet, eine Messinstanz ohne TAF der MeLo-Anlage (SAP Learning, „Standard Consumption with IMS for MOS“).

Die SAP-Hilfe ergänzt die Prozesssicht:

  • An der Messlokation werden Zähler und Smart-Meter-Gateway als intelligentes Messsystem eingebaut. Gerätespezifische Prozesse wie Gerätewechsel oder Stilllegung laufen nur dort. Werden dort nicht zwingend Messwerte benötigt, kann man eine Messinstanz ohne Tarifanwendungsfall anlegen.
  • An der Marktlokation entstehen Messinstanzen außerhalb des Geräteeinbauprozesses, manuell oder über den Intelligent Metering Explorer mit dem Parametrierungsprozess 3201. Die Geräte werden aus der Messlokation übernommen und sind in der Marktlokation nicht eingebaut. Ohne Geräteinfosatz müssen die Geräte auch in der Marktlokation verbaut sein. Die Parametrierung erfolgt auf einem Geräteinfosatz der führenden Marktlokationsanlage.
  • Eine Marktlokations-Messinstanz verweist auf die Gerätedaten einer Messlokation. Gerätespezifische Prozesse erlaubt sie nur, wenn der Systemparameter ALLOW_DEVICE_SPECIFIC_IN_MALO aktiv ist (SAP-Hilfe, Kap. 2 und 5.4).
MaLo-AnlagePhysische GeräteGerätebeziehungVorlage je ZeitscheibeAuswertungs- undKommunikationsprofilparametriertnichtabrechnungsrelevantnichtabrechnungsrelevantMeLo-AnlageMessinstanz ohne TAFModerne MesseinrichtungSmart-Meter-GatewayGeräteinfosatz mitvirtuellen ZählwerkenMessinstanz mit TAFMessprodukt mit TAF undOBISGateway-Administrator
Objektlandkarte beim Messstellenbetreiber, vereinfacht nach SAP Learning und SAP-Hilfe. Die realen Geräte hängen nicht abrechnungsrelevant in beiden Anlagen. Der Geräteinfosatz bildet die Zählwerke der mME ab und trägt die abrechnungsrelevanten Zählwerke an der MaLo. Die Messinstanz mit TAF verbindet Messprodukt, Geräteinfosatz und MaLo-Anlage, die Messinstanz ohne TAF beschreibt nur die Messung an der MeLo.

Für die anderen Rollen sieht das Bild anders aus:

Rolle Geräte im eigenen System Messinstanz an der MaLo Messinstanz an der MeLo Beleg
MSB reale Geräte, in beiden Anlagen nicht abrechnungsrelevant, dazu Geräteinfosatz für die Zählwerke ja, mit TAF ja, ohne TAF SAP Learning, Standard Consumption with IMS for MOS
Netzbetreiber (NB) in eigenem System alle realen Geräte durch Geräteinfosätze ersetzt, eingebaut in MeLo- und MaLo-Anlage laut SAP Learning wie in der Konstellation NB und MSB mit iMS, Details nicht öffentlich beschrieben nicht nötig SAP Learning, Standard Consumption with IMS for DSO, und Variants of Feed-In
Lieferant (LF) mME und iMS als Geräteinfosätze, abrechnungsbezogen in MaLo- und MeLo-Anlage optional über den vereinfachten Lieferantenansatz, Status „Passiv Produktiv“ im SAP-Material nicht beschrieben SAP Learning, Standard Consumption with IMS for SUP. SAP-Hilfe Kap. 5.9
Integrierter NB mit MSB-Funktion abhängig vom Systemschnitt wie beim MSB, da der Messstellenbetrieb im selben System liegt wie beim MSB Ableitung aus den SAP-Learning-Konstellationen, nicht ausdrücklich belegt

Der Satz für den Netzbetreiber stammt wörtlich aus SAP Learning: Beim NB mit iMS sind MSB-Verträge an den MaLo-Anlagen und Messinstanzen für die MeLo-Anlagen nicht nötig. Alle realen Geräte führt der MSB in einem anderen System, deshalb ersetzt der NB sie durch Geräteinfosätze (SAP Learning, Variants of Feed-In).

Der Lieferant als externer Marktpartner

Kapitel 5.9 der SAP-Hilfe beschreibt Intelligent Metering aus Sicht eines Lieferanten oder eines anderen externen Marktpartners. Voraussetzung sind die Systemparameter MARKET_ROLE mit dem Wert 1 für Lieferant oder 2 für Verteilnetzbetreiber sowie DEVICE_DIR_USAGE_TYPE mit dem Wert 2. Die Geräte werden über Geräteinfosätze abgebildet. Unterstützt sind zwei Anwendungsfälle: Messproduktwechsel und Installation bzw. Wechsel auf ein intelligentes Messsystem.

