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Intelligente Messsysteme

04Messwesen & Smart Metering

Die HAN-Schnittstelle im intelligenten Messsystem

Wie die anschlussnutzende Person über das Home Area Network eigene Messwerte lokal liest, welche Daten dort bereitstehen und wo die Marktkommunikation beginnt.

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Kurzantwort

Die HAN-Schnittstelle ist das lokale Netz am Smart-Meter-Gateway, über das die anschlussnutzende Person und Servicetechniker eigene Messwerte lesen. Sie teilt sich in HAN-CON für den lesenden Zugriff und HAN-CLS für die sichere Anbindung steuerbarer Geräte. Über HAN-CON stehen aktuelle und historische Verbrauchswerte, Tarifinformationen und Zählerstandsgänge der letzten 24 Monate bereit. Diese lokale Nutzung löst keinen Marktprozess aus. Der Austausch mit Lieferant, Netzbetreiber und Messstellenbetreiber läuft getrennt über das Weitverkehrsnetz (WAN).

Was die HAN-Schnittstelle ist

HAN steht für Home Area Network, auf Deutsch Heimnetz. Gemeint ist der lokale Kommunikationsbereich am Smart-Meter-Gateway (SMGW), an dem Geräte und Anwendungen im Gebäude der anschlussnutzenden Person angeschlossen werden. Das BSI beschreibt das SMGW mit drei Schnittstellenbereichen: LMN für die Zähler, WAN für externe Kommunikationspartner und HAN für das Heimnetz. BSI, Smart-Meter-Gateway

Wichtig ist die Reichweite dieser Schnittstelle. Wer über HAN liest, bleibt im lokalen Bereich. Das Lesen der eigenen Werte erzeugt keine Nachricht an Lieferant, Netzbetreiber oder Messstellenbetreiber. Die HAN-Schnittstelle ist damit keine Abkürzung in die Marktkommunikation, sondern ein eigener, örtlich begrenzter Datenzugang.

HAN-CON und HAN-CLS: zwei Bereiche, zwei Zwecke

Das BSI unterteilt das HAN in zwei Bereiche. HAN-CON dient der anschlussnutzenden Person und der Servicetechnik. Nach erfolgreicher Authentifizierung erhält sie lesenden Zugriff auf Verbrauchs- und Einspeisewerte sowie auf Informationen zum Systemzustand des Gateways. HAN-CLS verbindet steuerbare lokale Systeme (Controllable Local Systems, CLS) wie Wärmepumpen, Wechselrichter von Photovoltaikanlagen, Wallboxen oder Datenkonzentratoren. BSI, Smart-Meter-Gateway

Bereich Für wen Zweck Zugriffsart
HAN-CON anschlussnutzende Person, Servicetechniker eigene Verbrauchs- und Einspeisewerte, Systemzustand lesend, nach Authentifizierung
HAN-CLS steuerbare Geräte und Energiemanagementsysteme sichere Anbindung an ein Backend, Steuerung und Mehrwertdienste gesicherter TLS-Proxy-Kanal, nur durch den Gateway-Administrator konfigurierbar

Beide Bereiche sitzen am selben Gateway, erfüllen aber unterschiedliche Aufgaben. HAN-CON zeigt Daten an. HAN-CLS stellt einen gesicherten Kanal für Geräte bereit, die mit externen Systemen kommunizieren. Die Trennung verhindert, dass eine Anzeigeanwendung unbemerkt Steuerungszugriff erhält.

Welche Daten lokal bereitstehen

Das Messstellenbetriebsgesetz verlangt vom intelligenten Messsystem eine Visualisierung des Verbrauchsverhaltens. § 21 Abs. 1 Nr. 2 MsbG nennt den Umfang: den tatsächlichen Energieverbrauch und die Nutzungszeit, abrechnungsrelevante Tarifinformationen mit den zugehörigen Messwerten, historische Verbrauchswerte für die drei vorangegangenen Jahre sowie tages-, wochen-, monats- und jahresbezogene Werte und Zählerstandsgänge für die letzten 24 Monate. MsbG § 21

Die Technische Richtlinie TR-03109-1 legt fest, dass das Gateway dem Anschlussnutzer an der HAN-Schnittstelle den Zählerstand je erfasster Messgröße bereitstellt. Die Version 2.0, verabschiedet am 13. November 2024 und veröffentlicht am 13. Dezember 2024, vereinheitlicht die Anwendungsprogrammierschnittstelle (API) und das Datenformat. Dadurch können lokale Anwendungen unterschiedlicher Hersteller die Werte gleich verarbeiten. BSI, TR-03109-1

Neben dem Zählerstand und der Verbrauchshistorie existiert der Tarifanwendungsfall 14 (TAF 14) für die hochfrequente Bereitstellung von Messwerten für Mehrwertdienste. Solche Werte stehen für lokale Anwendungen zur Verfügung, wenn die Konfiguration des Gateways sie vorsieht. Eine Garantie auf ein bestimmtes Raster gibt es nicht. Welche Werte und welche Auflösung anliegen, hängt von Messkonzept, Gateway-Konfiguration und Tarifanwendungsfall ab.

