nNick Energy Atlas
Marktobjekte im Prozess

03Belieferung & Marktprozesse

MaLo, MeLo, NeLo und Ressource

Wie Marktlokation, Messlokation, Netzlokation und Ressource zusammenhängen, welche ID welche Aussage trägt und warum SAP-IS-U-Berater die Objekte nicht vermischen dürfen.

Moderner Zählerschrank mit digitalem Stromzähler und Smart-Meter-Gateway
Messung wird erst durch Kennungen, Rollen und Datenflüsse zum Marktprozess.
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Kurzantwort

Die Marktkommunikation führt mehrere Objekte, die Laien als „eine Zählstelle“ beschreiben würden. Die Marktlokation (MaLo) ist der Ort, an dem Energie verbraucht oder erzeugt wird und an dem Belieferung und Bilanzierung ansetzen. Die Messlokation (MeLo) ist der Ort, an dem die Messung stattfindet. Die Netzlokation (NeLo) beschreibt die Anbindung an das Netz des Netzbetreibers. Dazu kommen technische und steuerbare Ressourcen, die an einer Marktlokation Energie umwandeln oder steuern.

Für SAP-IS-U-Berater ist die saubere Trennung dieser Objekte die Grundlage jeder Marktprozess-Abbildung. Wer Marktlokation und Zähler gleichsetzt, kann Lieferantenwechsel, Messstellenwechsel und Stammdatenprozesse nicht korrekt zuordnen.

Objektwelt MarktkommunikationObjekttyp vor Gerätenummer
Marktlokation (MaLo)kaufmännischer Anker
Ort der Entnahme oder Einspeisung→MaLo-ID→Basis für Belieferung & Bilanzierung

An der Marktlokation setzen Lieferbeginn, Lieferende, Zuordnung und Bilanzierung an. Der Netzbetreiber vergibt die MaLo-ID dauerhaft, solange die Marktlokation besteht.

Messlokation (MeLo)Ort der Messung
eine MaLo⇄eine oder mehrere MeLo

Die Messlokation bündelt die technischen Einrichtungen zur Ermittlung und Übermittlung von Messwerten. MeLo und MaLo decken sich im einfachen Fall, bleiben aber getrennte Objekte. Die MeLo-ID ist nicht die MaLo-ID.

Netzlokation (NeLo)Anschluss im Netz

Die Netzlokation beschreibt den Ort der Netzanbindung einer MaLo an ein Netz des Netzbetreibers, einschließlich der Netz- und Umspannebene. Sie trägt die technische Anschlusssicht, nicht die Belieferungssicht.

Technische und Steuerbare RessourceErzeugung, Verbrauch, Steuerung
TR

Technische Ressource – Erzeugungs- oder Verbrauchseinheit an einer MaLo, etwa eine PV-Anlage.

SR

Steuerbare Ressource – technische Einrichtung, die über einen Steuerbefehl oder ein Schaltprofil geführt wird.

Der Sammelbegriff „Lokation“ umfasst nach GPKE Mess-, Markt- und Netzlokation, Technische Ressource und Steuerbare Ressource. Ein Zähler oder eine Zählernummer ersetzt keines dieser Objekte.

Die Marktlokation als kaufmännischer Anker

Eine Marktlokation entspricht einer Einspeise- oder Entnahmestelle. Sie ist mit mindestens einer Leitung an ein Netz angebunden und der Ort, an dem Energie erzeugt oder verbraucht wird. Der Netzbetreiber vergibt die Marktlokations-Identifikationsnummer. Solange die Marktlokation besteht, bleibt diese ID unverändert, und sie erscheint auf der Rechnung. Bundesnetzagentur: Marktlokation

An der Marktlokation entscheiden sich die zentralen Fragen der GPKE: Welcher Lieferant ist ab wann zugeordnet? Wann endet die Belieferung? Welche Bilanzierungsdaten gelten? Die MaLo-ID ist damit der Bezugspunkt für Zuordnung, Abrechnung und Bilanzierung. Sie ist weder eine Kundennummer noch eine Zählernummer.