Erfährt der Lieferant über die Marktkommunikation von einem Gerätewechsel auf ein iMS, kann eine API eine „initiale“ Messinstanz mit dem Status „Passiv Produktiv“ anlegen. Der Status bedeutet: Es gibt ein intelligentes Messsystem, das aus Sicht des Lieferanten als externem Marktteilnehmer noch nicht parametriert ist. Stößt der Lieferant einen Messproduktwechsel an, startet der Prozess 3212. Das Projekt muss ihn um einen Schritt zum Senden der Konfigurationsanforderung an den MSB erweitern. Der Prozess wartet auf die Rückmeldung des MSB und legt danach die virtuellen Zählwerke als Geräteinfosatz an.

Wichtig ist ein Satz aus derselben Hilfe: Die zugehörige Marktkommunikation zum Messstellenbetreiber sei „derzeit nicht reguliert und nicht Teil der Lösung“. Der Lieferant bekommt also das Datenmodell, der Nachrichtenaustausch mit dem MSB bleibt Projektaufgabe. Wie dieser Satz zu den inzwischen regulierten Bestellprozessen passt, sollte jedes Projekt gegen die aktuelle Marktkommunikation prüfen.

Messinstanz mit und ohne Tarifanwendungsfall

Die Unterscheidung wirkt formal, trägt aber die Trennung von Messung und Markt in das SAP-Modell.

Merkmal Messinstanz mit TAF Messinstanz ohne TAF
Hängt an MaLo-Anlage MeLo-Anlage
Beschreibt welche Datenreihen das Gateway für die abrechnungs- und bilanzierungsrelevante Sicht bildet dass an dieser Messlokation ein intelligentes Messsystem misst, ohne eigene Wertebildung
Parametrierung im Gateway ja, über Auswertungs- und Kommunikationsprofil beim GWA keine TAF-Konfiguration, die gesendet werden müsste
Geräteprozesse nur mit ALLOW_DEVICE_SPECIFIC_IN_MALO Gerätewechsel, Stilllegung und Rückbau laufen hier
Wer braucht sie MSB, bei Bedarf LF oder NB im vereinfachten Modell MSB. Der NB braucht sie laut SAP Learning nicht

Warum der TAF an die Marktlokation gehört, erklärt sich fachlich: Der Tarifanwendungsfall beschreibt, wie Energiemengen für Abrechnung und Bilanzierung zusammengefasst werden. Abrechnung und Bilanzierung beziehen sich auf die Marktlokation. Die Messlokation ist dagegen der Ort, an dem gemessen wird und an dem die Geräte physisch hängen. Wer diese Trennung kennt, erkennt Fehler schnell: Eine TAF-Konfiguration an der MeLo-Anlage oder ein Gerätewechsel an der MaLo-Anlage passen in der Regel nicht zum Referenzmodell.

Geräteinfosatz und virtuelle Zählwerke

Das reale Gerät misst Zählerstände an seinen Basiszählwerken. Welche weiteren Zählwerke es gibt, entscheidet erst die Parametrierung: Ein TAF 2 erzeugt Tarifstufenregister, ein TAF 7 einen Zählerstandsgang. Diese abgeleiteten Zählwerke entstehen im Gateway, nicht im Zähler. SAP bildet sie deshalb als virtuelle Zählwerke ab, typischerweise an einem Geräteinfosatz.

Zwei Belege stützen dieses Muster. Beim Parametrierungsabschluss werden die Zählwerke des parametrierten Geräts gemäß den Spezifikationen der Messinstanz-Zeitscheibe geändert, bei der Beendigung werden sie wieder auf Basiszählwerke umgebaut (SAP-Hilfe, Kap. 4.13 und 4.15). Im Lieferantenszenario legt der Prozess die virtuellen Zählwerke ausdrücklich als Geräteinfosatz an (Kap. 5.9).

Der praktische Vorteil zeigt sich beim Gerätewechsel. SAP Learning beschreibt für eine verwandte Konstellation mit mME und Lastgangmessung beim MSB: Ändert sich ein Gerät, wird das Gerät an der MeLo aktualisiert, der Geräteinfosatz an der MaLo bleibt gleich. Die Seriennummer des Geräteinfosatzes wird unabhängig von der Seriennummer des realen Geräts vergeben (SAP Learning, Standard Consumption). Die abrechnungsrelevante Seite bleibt damit stabil, während die Hardware wechselt.

