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Kurzantwort
Der Messstellenbetreiber (MSB) veröffentlicht seine Entgelte als PRICAT, eine Preisliste im EDIFACT-Format. Der Prüfidentifikator 27002 trägt den Titel „Preisblätter MSB-Leistungen“ und transportiert das Preisblatt A oder B des MSB. Jede Position dieser Preisliste trägt eine Artikel-ID. Für Leistungen aus dem Bestellprozess entsteht sie nach dem Muster n13-n2, also aus Produkt-Code plus Preisdifferenzierung. Greift der NB oder LF eine solche Leistung auf, bestellt er genau diese ID. Die spätere MSB-Rechnung in INVOIC 31009 rechnet dieselbe Artikel-ID wieder ab. PRICAT, Bestellung und Rechnung teilen damit einen gemeinsamen Code, kein gemeinsames Dokument.
Wo PRICAT im Marktprozess sitzt
Die Preisliste ist eine Stammdaten- und Prozessnachricht, kein Abrechnungsbeleg. Sie beantwortet die Frage, zu welchen Entgelten der Messstellenbetreiber seine Leistungen anbietet. Die Bundesnetzagentur veröffentlicht die geltende Fassung im Rahmen der Datenformat-Mitteilungen. Zum 01.10.2026 gilt das PRICAT AHB 2.1 mit der MIG 2.1 (BNetzA – Mitteilung Nr. 56, Abschnitt „EDIFACT-Dokumente“). Dieselbe Mitteilung erklärt diese Versionen für alle umsetzungspflichtigen Marktteilnehmer ab diesem Datum für verbindlich.
Der Nachrichtentyp trägt in der amtlichen Anwendungsübersicht drei Prüfidentifikatoren. Zwei davon gehören nicht zum Messstellenbetrieb: 27001 übermittelt Ausgleichsenergiepreise von der Bilanzkoordinierungsstelle an den Bilanzkreisverantwortlichen. 27003 übermittelt das Preisblatt für Netznutzungsleistungen vom Netzbetreiber an den Lieferanten. Der dritte, 27002, ist der Preisblattträger für MSB-Leistungen (BNetzA – Anwendungsübersicht der Prüfidentifikatoren 4.0, Zeilen 8530, 23570 und 12720).
27002 ist kein Einzelfall in der Anwendungsübersicht. Der Prüfi steht dort in sechs Anwendungsfällen aus drei Prozessbereichen. In GPKE Teil 3 trägt er das Preisblatt A des MSB an NB und an LF. In WiM Strom Teil 1 bringt er das Preisblatt an den LF sowie den „Messstellenbetrieb mit iMS gegenüber dem NB“. In den Prozessen zur Änderung der Technik an Lokationen überträgt er das Preisblatt B des MSB (BNetzA – Anwendungsübersicht 4.0, Zeilen 23570, 23580, 30900, 31210, 36180 und 36190). Ein und derselbe Prüfi bedient damit mehrere Empfänger und mehrere Anlässe. Unterschiedlich sind Empfängerrolle und Anlass.
Der Aufbau der PRICAT
Der Kopf der Nachricht entscheidet, um welches Preisblatt es geht. Im BGM-Segment steht im Datenfeld 1001 ein Code, der die Art der Preisliste festlegt: Z04 für Ausgleichsenergiepreise, Z32 für das Preisblatt Messstellenbetrieb, Z77 für das Preisblatt Konfigurationen und Z94 für das Preisblatt Technik (PRICAT AHB 2.1, Kap. 4.1, Abschnitt „Beginn der Nachricht“). Für 27002 sind Z32, Z77 und Z94 relevant; Z04 gehört zu 27001.
Zwei Zeitangaben steuern die Gültigkeit. Das DTM-Segment mit dem Qualifier 157 nennt den Gültigkeitsbeginn. Über eine Vorgängerversion im RFF-Segment mit dem Qualifier ACW und der Referenznummer der vorangegangenen Nachricht endet die Gültigkeit der alten Preise. Eine PRICAT gilt ab ihrem Gültigkeitsbeginn so lange, bis eine nachfolgende PRICAT mit ihrem eigenen Gültigkeitsbeginn diesen Zeitraum beendet (PRICAT AHB 2.1, Kap. 3 „Erläuterung zur Nutzung des RFF-Segments Vorgängerversion“). Die Ablösung läuft also über eine Kette von Nachrichten und nicht über ein Ablaufdatum.