Eine Marktlokation kann in Tranchen aufgeteilt sein. Eine Tranche ist ein zeitlich begrenzter Teil einer Marktlokation, etwa wenn an einem Standort zwei Lieferanten nacheinander oder parallel beliefern. Die GPKE führt solche Konstellationen über eigene Zuordnungsprozesse. Im einfachen Haushalt kommt das selten vor, bei Mehrparteienhäusern, Gewerbehöfen und Erzeugungsanlagen dagegen regelmäßig.

Die Messlokation als Ort der Messung

Eine Messlokation ist der Ort der Energieerfassung samt den technischen Einrichtungen, die für die Ermittlung und gegebenenfalls Übermittlung der Messwerte erforderlich sind. Jede relevante physikalische Größe wird an einer Messlokation zu einem Zeitpunkt höchstens einmal ermittelt. Anwendungshilfe zur MaLo-ID

Die Messlokation beantwortet eine andere Frage als die Marktlokation. Sie fragt nicht, wer beliefert und bilanziert, sondern wo der Messwert entsteht und welche Einrichtung ihn ermittelt. Eine Marktlokation kann mit einer oder mehreren Messlokationen verbunden sein. Bei mehreren Zählern, bei getrennten Messungen für Verbrauch und Erzeugung oder bei Unterzählungen zeigt sich der Unterschied sofort.

Wer Messstellenwechsel oder Gerätewechsel modelliert, arbeitet auf der Messlokation, nicht auf der Marktlokation. Ein Zähleraustausch ändert die Messlokation nicht zwangsläufig. Umgekehrt bleibt bei einem reinen Lieferantenwechsel die Messlokation unberührt. Beide Vorgänge laufen über verschiedene Prozesse und verschiedene Rollen.

Die Netzlokation und ihre Aufgabe

Die Netzlokation beschreibt den Ort der Netzanbindung einer Marktlokation. Sie trägt die technische Anschlusssicht: an welches Netz die Marktlokation angeschlossen ist, auf welcher Netz- oder Umspannebene der Anschluss liegt und welche netztechnischen Daten gelten. Diese Angaben fließen in Netznutzung und Netzentgelte ein.

In der Praxis verschwimmen Netzlokation und Marktlokation häufig, weil eine Entnahmestelle genau einen Netzanschluss besitzt. Die Trennung wird wichtig, sobald sich die Sichten unterscheiden. Eine Marktlokation kann ihre Zuordnung wechseln, ohne dass sich der Netzanschluss ändert. Ein Umbau des Netzanschlusses kann die Netzlokation betreffen, ohne dass sich der Lieferant ändert. Fachkonzepte sollten deshalb beide Objekte mit eigenem Bezug führen und nur über definierte Beziehungen verbinden.

Technische und steuerbare Ressource

Eine technische Ressource ist eine Erzeugungs- oder Verbrauchseinheit an einer Marktlokation. Typische Beispiele sind eine Photovoltaikanlage, ein Speicher oder eine Wärmepumpe. Die steuerbare Ressource ist eine technische Einrichtung, die über einen Steuerbefehl oder ein Schaltprofil geführt wird, etwa im Rahmen von § 14a EnWG oder des Einspeisemanagements.

Ressourcen erklären, warum an einer Marktlokation mehrere energiewirtschaftliche Vorgänge parallel laufen. Eine Marktlokation mit PV-Anlage und Wärmepumpe kann gleichzeitig eine Einspeisebeziehung und mehrere Verbrauchsvorgänge haben. Die GPKE führt solche Fälle über die Zuordnung der Ressourcen zur Marktlokation und über die Konfiguration der Messlokation.

Die Begriffe sind in der GPKE Teil 1 gebündelt: „Lokation“ ist der Sammelbegriff für Mess-, Markt- und Netzlokation, technische Ressource und steuerbare Ressource. Diesen Sammelbegriff verwendet die Marktkommunikation, wenn sie allgemein über betroffene Objekte spricht.

Beziehungen zwischen den Objekten

Die Objekte stehen nicht isoliert nebeneinander, sondern sind über Beziehungen verbunden. Eine Marktlokation besitzt eine Netzlokation, die ihren Anschluss beschreibt. An der Marktlokation hängen eine oder mehrere Messlokationen. An den Messlokationen wiederum sind Messeinrichtungen mit Zählwerken installiert, und der Marktlokation sind technische Ressourcen zugeordnet.