Die Gerätebeziehung zwischen mME und Smart-Meter-Gateway ist im Stammdatenmodell als Beziehung zweier Geräte abgebildet. Der Intelligent Metering Explorer zeigt beide im Kontext von Anlage und Anschlussobjekt. Beim Einbau werden intelligenter Zähler und Gateway gemeinsam den Messinstanzen des Prozesses zugewiesen. Kommt das Gateway später als der Zähler, erweitert SAP den Neuanlageprozess um einen Schritt für den nachträglichen Gateway-Einbau.

Lebenszyklus: Anlegen, Wechsel, Beenden

Alle Intelligent-Metering-Prozesse laufen über Prozessdokumente, die in /IDXGC/PDOCMON01 überwacht werden. Mehr zu diesem Objekt steht im Artikel Prozessdokumente im System. Einstieg ist der Intelligent Metering Explorer (/IDEIM/IMEXPLORER). Das ältere Intelligent Metering Interaction Center (/IDEIM/IMIC) ist laut SAP veraltet und soll entfallen.

Prozess Nr. Was mit der Messinstanz passiert
Geräteneuanlage 3060 Je Anlage mindestens eine Messinstanz-Zeitscheibe mit Messprodukt, zunächst „Inaktiv“. Nach Montagerückmeldung Geräte zuordnen, Aktivierung ab Einbaudatum, Parametrierung 3201 je Messinstanz
Gerätewechsel 3070 Bei Prozessstart neue Zeitscheiben für alle Messinstanzen. Alte Zeitscheibe: Parametrierung Beendigung 3203. Neue Zeitscheibe: Parametrierung Neuanlage 3201
Stilllegung / Rückbau 3080 Messinstanzen erhalten das geplante Ausbaudatum, Parametrierung Beendigung 3203, Zeitscheiben mit dem Ausbaudatum abgegrenzt
Messproduktwechsel 3202 Massenänderung legt neue Zeitscheiben „Inaktiv“ an. Nach Aktivierung eine Parametrierungsänderung je Zeitscheibe
Stornierung Messproduktwechsel k. A. Nur solange noch nicht parametriert. Prozessdokument „obsolet“, Zeitscheibenänderungen werden zurückgenommen
Stornierung Geräteprozess k. A. Nur vor der Außendienstrückmeldung. Zeitscheibe „obsolet“, vorherige Zeitscheibe wird wieder geöffnet. Bei Neuanlage wird die Messinstanz gelöscht
Kündigung MI-Zeitscheibe 3305 Zukünftige produktive Zeitscheibe wird „veraltet“, die vorherige bis 31.12.9999 verlängert
Stornierung Parametrierung 3330 Setzt eine Marktlokations-Messinstanz zurück. Voraussetzung ALLOW_DEVICE_SPECIFIC_IN_MALO

Quelle der Tabelle sind Kapitel 4.2 bis 4.16 der SAP-Hilfe. SAP bezeichnet die ausgelieferten Abläufe ausdrücklich als Vorschläge, die im Projekt angepasst werden können.

Anlegen

Bei der Geräteneuanlage legt der Anwender für jede relevante Anlage mindestens eine Messinstanz-Zeitscheibe an, indem er ein Messprodukt zuordnet. Alternativ weist er schon angelegte, noch inaktive Messinstanzen zu. Der Explorer bietet dafür eine Express-Funktion: Nur die Schlüsselattribute eingeben, den Rest legt das System im Hintergrund an. Nach der Montagerückmeldung mit Einbaudatum, Geräten und Einbauständen der Basiszählwerke ordnet das System Zähler und Gateway den Messinstanzen zu und aktiviert sie mit Gültigkeitsbeginn des Einbaudatums. Danach folgt je Messinstanz die Parametrierung.