Datenart lokal über HAN-CON Marktkommunikation über WAN
aktueller Zählerstand und Verbrauchshistorie lesbar nach Authentifizierung Übermittlung nach Wertebedarf
abrechnungsrelevante Tarifinformationen lesbar Bestandteil der Abrechnung
Zählerstandsgang, im Strom üblicherweise viertelstündlich lokal auslesbar, sofern konfiguriert Versand als MSCONS an berechtigte Stellen
Steuerung einer Anlage nach § 14a EnWG nicht über HAN-CON Steuersignal an CLS, konfiguriert durch den Gateway-Administrator

Lokale Nutzung und Marktkommunikation getrennt

Externe MarktrollenSmart-Meter-GatewayLokal beim Anschlussnutzerauthentifiziert, lesendgesichertnur nach Konfigurationdurch den GWAWertebedarf undMarktkommunikationAdministrationAnschlussnutzendePersonLokale AnwendungDisplay oderEnergiemanagementsystemCLS-GerätWärmepumpe, Wallbox,WechselrichterHAN-CONlesender ZugriffHAN-CLSTLS-Proxy-KanalWANGateway-AdministratorLieferantNetzbetreiber
Die anschlussnutzende Person liest über HAN-CON eigene Werte in einer lokalen Anwendung. Ein konfigurierter Kanal nach außen führt über HAN-CLS. Die Marktkommunikation zwischen Messstellenbetreiber, Lieferant und Netzbetreiber läuft unabhängig davon über das WAN und wird durch das lokale Lesen weder ausgelöst noch ersetzt.

Vom Zähler zur lokalen Anzeige

Der Weg beginnt an der Messeinrichtung. Sie liefert die Rohwerte über das lokale metrologische Netz (LMN) an das Gateway. Dort werden die Werte verarbeitet und für die Bereitstellung vorbereitet. An der HAN-CON-Schnittstelle kann die anschlussnutzende Person ein geeignetes Endgerät anschließen und nach erfolgreicher Authentifizierung lesend auf die Daten zugreifen. Das BSI nennt ausdrücklich die Weiterverarbeitung in Smart-Home-Systemen als Ziel der einheitlichen Formate.

Die Marktkommunikation folgt einem eigenen Weg. Das Gateway übermittelt Werte über das WAN an den Messstellenbetreiber, der sie aufbereitet und an die berechtigten Stellen verteilt. Bei einem Jahresverbrauch unter 100.000 Kilowattstunden sendet das intelligente Messsystem die Werte in einer Auflösung von 15 Minuten einmal täglich an den Messstellenbetreiber. Die Bundesnetzagentur weist darauf hin, dass die Messwerte nicht ununterbrochen übermittelt werden und die anschlussnutzende Person ihre eigenen Verbrauchsdaten über die HAN-Schnittstelle oder ein Online-Portal jederzeit einsehen kann. Bundesnetzagentur, Messeinrichtungen

Was Marktkommunikation bleibt

Die Marktkommunikation umfasst den Austausch zwischen Messstellenbetreiber, Lieferant, Netzbetreiber und weiteren berechtigten Stellen. Sie folgt den Prozessen und Formaten der Marktkommunikation, etwa der Übermittlung von Werten als MSCONS-Nachricht. Ob die anschlussnutzende Person ihre Werte lokal liest, ändert an diesen Abläufen nichts. Die Übermittlung erfolgt nach dem Wertebedarf der berechtigten Stellen und nicht auf Anforderung durch das lokale Gerät.

Der Zugriff über HAN-CON löst deshalb keinen Fernzugriff und keinen Marktprozess aus. Ein lokales Display oder ein Energiemanagementsystem liest nur. Etwas anderes gilt für HAN-CLS. Dort kann ein gesicherter Kanal zwischen einem CLS-Gerät und einem externen Kommunikationspartner entstehen. Diesen Kanal legt ausschließlich der Gateway-Administrator an, und zwar für einen bestimmten Anwendungsfall, etwa die netzorientierte Steuerung nach § 14a EnWG. Die technische Möglichkeit eines Kanals allein begründet keine Steuerungsbefugnis.

Vereinfachtes Beispiel: Haushalt mit Photovoltaik und Wallbox

Ein Haushalt betreibt eine Photovoltaikanlage mit 9 Kilowatt und eine Wallbox. Beide Merkmale können ein intelligentes Messsystem und eine Steuerungseinrichtung auslösen. Nach dem Einbau richtet der Haushalt ein Energiemanagementsystem ein und verbindet es mit der HAN-CON-Schnittstelle des Gateways.

