nNick Energy Atlas
Messwesen und Geräteverwaltung

08SAP Utilities & Betrieb

Ableseprozess in SAP IS-U

Wie Ableseauftrag, Ableseergebnis und Abrechnung im System zusammenwirken.

Auf dieser Seite 9 Abschnitte

Kurzantwort

Ein Ableseauftrag entsteht je Zählwerk, ein Abrechnungsauftrag je Vertrag. Beide werden zusammen angelegt, sobald eine Ablesung abrechnungsrelevant ist. Das Ableseergebnis durchläuft eine Plausibilitätsprüfung gegen Erwartungswert und Vorgängerstand. Nur ein plausibles oder freigegebenes Ergebnis setzt den Abrechnungsauftrag auf abrechenbar; bleibt es unplausibel, verharrt er, bis jemand korrigiert, freigibt oder schätzt.

Einordnung

Die Terminsteuerung ist hier nur der Auslöser: Sie legt über die Ableseeinheit fest, wann ein Ablesetermin fällig wird, und startet den Massenlauf zur Auftragserstellung. Dieser Artikel beginnt dort, wo der Auftrag entsteht, und endet beim fakturierbaren Abrechnungsauftrag. Die Ablesearten aus Marktsicht behandelt Zählerablesung und Ablesearten; hier geht es um das interne Objekt- und Statusmodell. Die Auftragsobjekte selbst führt Abrechnungs- und Ableseaufträge in die Tiefe: Auftragsdaten, Massenlauf, Ausgabe und Rückkanal, Überwachung und die Fristen der Marktseite.

Zwei Objekte, zwei Ebenen

Der Ableseauftrag wird je Zählwerk angelegt. Er trägt die Ablesebeleg-ID, Gerät, Zählwerk, geplantes Ablesedatum, Ablesegrund, Ableseart und den erwarteten Zählerstand samt Ober- und Untergrenze. Die Ablesebeleg-ID identifiziert Auftrag und Ergebnis eindeutig (SAP Learning, Den Ableseprozess demonstrieren, Abschn. Ableseausführung).

Der Abrechnungsauftrag wird je Vertrag angelegt. Er trägt Vertrag, Ableseeinheit und Abrechnungsdatum. Der Abrechnungsvorgang folgt dem Ablesegrund und trägt denselben Code: 01 Periodisch, 02 Interim, 03 Auszug (SAP Learning, Den Ableseprozess demonstrieren, Abschn. Ableseausführung).

Eine Ableseeinheit enthält viele Zählwerke, aber weniger Abrechnungsaufträge, weil mehrere Anlagen zu einem Vertrag gehören können. Erst wenn alle betroffenen Zählwerke plausible Werte geliefert haben, lässt sich der Vertrag fakturieren.

Für Pauschalanlagen gilt eine Ausnahme: Das System legt keinen Ableseauftrag an, erzeugt aber einen Abrechnungsauftrag, sodass die Abrechnung sofort laufen kann. Dasselbe gilt für Anlagen mit RTP-Tarif (SAP Learning, Ablesung verstehen, Abschn. Abrechnungsauftrag).

Der Statuslebenszyklus

Ablesebeleg und Abrechnungsauftrag laufen parallel und in festen Kopplungen.

plausibelunplausibelSachbearbeiter gibt freiErsatzwert gebildetVollstornoTerminsatz fälligAbleseeinheitAbleseauftrag je ZählwerkAblesebeleg-Status 0Abrechnungsauftrag jeVertragStatus 1: nichtabrechenbarAuftragsausgabeDruck, Download, MDUSAbleseergebnis erfassenBeleg-IDPlausibilitätsprüfungErwartungswert,VorgängerstandBeleg-Status 1Beleg-Status 2automatisch gesperrtAblesekorrekturKorrektur, Freigabe,SchätzungBeleg-Status 4freigegebenAbrechnungsauftragStatus 2abrechenbarAbrechnungsausführungAbrechnungsbeleg stattAuftragBeleg-Status 7abgerechnet,unveränderbarAblesebeleg zurück auf 1oder 4
Vom Terminsatz zum fakturierbaren Abrechnungsauftrag: Der Ablesebeleg läuft von Status 0 über 1 oder 2 und 4 auf 7, der Abrechnungsauftrag von 1 auf 2. Ein unplausibles Ergebnis lässt ihn auf 1 liegen; erst die Abrechnung ersetzt ihn durch einen Abrechnungsbeleg.

Ein unplausibles Ergebnis lässt den Abrechnungsauftrag unberührt auf Status 1 liegen; erst die Abrechnung entfernt ihn und erzeugt einen Abrechnungsbeleg (SAP Learning, Den Ableseprozess demonstrieren, Abschn. Ablesebelegstatus und Abrechnungsauftragsstatus).

Ein Sachbearbeiter kann ein automatisch gesperrtes Ergebnis freigeben, ohne den Wert zu ändern (Status 4). Dieser Weg ist für Zähler gedacht, die dauerhaft auffällige, aber richtige Werte liefern, etwa bei einer Wärmepumpe mit hohem Grundverbrauch. Die Abrechnung behandelt Status 1 und 4 gleich.