Parametrierung

Die Parametrierung ist der Kern des Lebenszyklus. Laut SAP-Hilfe Kapitel 4.13 läuft sie so ab:

  1. Das System legt ein eigenes Prozessdokument mit Zählpunkt und Messinstanz-Zeitscheibe an und verknüpft es mit dem Hauptprozess.
  2. Eine Fristenüberwachung startet, abhängig vom Zählverfahren. RLM gilt, wenn mindestens ein Zählwerk ein Intervall hat, sonst SLP.
  3. Das System prüft, ob ein Ereignis „OBIS unbekannt“ zu erwarten ist. Das ist der Fall bei Nicht-RLM, wenn mindestens eine OBIS-Kennzahl der Messinstanz nicht im Gerät installiert ist.
  4. Auswertungs- und Kommunikationsprofil gehen per Web-Service an den GWA. Die Zeitscheibe wechselt auf „Gesendet“.
  5. Kommt die Bestätigung nicht rechtzeitig, entsteht ein Klärungsfall, in dem man das Parametrierungsdatum manuell festlegen kann.
  6. Bei Erfolg schreibt das System Parametrierungszeitpunkt und Profilnummern in die Messinstanz.
  7. Weicht das Datum aus dem „OBIS unbekannt“-Ereignis vom ermittelten Beginn der Zeitscheibe ab, entsteht ein Klärungsfall zur Festlegung des Startdatums.
  8. Die Zählwerke des Geräts werden gemäß der Zeitscheibe umgebaut, danach gehen die Profile an das MDM-System.

Messproduktwechsel

Ein Messproduktwechsel läuft über die Massenänderung /IDEIM/MI_MP_CHANGE. Man wählt die betroffenen Messinstanzen oder nur das alte Messprodukt, gibt Startdatum und neues Messprodukt an und startet zuerst einen Testlauf. Das Ergebnis unterscheidet sich je nach Status:

  • Produktive Zeitscheiben: Das System legt eine neue Zeitscheibe mit neuem Messprodukt und Startdatum an, grenzt die alte ab und startet je Zeitscheibe die Parametrierungsänderung 3202.
  • Inaktive Zeitscheiben: Es gibt keine Abgrenzung. Das System ändert in der bestehenden Zeitscheibe Messprodukt und Startdatum.
  • Andere Status: Enthält die Selektion Zeitscheiben, die weder inaktiv noch produktiv sind, führt das System die Änderung nicht durch.

Bei der Parametrierungsänderung enthält jedes Prozessdokument die alte und die neue Zeitscheibe. Die alte Konfiguration wird beim GWA geändert, ihr tatsächliches Enddatum kommt aus der GWA-Antwort. Danach wird die neue Konfiguration angelegt und bestätigt. Auch das Customizing wirkt nach: Ändern sich Daten in den Kommunikationsprofilen, müssen sie laut SAP in allen Messprodukten und danach in allen Messinstanzen ausgetauscht werden. Für jede Messinstanz entsteht dann eine neue Zeitscheibe.

Gerätewechsel

Der Gerätewechsel 3070 deckt fünf Varianten ab: intelligenter Zähler gegen intelligenten Zähler, iMS gegen iMS, Gateway gegen Gateway, intelligenter Zähler gegen iMS sowie konventioneller gegen konventionellen Zähler. Bei Prozessstart erzeugt das System für alle betroffenen Messinstanzen neue Zeitscheiben, in die das neue Gerät später eingebaut wird. Bestand ein altes iMS, läuft für die abgegrenzte alte Zeitscheibe die Parametrierung Beendigung. Nach der Montagerückmeldung mit Ein- und Ausbaustand werden die neuen Geräte zugeordnet, die Messinstanzen ab Einbaudatum aktiviert, und die neue Zeitscheibe startet die Parametrierung Neuanlage.

Beim direkten Tausch von Zähler gegen Zähler oder Gateway gegen Gateway führt das System einen IS-U-Gerätewechsel aus. In allen anderen Varianten baut es das alte Gerät aus und das neue ein. Mehr zur IS-U-Seite des Wechsels steht in Gerätewechsel und Tarifierung.

Beenden

Bei Stilllegung oder Rückbau ermittelt das System alle Messinstanzen des Geräts, trägt das geplante Ausbaudatum ein und startet je Messinstanz die Parametrierung Beendigung. Die Zählwerke werden auf Basiszählwerke zurückgebaut, die Zeitscheiben mit dem Ausbaudatum abgegrenzt. Die Stilllegung baut das Gerät vollständig aus, der Rückbau entfernt es nur abrechnungstechnisch.

MDM-SystemGateway-Adminis-tratorSAP IS-USachbearbeitungMassenänderung mit neuemMessprodukt und StartdatumNeue Zeitscheibeim Status InaktivZeitscheibe aktivierenAlte Profile ändernBestätigung mit tatsächlichemEnddatumNeue Profile anlegenStatus GesendetBestätigung mitParametrierungszeitpunktStatus Parametriert,alte ScheibeabgegrenztZählwerkeumbauenAlte und neue Profile melden
Zeitlicher Ablauf eines Messproduktwechsels nach SAP-Hilfe Kap. 4.6 und 4.14. Die neue Zeitscheibe gilt erst ab dem Zeitpunkt, den der Gateway-Administrator bestätigt. Die alte Zeitscheibe endet eine Sekunde davor.