Die Fassung 2.1 löst die Fassung 2.0f ab. Die Änderungshistorie nennt als Eintrag 10000 die Versionsaktualisierung; dazu kamen redaktionelle Korrekturen an Schreibfehlern, Layout und Beispielen ohne Einfluss auf die inhaltliche Aussage. Zwei sachliche Änderungen betreffen den Aufbau: Das COM-Segment entfällt und mit ihm das Kapitel „Übersicht der Pakete“. Die Preise des Netzbetreibers im Anwendungsfall für 27003 erhalten ab dem 1. Januar 2026 eine zusätzliche Bedingung (PRICAT AHB 2.1, Kap. 5 „Änderungshistorie“, Einträge 10000, 26131, 26945 und 26806). Für den Messstellenbetrieb ändert die Fassung an den hier beschriebenen Regeln nichts.
Drei Regeln zur Preisbildung stehen im Anwendungshandbuch. Die Einheit des Nenners ergibt sich aus der Artikelnummer oder Artikel-ID; physikalische Arbeit wird in kWh, Leistung in kW angegeben. Alle in der PRICAT übermittelten Preise sind Nettopreise. Die Preisobergrenzen nach dem MsbG sind dagegen Jahresbruttopreise (PRICAT AHB 2.1, Kap. 4). Werden Messstellen unterjährig geteilt, rechnet der MSB tagesscharf mit der Tageszahl des jeweiligen Kalenderjahres, im Schaltjahr also 366 statt 365 Tage.
Für Positionen mit Zeitkomponente steht im PRI-Segment der Preis und im RNG-Segment der Mengenbereich. Typische Einheiten sind ANN für Jahr, DAY für Tag, H87 für Stück und KWH für Kilowattstunde (PRICAT AHB 2.1, Kap. 4.1, Abschnitte „Preisangaben“ und „Angaben zum Wertebereich“). Ist ein Preis gestaffelt („gezont“), wiederholt der MSB die Preisangaben-Gruppe so oft, bis alle Preise zu diesem Artikel genannt sind.
Die Artikel-ID im Preisblatt
Im LIN-Segment steht die Produkt- oder Leistungsnummer im Datenfeld 7140. Ein Qualifier im Datenfeld 7143 sagt, welcher Code dort steht: Z01 kennzeichnet eine Artikelnummer, Z09 eine Artikel-ID (PRICAT AHB 2.1, Kap. 4.1, Abschnitt „Produkt-/Leistungsnummer“). Welches Format erlaubt ist, hängt am BGM-Code. Für Z32, das Preisblatt Messstellenbetrieb, gilt ab dem 1. Januar 2024 das Format n1-n2-n1-n3. Vorher war das Format n13. Für das Preisblatt Technik gilt das Format n13-n2.
Die Werte selbst dürfen nicht frei erfunden sein. Das AHB schreibt vor, dass nur Codes aus der EDI@Energy-Codeliste der Artikelnummern und Artikel-ID zulässig sind. Für das Preisblatt Messstellenbetrieb muss der Code in der Spalte H der Codeliste stehen. Die Artikel-IDs für die Bestellprozesse beim MSB sind in einem eigenen Kapitel dieser Codeliste aufgeführt (PRICAT AHB 2.1, Kap. 4.1, Bedingungen 39, 40, 45 und 46).
Das Kapitel „Artikel-ID für die Bestellprozesse beim MSB“ erklärt den Aufbau. Der MSB erzeugt diese IDs aus den Codes für Messprodukte, Konfigurationsprodukte oder Produkte zur Änderung an einer Lokation. Die ID hat das Format n13-n2 und besteht aus zwei Teilen: dem Produkt-Code und einer vom MSB festgelegten Preisdifferenzierung von zwei Ziffern (BNetzA/BDEW – Codeliste 5.6, Kap. 3.4). Der Code 01 bedeutet „keine Preisdifferenzierung“, 02 die erste, 03 die zweite Differenzierung. Finden Preisdifferenzierungen Anwendung, beschreibt die PRICAT sie.
Die Codeliste nennt das Muster in einer Tabelle mit Bezeichnungen. Messprodukt-Code-01 steht für die Kosten des Einrichtens eines Messprodukts, in Euro je Auftrag. Messprodukt-Code-02 steht für die Betriebskosten in Euro je Tag. Messprodukt-Code-03 steht für die anfallenden Transaktionen in Euro je Transaktion (BNetzA/BDEW – Codeliste 5.6, Kap. 3.4). Dieselbe Dreiteilung gilt für Konfigurationsprodukte. Ein Einzelcode ist ausgeschrieben: 9991000003030-01 steht für die Pauschale, wenn die Änderung der Technik an einer Lokation scheitert.