Die Statuswerte des Ablesebelegs sind fest: 0 Auftrag angelegt, 1 fakturierbar, 2 automatisch gesperrt, 4 freigegeben, 7 fakturiert. Das System setzt sie immer selbst (SAP Learning, Ablesung verstehen, Abschn. Ableseauftrag).

Erfassung: Ablesebeleg, Ergebnis, Grund, Art

Bei der Erfassung treffen vier Angaben zusammen, die oft verwechselt werden.

  • Ablesebeleg: der Datensatz, der Auftrag und Ergebnis trägt, mit ID und Status.
  • Ableseergebnis: der Zählerstand eines Zählwerks innerhalb dieses Belegs.
  • Ablesegrund: ein Festwert von SAP, der den auslösenden Prozess und damit die Abrechnungsrelevanz bestimmt.
  • Ableseart: die Herkunft des Zählerstands, etwa Versorgungsunternehmen, Kunde, Marktkommunikation oder Schätzung (SAP Learning, Den Ableseprozess demonstrieren, Abschn. Ableseausführung).

Der Ablesegrund entscheidet, ob ein Abrechnungsauftrag entsteht: Bei 01, 02 und 03 erzeugt das System ihn mit dem identischen Abrechnungsvorgang (SAP Learning, Den Ableseprozess demonstrieren, Abschn. Grund).

Die Tabelle ordnet die wichtigsten Gründe und ihre Abrechnungsfolge ein (SAP Learning, Ablesung verstehen, Abschn. Ablesegründe).

Code Ablesegrund Kategorie Abrechnungsfolge
01 Turnusablesung mit Abrechnung periodisch Abrechnungsauftrag wird angelegt, Abrechnung läuft nach Plausibilität
02 Zwischenablesung mit Abrechnung aperiodisch Abrechnungsauftrag für den Zwischenzeitraum, Interimsvorgang
03 Auszugsablesung mit Abrechnung prozessausgelöst Abrechnungsauftrag für die Schlussrechnung
05 Gebietsabgabe mit Abrechnung aperiodisch Abrechnungsauftrag
06 Einzugsablesung prozessausgelöst kein Abrechnungsauftrag, Ergebnis dient als Anfangsstand
09 Zwischenablesung ohne Abrechnung aperiodisch kein Abrechnungsauftrag, Information für den Kunden
10 Kontrollablesung aperiodisch kein Abrechnungsauftrag, dient der Prüfung eines Verdachts
12 Ausbau technisch prozessausgelöst kein Abrechnungsauftrag, Endstand ohne Abrechnungswirkung
21 Anlage abrechnungstechnisch prozessausgelöst Abrechnungsauftrag, wenn der Vorgang abrechnungsrelevant ist
22 Ausbau abrechnungstechnisch prozessausgelöst Abrechnungsauftrag, Schlussstand mit Abrechnungswirkung

Zwei Regeln ergänzen die Tabelle. Eine Aktivität stößt den Auftrag an: Bei einem Ausbau entsteht der Ableseauftrag aus dem Ausbauvorgang. Und das System legt einen Ableseauftrag automatisch an, wenn ein Ergebnis für ein Objekt ohne Auftrag erfasst wird; fehlt der Abrechnungsauftrag, entsteht auch der (SAP Learning, Ablesung verstehen, Abschn. Ableseauftrag).

Die Ableseart steuert zusammen mit der MDE-Nummer die Auftragsausgabe: ohne MDE-Nummer druckt das System den Beleg, mit MDE-Nummer lädt es ihn herunter. Bei der Marktrolle Lieferant kommen Ergebnisse über das MSCONS-Format zurück (SAP Learning, Den Ableseprozess demonstrieren, Abschn. Ableseausführung).

Rechnungen für Energielieferungen müssen Anfangszählerstand, Endzählerstand, ermittelten Verbrauch und die Art der Ermittlung gesondert ausweisen (EnWG § 40 Abs. 2 Nr. 6). Die Ableseart im Beleg ist damit die Datenbasis einer Pflichtangabe.

Prüfung: Erwartungswert, Toleranz, Ersatzwert

Jede Erfassung löst Prüfungen im Hintergrund aus, unabhängig davon, ob sie manuell oder per Upload kommt (SAP Learning, Den Ableseprozess demonstrieren, Abschn. Ableseausführung).

Feste Validierungen laufen immer: die Prüfung auf unplausible Vorablesung, die Abweichung vom Festwert und die Prüfung auf Rückstellzählwerke. Ist der Vorgängerstand unplausibel, stellt das System den aktuellen Zählerstand zurück. Ein Festwert ist etwa eine gesperrte Anlage (SAP Learning, Ablesung verstehen, Abschn. Feste Validierungen).

Unabhängige Plausibilitätsprüfungen betreffen genau ein Zählwerk und hängen am Zählwerkstarif. SAP liefert unter anderem Nullverbrauch, überschrittene Schätzungs- und Kundenablesungsanzahl, Benutzungsstunden sowie Toleranzgrenzen. Toleranzen lassen sich absolut, relativ oder gleitend definieren, getrennt für Warnungen und Fehler (SAP Learning, Ablesung verstehen, Abschn. Unabhängige Plausibilitätsprüfungen).