Zusammenhang mit der Marktkommunikation

Im SAP-Objekt heißt die Vorlage „Messprodukt“. Im deutschen Markt gibt es ebenfalls „Messprodukte“, und zwar als Codes der Codeliste der Konfigurationen von BDEW und EDI@Energy. Die Version 1.3c vom 01.04.2025 unterscheidet unter anderem:

  • Standard-Messprodukte Strom für Werte nach Typ 1 für Marktlokation, Tranche, Messlokation und Netzlokation, jeweils mit Code, Werteart und Granularität. Die Tabelle sagt auch, welche Marktrolle das Produkt beim MSB bestellen kann. Ein Beispiel ist Code 9991 00000 021 8, „Messlokation ohne Wahlmöglichkeit der Zuordnung einer Zählzeit für Wirkarbeit Verbrauch Lastgang 1/4 stündlich“, bestellbar für NB und MSB.
  • Konfigurationsprodukte wie Schaltzeitdefinition, Leistungskurvendefinition und Ad-hoc-Steuerkanal.
  • Messprodukte für Werte nach Typ 2, etwa Netzzustandsdaten aus dem Smart-Meter-Gateway oder Produkte für den Energieserviceanbieter.

Ein Markt-Messprodukt beschreibt also, welche Werte ein Marktpartner in welcher Form erhält. Das SAP-Messprodukt beschreibt, welche TAF-Konfiguration das Gateway dafür ausführt. Die Codeliste nennt keine Tarifanwendungsfälle. Die Zuordnung „Markt-Messprodukt X braucht SAP-Messprodukt Y mit TAF Z“ ist deshalb eine Designentscheidung des MSB, die im Projekt dokumentiert werden sollte.

Eingebettet ist das in den Universalbestellprozess der BNetzA-Festlegung BK6-22-128, der seit dem 01.10.2023 in der Sparte Strom anzuwenden ist. Laut BDEW-Einführungsszenario laufen Zählzeitdefinitionen und ihre Bestellung bereits seit dem 01.01.2023 im Regelbetrieb. Schaltzeit- und Leistungskurvendefinitionen kamen mit dem Universalbestellprozess hinzu. Das Szenario zeigt auch, dass Markt-Messprodukt-Codes wechseln können: Zum 01.10.2023 mussten ESA und MSB bestehende Codes für Werte nach Typ 2 durch neue ersetzen.

Für die SAP-Seite ergeben sich daraus drei typische Auslöser für Arbeit an der Messinstanz:

  1. Bestellung einer Konfiguration oder eines Messprodukts durch NB oder LF beim MSB. Beim MSB folgt daraus in der Regel ein Messproduktwechsel an der MaLo-Messinstanz, weil sich TAF, Versand oder Empfänger ändern.
  2. Stammdatenänderungen mit Bezug zu Messtechnik oder Zählzeiten. Zählzeitdefinitionen verwaltet SAP im Intercompany Data Exchange, etwa mit /IDXGL/DEF_CREATE (SAP-Hilfe, Kap. 5.10.1). Sie bestimmen, welches Zählwerk an einer Marktlokation zu welcher Zeit die Energie erfasst, und sind damit fachliche Eingangsgröße für einen TAF 2.
  3. Gerätewechsel beim MSB. Der Wechsel wird den Marktpartnern mitgeteilt. Beim Lieferanten kann daraus eine initiale Messinstanz im Status „Passiv Produktiv“ entstehen.

Die Prozesse auf Marktebene beschreiben die Artikel Messstellenbezogene Prozesse und Messlokationsänderung und Konfiguration. Welche Prüfidentifikatoren und Nachrichten für eine konkrete Bestellung gelten, hängt vom gültigen AHB-Stand ab und wird hier bewusst nicht festgeschrieben.

Vereinfachtes Beispiel: Haushalt mit iMS, später dynamischer Tarif

Das folgende Beispiel ist ein vereinfachtes Lernmodell. Namen, Nummern, Daten und Messproduktbezeichnungen sind frei gewählt. Die Schritte folgen dem SAP-Standardablauf aus der Anwendungshilfe. Wie ein MSB seine Messprodukte schneidet, ist unternehmensspezifisch.