Für die Abrechnung selbst führt die Codeliste feste Artikel-IDs je Marktrolle. Für den Weg vom MSB an den LF beginnen sie mit 4-02-0-, für den Weg vom MSB an den NB mit 4-03-0-. Die erste Spalte nennt die Preisobergrenze (POG) für verbrauchende Marktlokationen über 100.000 kWh pro Jahr mit intelligentem Messsystem, die Einheit ist Euro je Tag. Die Spalten „Für gMSB nutzbar“ und „Für wMSB nutzbar“ trennen grundzuständigen und wettbewerblichen Messstellenbetreiber (BNetzA/BDEW – Codeliste 5.6, Kap. 3.5.1 und 3.5.2). Es gibt also zwei Quellen für Artikel-IDs: den festen Katalog der Abrechnungstabellen und die vom MSB gebildeten IDs für Bestellleistungen.
Beispiel: Zusatzdienstleistung nach § 14a EnWG
Bleiben wir bei einer Leistung, die nicht in der Abrechnungstabelle steht. Die Codeliste nennt ausdrücklich die Zusatzdienstleistung nach § 34 Abs. 2 Nr. 2a MsbG, die Steuerung von Verbrauchseinrichtungen und Netzanschlüssen nach § 14a des Energiewirtschaftsgesetzes. Für diese Leistung ist in den Abrechnungstabellen keine Artikel-ID genannt. Der Grund steht im Hinweis: Sie wird über die Use-Cases des Abschnitts „Bestellung einer Konfiguration“ der GPKE bestellt. Für die Abrechnung steht dann die Artikel-ID nach dem Kapitel „Artikel-ID für die Bestellprozesse beim MSB“ zur Verfügung (BNetzA/BDEW – Codeliste 5.6, Kap. 3.5.1, Hinweis).
Daraus ergibt sich ein Ablauf in vier Schritten. Der MSB veröffentlicht das Preisblatt mit der ID. Der Netzbetreiber oder Lieferant bestellt die Konfiguration und nennt dabei dieselbe ID. Der MSB richtet die Leistung ein. In der MSB-Rechnung rechnet er sie unter derselben ID ab.
Ein Zahlenbeispiel macht die Kette greifbar. Nehmen wir ein Messprodukt, dessen Einrichtung der MSB mit 120,00 € je Auftrag bepreist und dessen Betrieb 0,35 € je Tag kostet. Der MSB bildet dafür zwei Artikel-IDs derselben Produkt-Code-Familie: eine mit der Endung -01 für die Einrichtung, eine mit -02 für den Betrieb. In der PRICAT stehen beide als eigene LIN-Gruppen mit je einem PRI-Segment. In der Rechnung erscheint die Einrichtung einmal mit der Menge 1 H87, der Betrieb mit der Anzahl der Tage. Das Beispiel ist vereinfacht; die Preise sind frei gewählt und keine Marktangabe.
Was die ID verbindet und was nicht
Die gemeinsame Artikel-ID verbindet drei Nachrichten, aber nicht drei Zeitpunkte. Die PRICAT beschreibt ein Angebot, die Bestellung einen Auftrag, die Rechnung eine Leistung. Wer eine ID aus einem Preisblatt ungeprüft in eine Bestellung schreibt, kann eine Leistung ordern, die der MSB in dieser Form nicht anbietet. Die Bedingung 46 des AHB verlangt deshalb, dass die ID im Preisblatt aus dem Kapitel für Bestellprozesse stammt.
Auch die Preisdifferenzierung ist eine MSB-Angabe. Zwei Messstellenbetreiber dürfen dieselbe Leistung mit unterschiedlichen Endungen belegen. Die ID ist damit nur innerhalb des Preisblatts genau eines MSB eindeutig, nicht marktweit.
Eine weitere Grenze zieht die Codeliste selbst. Leistungen, die nicht im Rahmen der Marktkommunikation bestellt werden können, lassen sich auch nicht mit den Dokumenten von EDI@Energy abrechnen. Wie sie abgerechnet werden, vereinbaren die Beteiligten bilateral (BNetzA/BDEW – Codeliste 5.6, Kap. 3.5.1, Schlusshinweis).