Diese Beziehungen sind die eigentliche fachliche Information. Eine Nachricht nennt selten alle Objekte. Sie nennt die MaLo-ID oder die MeLo-ID und erwartet, dass der Empfänger die übrigen Beziehungen aus seinen Stammdaten kennt. Ein Lieferbeginn nennt die Marktlokation. Der Netzbetreiber ergänzt daraus die zugehörigen Messlokationen und informiert den Messstellenbetreiber. Ein Messwert hingegen nennt die Messlokation, und der Empfänger leitet daraus die Marktlokation und den Lieferanten ab.

Für die Datenmodellierung heißt das: Die Beziehungen müssen aktuell und eindeutig geführt werden. Beginnt an einer Marktlokation eine neue Messkonfiguration, ändern sich die Beziehungen zwischen Marktlokation und Messlokationen. Kommt eine Tranche hinzu, entsteht eine zeitliche Zuordnung. Die GPKE beschreibt solche Konstellationen über den Zeitbezug der Zuordnung, nicht über eine statische Liste.

Ein weiterer Punkt betrifft die zeitliche Gültigkeit. Viele Zuordnungen gelten nur für einen Zeitraum. Der alte Lieferant ist bis zum Lieferende zugeordnet, der neue ab dem Lieferbeginn. Eine Messlokation kann zeitweise stillgelegt sein. Systeme, die nur den aktuellen Stand kennen, können historische Rückfragen nicht beantworten. Für Fristen, Stornierungen und die Netznutzungsabrechnung sind aber gerade die historischen Zuordnungen entscheidend. Ein belastbares Modell führt deshalb zu jedem Objekt die zeitliche Gültigkeit seiner Beziehungen.

Identifikationsnummern richtig führen

Die Objekt-IDs sind das Rückgrat der Kommunikation. Die MaLo-ID identifiziert die Marktlokation dauerhaft. Die Messlokation trägt eine eigene Kennung, die MeLo-ID. Beide tauchen in Nachrichten auf, und beide müssen im System gepflegt und aufeinander bezogen werden.

Ein häufiger Projektfehler: Das System führt nur eine externe Kennung und hängt alles Weitere daran. Sobald eine Marktlokation mehrere Messlokationen besitzt oder ein Messkonzept umgestellt wird, bricht dieses Modell zusammen. Eingehende Nachrichten lassen sich dann nicht mehr eindeutig zuordnen, weil der Bezugspunkt fehlt.

Für SAP IS-U bedeutet das eine klare Datenhaltung: Die Marktlokation gehört in die kaufmännische Sicht mit Vertrag, Belieferung und Bilanzierung. Die Messlokation gehört in die Messsicht mit Geräten, Zählwerken und Messwerten. Die Netzlokation beschreibt die technische Anbindung. Eine Zählernummer oder Gerätenummer ersetzt keines dieser Objekte.

Bedeutung für die Prozessanalyse

Bei jeder Marktnachricht lohnt die Frage: Auf welches Objekt bezieht sich der Vorgang? Ein Lieferbeginn betrifft die Marktlokation. Ein Messstellenwechsel betrifft die Messlokation. Eine Stammdatenänderung kann beide betreffen, je nachdem, ob es um Zuordnung oder um technische Ausstattung geht.

Diese Zuordnung verhindert Fehlinterpretationen in der Fehleranalyse. Wenn ein Netzbetreiber eine Anmeldung ablehnt, weil die Marktlokation nicht in seinem Netz liegt, dann nützt ein Blick auf den Zähler nichts. Die Prüfung läuft über die MaLo-ID und die Netzebene der Netzlokation. Wer die Objekte verwechselt, sucht am falschen Ort.

Für SAP-IS-U-Projekte bedeutet das eine klare Reihenfolge bei der Einführung. Zuerst klären die Fachkonzepte die externen Objekte und ihre Beziehungen: Welche MaLo-IDs kommen vor, welche MeLo-IDs gehören dazu, welche Ressourcen sind zugeordnet? Danach folgt die Frage, wie diese externen Objekte auf die internen Objekte abgebildet werden. Erst zuletzt entstehen die Nachrichtenverarbeitung und die Fehlerbehandlung. Wer mit einer Transaktion beginnt, baut die Objektlogik nachträglich und fehleranfällig ein.