Ausgangslage. Ein Haushalt verbraucht mehr als 6 000 kWh im Jahr und erhält deshalb vom grundzuständigen Messstellenbetreiber ein intelligentes Messsystem aus mME und Smart-Meter-Gateway. Der Lieferant rechnet zunächst einen Eintarif-Festpreis ab. Im SAP-System des MSB gibt es:

  • Zählpunkt der MeLo mit Anlage A-MELO-1,
  • Zählpunkt der MaLo mit Anlage A-MALO-1,
  • die realen Geräte MME-4711 und SMGW-0815, in beiden Anlagen nicht abrechnungsrelevant eingebaut,
  • einen Geräteinfosatz GIS-MALO-1 mit den virtuellen Zählwerken an der MaLo-Anlage.

Schritt 1: Neuanlage zum 01.03. Im Explorer startet die Sachbearbeitung den Prozess 3060 an der Messlokation. Sie legt die Messinstanz MI-MELO-1 ohne TAF für A-MELO-1 an und die Messinstanz MI-MALO-1 für A-MALO-1. Die MaLo-Messinstanz verweist auf das Messprodukt MP-ZSG-NB. Es enthält einen TAF 7 für die Zählerstandsgangmessung in Viertelstunden, als abrechnungsrelevant gekennzeichnet. Beide Zeitscheiben stehen auf „Inaktiv“.

Schritt 2: Montage und Parametrierung. Die Montagerückmeldung meldet Einbau am 03.03. mit Einbaustand der Basiszählwerke. Das System ordnet MME-4711 und SMGW-0815 zu, aktiviert die Messinstanzen ab 03.03. und startet die Parametrierung 3201. Die Zeitscheibe von MI-MALO-1 geht auf „Gesendet“. Der GWA bestätigt die Parametrierung am 04.03. um 10:12 Uhr. Das System schreibt Parametrierungszeitpunkt und Profilnummern in die Messinstanz, baut die Zählwerke gemäß Zeitscheibe um und meldet die Profile an das MDM-System. Die Zeitscheibe wird „Produktiv“.

Schritt 3: Wechsel auf einen dynamischen Tarif. Seit dem 01.01.2025 muss jeder Stromlieferant Letztverbrauchern mit intelligentem Messsystem einen Vertrag mit dynamischem Tarif anbieten (§ 41a Abs. 2 EnWG). Der Kunde wählt ihn zum 01.07. Der Lieferant braucht dafür Viertelstundenwerte für seine eigene Abrechnung. Im Lernmodell soll der MSB diese Werte künftig zusätzlich an den Lieferanten senden, und zwar mit täglichem Versand. Er bildet das über ein zweites Messprodukt MP-ZSG-NB-LF ab. Es enthält wieder TAF 7, aber mit einem zusätzlichen Kommunikationsprofil und angepasster Versandperiode.

Schritt 4: Messproduktwechsel. Die Sachbearbeitung ruft /IDEIM/MI_MP_CHANGE auf, selektiert MI-MALO-1, trägt MP-ZSG-NB-LF und den Start 01.07. ein und prüft den Testlauf. Das System legt eine neue Zeitscheibe im Status „Inaktiv“ an. Nach Aktivierung startet die Parametrierungsänderung 3202. Die alte Konfiguration wird beim GWA geändert, die neue angelegt.

Schritt 5: Datum aus der Bestätigung. Der GWA bestätigt die neue Konfiguration für den 01.07. um 00:00 Uhr. Die alte Zeitscheibe endet damit am 30.06. um 23:59:59 Uhr, die neue ist ab 01.07. produktiv. Käme die Bestätigung erst für den 02.07., begänne die neue Zeitscheibe am 02.07., und für den 01.07. fehlten die Werte im neuen Versandweg. Genau solche Abweichungen fängt der Klärungsfall zum Startdatum ab.

Zeitscheibe Messprodukt Gültig von Gültig bis Status nach Schritt 5
MI-MALO-1 / 1 MP-ZSG-NB 04.03. 10:12:00 30.06. 23:59:59 Produktiv, abgegrenzt
MI-MALO-1 / 2 MP-ZSG-NB-LF 01.07. 00:00:00 31.12.9999 Produktiv
MI-MELO-1 / 1 ohne TAF 03.03. 31.12.9999 unverändert

Zwei Dinge bleiben im Beispiel bewusst unverändert. Die MeLo-Messinstanz ist nicht betroffen, weil sich an der Messung nichts ändert. Die Geräte bleiben dieselben. Den Tarif selbst führt der Lieferant in seinem eigenen System. Hätte der MSB das Grundprodukt von Anfang an mit Versand an alle Berechtigten gebaut, bräuchte es vielleicht gar keinen Messproduktwechsel. Das Beispiel zeigt deshalb den Mechanismus, nicht die einzig richtige Produktgestaltung. Die Preisseite dynamischer Tarife erklärt der Artikel Statische, zeitvariable und dynamische Stromtarife.