Folgen und Fehlerfälle
Der häufigste Fehler ist ein Formatbruch. Wer eine 13-stellige Artikelnummer als n13 in ein Preisblatt für den Messstellenbetrieb schreibt, verletzt eine Bedingung des AHB. Für das Preisblatt Messstellenbetrieb gilt das Format n1-n2-n1-n3, sofern der Gültigkeitsbeginn im DTM+157 auf oder nach dem 1. Januar 2024 liegt. Vorher war n13 richtig (PRICAT AHB 2.1, Kap. 4.1, Abschnitt „Produkt-/Leistungsnummer“, Bedingungen 32 und 33). Der zweite Fehler ist ein falscher Codelistenbezug: Eine ID aus der Abrechnungstabelle ist nicht automatisch im Bestellkapitel geführt. Der dritte Fehler betrifft die Gültigkeit. Wird die Vorgängerversion im RFF-Segment nicht gesetzt, bleibt das alte Preisblatt formal in Kraft. Das führt zu zwei gültigen Preisständen nebeneinander.
Auf der Rechnungsseite kehrt derselbe Prüfi in anderer Rolle wieder. Die MSB-Rechnung läuft als INVOIC 31009, die Bestätigung als REMADV 33001 (BNetzA – Anwendungsübersicht 4.0, Zeilen 23590 und 23600). In der Codeliste ist 31009 der Buchstabe H zugeordnet, der neben 15002 auch das Angebot zur Abrechnung des Messstellenbetriebs abdeckt (BNetzA/BDEW – Codeliste 5.6, Kap. 2, Bedeutung der Buchstaben). Eine Position ohne gültige Artikel-ID ist in dieser Rechnung nicht bildbar.
Typische Missverständnisse
PRICAT ist nicht die Rechnung. Die Nachricht übermittelt Preise, keine Beträge und keine Mengen. Wer in einer PRICAT nach Rechnungssummen sucht, sucht im falschen Dokument.
Eine Preisliste gilt nicht automatisch für einen Empfänger. Derselbe Prüfi 27002 bedient NB und LF in unterschiedlichen Prozessen. Die Empfängerrolle steht im NAD-Segment, nicht im Prüfi.
Der MSB rechnet nicht mit der Artikelnummer. Für Abrechnungsleistungen führt die Codeliste eigene Tabellen mit festen Artikel-IDs. Für Bestellleistungen gilt das Format n13-n2. Beide Wege enden in derselben INVOIC.
Nettopreis heißt nicht Bruttopreis. Die Preisobergrenzen nach dem MsbG sind Jahresbruttopreise. Die PRICAT überträgt ausschließlich Nettopreise.
Der Preis steht nicht in der Bestellung. Die Bestellung nennt die Artikel-ID, der Preis kommt aus dem veröffentlichten Preisblatt. Wer beides in einem Dokument erwartet, verwechselt Angebot und Auftrag.
Quellen und Pflegehinweis
Dieser Artikel stützt sich auf das PRICAT Anwendungshandbuch 2.1, die amtliche Anwendungsübersicht der Prüfidentifikatoren 4.0 und die Codeliste der Artikelnummern und Artikel-ID in Version 5.6. Die Mitteilung Nr. 56 der Bundesnetzagentur belegt den Geltungsbeginn der Fassung zum 1. Oktober 2026.
Vor Änderungen an diesem Artikel prüfen: neue BNetzA-Mitteilung zu den Datenformaten, Stand des PRICAT AHB und der MIG, Stand der Codeliste der Artikelnummern und Artikel-ID sowie die Kapitelnummern für die Bestellprozesse beim MSB. Die Preistabellen der Codeliste werden unabhängig von den AHB fortgeschrieben. Ein neuer Codelistenstand kann Artikel-IDs auslaufen lassen. Dieses Dokument beschreibt den Stand nach PRICAT AHB 2.1 und Codeliste 5.6.
Primärquellen zum Nachlesen
- BDEW – PRICAT Anwendungshandbuch 2.1 (Stand MIG 2.1, 01.04.2026)bundesnetzagentur.de
- Bundesnetzagentur – Anwendungsübersicht der Prüfidentifikatoren 4.0 (01.04.2026)bundesnetzagentur.de
- Bundesnetzagentur/BDEW – Codeliste der Artikelnummern und Artikel-ID, Version 5.6 (01.04.2025, gültig ab 01.09.2025)bundesnetzagentur.de
- Bundesnetzagentur – Mitteilung Nr. 56 zu den Datenformaten zur Abwicklung der Marktkommunikation (01.04.2026)bundesnetzagentur.de