Die Mess- und Geräteverwaltung hält dabei die technische Sicht. Zählwerke, Register, Messrichtungen und die zeitliche Gültigkeit von Geräten gehören zur Messlokation. Liefervertrag, Belieferung und Abrechnung gehören zur Marktlokation. Wechselt ein Kunde den Lieferanten, ändert sich die Zuordnung an der Marktlokation, während Geräte und Zählwerke unverändert weiterlaufen. Ein System, das diese Sichten trennt, verarbeitet beide Vorgänge ohne Umwege.

Praxisbeispiel: Eine Marktlokation, zwei Messlokationen

Ein landwirtschaftlicher Betrieb bezieht Strom über eine Marktlokation am Niederspannungsnetz. Auf dem Hof liefert eine PV-Anlage ein, und ein separater Zähler erfasst die Einspeisung. Die Marktlokation ist eine. Die Messlokationen sind zwei: eine misst den Bezug, eine die Einspeisung.

Der Betrieb wechselt den Stromlieferanten. Der neue Lieferant meldet den Lieferbeginn über die MaLo-ID. Der Netzbetreiber ordnet ihn zu. Für die Messwerte bleiben beide Messlokationen zuständig, und der Messstellenbetreiber liefert die Werte an die berechtigten Empfänger. Ändert der Betrieb später die PV-Anlage, betrifft das die Einspeise-Messlokation und gegebenenfalls die Konfiguration, nicht automatisch die Belieferung der Marktlokation.

Ein System, das nur „eine Zählstelle je Kunde“ kennt, scheitert an diesem Beispiel. Die saubere Objektmodellierung dagegen erlaubt es, Lieferantenwechsel, Messstellenwechsel und Anlagenumbau unabhängig voneinander zu verarbeiten.

Ähnlich klar wird der Unterschied bei einem Umbau. Erweitert der Betrieb seine PV-Anlage, prüft der Messstellenbetreiber, ob die bestehende Messlokation die neue Leistung abbilden kann. Reicht die Messkonfiguration nicht aus, bestellt der Betreiber oder der Lieferant eine neue Konfiguration nach GPKE Teil 3. Die Marktlokation und der Netzanschluss bleiben davon unberührt. Ein System, das Gerätewechsel und Marktzuordnung in einem Objekt führt, kann diese drei Vorgänge nur schwer auseinanderhalten.

Typische Missverständnisse

„MaLo-ID und Zählernummer sind dasselbe.“
Nein. Die MaLo-ID identifiziert die Marktlokation. Zähler und Zählwerke gehören zur Messlokation.

„Eine Marktlokation hat genau eine Messlokation.“
Nicht zwingend. Erzeugung, Unterzählung und getrennte Messkreise führen zu mehreren Messlokationen an einer Marktlokation.

„Messstellenwechsel ist ein Fall für die Marktlokation.“
Nein. Der Messstellenwechsel betrifft die Messlokation. Die Marktlokation bleibt unverändert, solange sich die Belieferung nicht ändert.

„Eine Netzlokation ist eine zusätzliche Leitung.“
Nein. Die Netzlokation beschreibt den Anschluss einer Marktlokation an das Netz mit Netz- und Umspannebene.

„Der Zählerstand erklärt die Marktlokation.“
Nein. Ein Zählerstand ist ein Messwert. Welcher Marktlokation er zugeordnet wird, ergibt sich aus Messlokation, Messkonzept und den Stammdatenbeziehungen.

Quellen und Pflegehinweis

Die Abgrenzung der Objekte folgt den Glossaren der GPKE und dem MsbG sowie der Anwendungshilfe zur MaLo-ID. Die Objektdefinitionen und Bezeichnungen haben sich mit den Neuverfügungen 2025 verfeinert. Für die konkrete Abbildung im System immer die aktuell gültige Fassung der GPKE Teil 1 und die Anwendungshilfen prüfen.

Abrufdatum aller Quellen: 7. September 2026.

Primärquellen zum Nachlesen