Variante: Gerätewechsel im Oktober. Fällt das Gateway SMGW-0815 aus, startet der Prozess 3070 an der Messlokation. Das System erzeugt für MI-MALO-1 und MI-MELO-1 neue Zeitscheiben. Die alte MaLo-Zeitscheibe durchläuft die Parametrierung Beendigung. Nach Montagerückmeldung mit dem neuen Gateway wird die neue Zeitscheibe, weiterhin mit MP-ZSG-NB-LF, neu parametriert. Das Messprodukt bleibt, die Gerätezuordnung ändert sich.

Fehlerbilder und Klärfälle

Fehlerbild Typische Ursache Wo man es sieht Was hilft
Zeitscheibe bleibt auf „Gesendet“ Keine oder negative Bestätigung vom GWA Prozessdokument, Terminüberwachung, Klärungsfall Web-Service-Status prüfen. Im Klärungsfall das Parametrierungsdatum manuell festlegen, wenn der GWA es anders bestätigt hat
Startdatum der Zeitscheibe weicht vom geplanten Datum ab Das Datum aus „OBIS unbekannt“ passt nicht zum Parametrierungsdatum Klärungsfall zum Startdatum Startdatum im Klärungsfall festlegen. Folgen für Ablesung und Abrechnung prüfen
„OBIS unbekannt“-Ereignis ohne Zuordnung Kein aktives Prozessdokument gefunden Ereignisstatus „Fehlerhaft“ in EAMIEVTMON01 Ereignis dem richtigen Prozess zuordnen oder Ursache im Stammsatz klären
Messproduktwechsel läuft nicht Selektion enthält Zeitscheiben, die weder inaktiv noch produktiv sind Protokoll der Massenänderung Offene Prozesse abschließen oder stornieren, dann erneut ausführen
Zeitscheibe lässt sich nicht aktivieren Fehlerhafte Messinstanz-Zeitscheibe Meldung bei Aktivierung Fehler beheben, erst dann aktivieren
Storno des Messproduktwechsels abgelehnt Messinstanz ist bereits parametriert Storno-Transaktion /IDEIM/MPC_CANCEL Stattdessen einen erneuten Messproduktwechsel auf das alte Messprodukt anstoßen
Geräteprozess lässt sich nicht stornieren Außendienstrückmeldung ist bereits eingegangen /IDEIM/PROC_REVERSAL Folgeprozess starten, etwa erneuten Gerätewechsel
Gerätewechsel an der MaLo nicht möglich Gerätespezifische Prozesse laufen nur an der MeLo Kontextmenü im Explorer Prozess an der Messlokation starten oder Parameter ALLOW_DEVICE_SPECIFIC_IN_MALO bewusst prüfen
Ableseergebnisse beim Wechsel fehlen Keine Stände in der Montagerückmeldung erfasst Klärungsfall im Prozessverlauf Stände nacherfassen und Prüfung wiederholen oder bewusst ohne Stände fortsetzen
Warnung zur Auslastung des Versandzeitfensters Zu viele Messinstanzen im selben Zeitfenster Versandzeitberechnung, bei 100 % Fehlermeldung Versandzeiten mit /IDEIM/TRANS_RE reorganisieren

Die Ursachen und Meldungswege stammen aus Kapitel 4.5 bis 4.16, 5.3.3 und 5.5 der SAP-Hilfe. Die Spalte „Was hilft“ ist eine fachliche Einordnung, keine SAP-Handlungsanweisung.

Fachlich wiegen drei Folgen am schwersten:

  • Lücken oder Überlappungen im Zeitverlauf. Liegt der Start der neuen Zeitscheibe später als geplant, fehlen für den Zwischenraum Werte im neuen Profil. Das trifft Abrechnung und Bilanzierung an der Marktlokation.
  • Falsche Anlage. Eine TAF-Messinstanz an der MeLo-Anlage oder ein fehlender Geräteinfosatz an der MaLo-Anlage führt dazu, dass die abrechnungsrelevanten Zählwerke nicht dort entstehen, wo die Abrechnung sie sucht.
  • Messprodukt und Marktbestellung passen nicht zusammen. Bestellt ein Marktpartner Werte, die das SAP-Messprodukt nicht erzeugt, meldet das Gateway korrekt, aber die falschen Daten. Solche Fehler fallen oft erst bei der Rechnungsprüfung auf.