Danach laufen zwei Vorgänge parallel:

  • Das Energiemanagementsystem liest lokal die eigenen Verbrauchs- und Einspeisewerte und verschiebt den Betrieb der Wallbox in Zeiten hoher Eigenstromerzeugung. Dieser Vorgang bleibt im Gebäude.
  • Der Messstellenbetreiber sendet unabhängig davon den Zählerstandsgang an den Lieferanten und netzrelevante Werte an den Netzbetreiber. Der Netzbetreiber kann die Wallbox über die Steuerungseinrichtung drosseln. Diese Steuerung läuft über den CLS-Kanal, den der Gateway-Administrator konfiguriert hat.

Das lokale Lesen und die Marktkommunikation treffen sich damit nicht. Der Haushalt sieht seine Werte früher und feiner, ohne dass daraus eine Übermittlung an Dritte folgt. Die Übermittlung an Dritte folgt aus den gesetzlichen Pflichten und dem Wertebedarf der berechtigten Stellen.

Folgen und Fehlerfälle

Ein häufiger Fehler ist die Annahme, das lokale Auslesen sei die Marktkommunikation. Wer ein Display anschließt und darauf wartet, dass sich Abrechnung oder Bilanzierung ändern, verwechselt zwei getrennte Wege. Die Abrechnung stützt sich auf die Werte, die der Messstellenbetreiber im Rahmen des Wertebedarfs übermittelt.

Ein zweiter Fehler betrifft die Geräteauswahl. Nicht jedes Smart-Home-Gerät kann die standardisierte HAN-Schnittstelle nutzen. Fehlt die passende Schnittstelle oder die erforderliche Authentifizierung, bleibt der Zugriff aus. Die einheitlichen Formate der TR-03109-1 schaffen die Grundlage, ersetzen aber nicht die Prüfung, ob das konkrete Gerät mit dem eingesetzten Gateway zusammenarbeitet.

Ein dritter Fehler betrifft HAN-CLS. Ein steuerbares Gerät erhält nicht dadurch externen Zugriff, dass es am HAN angeschlossen ist. Der Kanal muss durch den Gateway-Administrator eingerichtet sein. Ohne diese Konfiguration bleibt die Anlage lokal.

Schließlich ist die lokale Datenmenge ein Sicherheitsthema. Ein fein aufgelöster Verbrauchsverlauf zeigt Anwesenheit und Gerätenutzung. Wer ein Gerät dauerhaft am HAN betreibt, sollte den lokalen Netzwerkzugang absichern und die angezeigten Daten nur in der eigenen Umgebung verarbeiten.

Typische Missverständnisse

„Die HAN-Schnittstelle ist das Internet am Zähler.“ Nein. HAN ist der lokale Bereich am Gateway. Das Lesen der Werte funktioniert ohne Verbindung zu externen Marktteilnehmern.

„Wer über HAN liest, stößt eine Abrechnung oder Marktkommunikation an.“ Nein. Das lokale Lesen erzeugt keine Nachricht an Lieferant, Netzbetreiber oder Messstellenbetreiber. Die Marktkommunikation läuft über das WAN und folgt ihrem eigenen Wertebedarf.

„HAN und CLS sind dasselbe.“ Nein. HAN-CON dient dem lesenden Zugriff der anschlussnutzenden Person und der Servicetechnik. HAN-CLS verbindet steuerbare Geräte über einen gesicherten Kanal, der vom Gateway-Administrator konfiguriert wird.

„Über HAN steuert der Netzbetreiber meine Anlage.“ Nein. Die Steuerung nach § 14a EnWG läuft über den CLS-Kanal und eine Steuerungseinrichtung. HAN-CON ist lesend ausgelegt.

„Die HAN-Schnittstelle ist bei jedem Gateway gleich.“ Teilweise. Die TR-03109-1 vereinheitlicht Daten und API. Die physische Ausführung und der Funktionsumfang hängen vom Gateway und von der Konfiguration ab.

Quellen und Pflegehinweis

Der Artikel stützt sich auf die Architekturbeschreibung des BSI, die Technische Richtlinie TR-03109-1 in der Version 2.0, die Technische Richtlinie TR-03109-5 für CLS-Kommunikationsadapter, die §§ 21 und 53 MsbG sowie die Verbraucherinformationen der Bundesnetzagentur. Stand der Prüfung ist der 10. September 2026.

Die bis zum 13. Dezember 2024 geltenden Fassungen von Schutzprofil und TR-03109-1 bleiben bis zum Ablauf des 31. Dezember 2027 gültig. Deshalb können im Feld Gateways mit älterem Stand betrieben werden. Bei einer Umsetzung sind die aktuelle Fassung der TR-03109-1, die zulässigen Tarifanwendungsfälle und die Konfiguration des jeweiligen Gateways erneut zu prüfen. Ebenfalls zu beobachten ist die Standardisierung der HAN- und LMN-Schnittstellen durch BSI und DKE. BSI, TR-03109-1

Abrufdatum aller Quellen: 10. September 2026.

Primärquellen zum Nachlesen