Typische Missverständnisse

„Die Messinstanz ist das Gerät.“ Nein. Die Messinstanz ordnet ein Messprodukt einem Gerät und einer Anlage zu. Das Gerät kann wechseln, während Messinstanz und Messprodukt bestehen bleiben. Umgekehrt kann das Messprodukt wechseln, während das Gerät bleibt.

„Messprodukt in SAP und Messprodukt in der Codeliste sind dasselbe.“ Nein. Der Markt-Code beschreibt, welche Werte ein Marktpartner erhält. Das SAP-Messprodukt beschreibt, welche TAF-Konfiguration das Gateway ausführt. Die Brücke zwischen beiden baut der MSB.

„Wer das Messprodukt ändert, ändert alle Messinstanzen.“ Nein. Laufende Zeitscheiben erben die Daten beim Anlegen. Eine Änderung wirkt erst über einen Messproduktwechsel mit neuer Zeitscheibe und neuer Parametrierung.

„Der TAF gehört an die Messlokation, weil dort gemessen wird.“ Im SAP-Referenzmodell nicht. Die Messinstanz mit TAF hängt an der MaLo-Anlage, weil der TAF die abrechnungsrelevante Aufbereitung beschreibt. An der MeLo steht die Messinstanz ohne TAF.

„Der Netzbetreiber braucht die gleichen Messinstanzen wie der MSB.“ Nein. Laut SAP Learning braucht der NB mit iMS keine Messinstanzen für die MeLo-Anlagen. Er arbeitet mit Geräteinfosätzen.

„Das geplante Datum ist das Gültigkeitsdatum.“ Nein. Maßgeblich ist der vom GWA bestätigte Parametrierungszeitpunkt. Die vorherige Zeitscheibe endet eine Sekunde davor.

„Ein TAF ist ein Tarif.“ Nein. Ein TAF ist eine Verarbeitungsregel im Gateway nach BSI TR-03109-1. Der Preis entsteht beim Lieferanten. Ein dynamischer Tarif braucht passende Datenreihen, er ist aber selbst kein Tarifanwendungsfall.

Quellen und Pflegehinweis

Tragende Quelle ist die deutschsprachige Anwendungshilfe zu SAP Intelligent Metering for German Energy Utilities vom 06.08.2026. Aus ihr stammen Definitionen, Status, Prozessnummern, Transaktionen und Systemparameter. Die Zuordnung der Messinstanzen zu MaLo- und MeLo-Anlage je Marktrolle stützt sich auf zwei Lektionen aus dem SAP-Learning-Kurs zum deutschen Stammdatenmodell, geprüft am 28.09.2026. Den Bezug zu Tarifanwendungsfällen liefert die BSI TR-03109-1 in Version 2.0 vom 13.12.2024. Die Marktseite stützt sich auf die Codeliste der Konfigurationen in Version 1.3c und auf das BDEW-Einführungsszenario zum Universalbestellprozess in Version 1.3. Die Pflicht zum dynamischen Tarif folgt aus § 41a EnWG.

Bei der nächsten Pflege prüfen:

  • ob eine neuere Fassung der SAP-Anwendungshilfe Status, Prozessnummern oder Transaktionen ändert, insbesondere für SAP S/4HANA Utilities,
  • ob SAP weitere Tarifanwendungsfälle, etwa TAF 9, TAF 10 oder TAF 14, im Standard ausliefert,
  • ob die Aussage der Hilfe zur „nicht regulierten“ Marktkommunikation zwischen Lieferant und MSB noch zum aktuellen Stand der Bestellprozesse passt,
  • welche Version der Codeliste der Konfigurationen gilt und ob sich Messprodukt-Codes geändert haben,
  • ob die BSI TR-03109-1 in einer neuen Fassung Tarifanwendungsfälle ändert.

Offen bleibt die genaue Ausgestaltung beim integrierten Netzbetreiber mit eigenem Messstellenbetrieb. Die SAP-Learning-Lektionen verweisen dafür auf die Konstellation Netzbetreiber und MSB mit iMS, ohne jede Anlage einzeln zu beschreiben.

Primärquellen zum Nachlesen