Abhängige Plausibilitätsprüfungen betreffen zwei Zählwerke und hängen an einer Zählwerksbeziehung. Typisch sind die Kontrollregistervalidierung und die Verbrauchsverhältnisvalidierung für Hochtarif gegen Niedertarif (SAP Learning, Ablesung verstehen, Abschn. Abhängige Validierungen).

Prüfmaßstab ist der Erwartungswert aus der Verbrauchshochrechnung, die bei der Erfassung ein erwartetes Ableseergebnis zum tatsächlichen Ablesedatum ermittelt. Vorhandene Ableseergebnisse haben die höchste Priorität, der Periodenverbrauch die zweithöchste; reicht die Historie nicht weit genug zurück, greift der beim Geräteeinbau gepflegte Periodenverbrauch (SAP Learning, Den Ableseprozess demonstrieren, Abschn. Validierung).

Bleibt ein wahrer Wert aus, bildet das System einen Ersatzwert. Die Schätzung läuft als eigener Ablesetyp, maschinell oder interpoliert, und lässt sich nach Gerät, Geschäftspartner, Ableseeinheit, Ablesetyp und Ablesedatum selektieren (SAP Learning, Ablesung verstehen, Abschn. Ableseergebnisschätzung).

Den rechtlichen Rahmen setzt MsbG § 55 Abs. 2. Kann für die Abrechnung innerhalb der Fristvorgaben kein wahrer Messwert ermittelt werden, hat der Messstellenbetreiber im Einzelfall Ersatzwerte oder vorläufige Werte nach den anerkannten Regeln der Technik zu bilden und bei wiederkehrenden Ausfällen strukturelle Verbesserungsmaßnahmen zu ergreifen (MsbG § 55 Abs. 2). Adressat der Pflicht ist der Messstellenbetreiber; die Schätzung im Ablesebeleg setzt sie technisch um, ist aber nicht mit ihr gleichzusetzen.

Folgen im Prozess

Ein gesperrtes Ergebnis bleibt nicht liegen. Die automatische Überwachung startet Folgeaktionen nach bestimmten Zeiträumen, abhängig von Status, Ablesegrund und Ableseart (SAP Learning, Ablesung verstehen, Abschn. Ableseauftragsüberwachung: Automatisch). Ist keine Folgeaktion definiert, schätzt das System das Ergebnis automatisch. Diese Schwelle entscheidet, ab wann ein geschätzter Wert in die Abrechnung läuft.

Korrigieren lässt sich auf mehreren Wegen: zurücksetzen, ändern, freigeben, schätzen, einen Korrekturauftrag drucken oder einen Kontrollableseauftrag anlegen. Für die Masse gibt es eine Arbeitsliste unplausibler Ergebnisse, die Klärungsfälle aus dem Business Process Exception Management einbezieht und mit einem Fälligkeitsdatum priorisiert (SAP Learning, Ablesung verstehen, Abschn. Ableseergebniskorrektur).

Der Storno löscht Ableseauftrag, Ableseergebnis und Abrechnungsauftrag; die Erweiterung EDMLELSV legt das Ergebnis zur Sicherung in einer kundeneigenen Tabelle ab (SAP Learning, Ablesung verstehen, Abschn. Ableseergebnisstorno). Ein Vollstorno der Rechnung wirkt bis in die Ablesung zurück: Der alte Fakturierungs- und der alte Abrechnungsbeleg werden als storniert gekennzeichnet, ein Stornoabrechnungsbeleg entsteht nicht, und der Ablesebeleg fällt auf 1 plausibel oder 4 freigegeben zurück (SAP Learning, Den Ableseprozess demonstrieren, Abschn. Ablesebelegstatus und Abrechnungsauftragsstatus).

Wer einen abgerechneten Zeitraum korrigieren will, erfasst ein neues Ergebnis und deaktiviert es. So lassen sich Nachbelastungen vorbereiten, ohne die laufende Periode zu stören (SAP Learning, Ablesung verstehen, Abschn. Ableseergebnis und -erfassung).

Typische Missverständnisse

Der Ablesestatus gibt die Datenqualität an. Er gibt nur den Bearbeitungsstand an. Ein Wert mit Status 1 kann geschätzt sein; die Herkunft steht in der Ableseart, und die ist auf der Rechnung anzugeben.

Ein unplausibles Ergebnis blockiert die Abrechnung dauerhaft. Es blockiert nur, bis jemand korrigiert, freigibt oder schätzt. Ohne definierte Folgeaktion schätzt das System selbst.

Ein plausibles Ergebnis heißt richtiges Ergebnis. Plausibel heißt nur, dass der Wert die konfigurierten Prüfungen bestanden hat. Ein falsch gewählter Erwartungswert lässt auch einen Lesefehler durch.

Quellen und Pflegehinweis

Tragende Quellen sind die beiden SAP-Learning-Einheiten zur Ablesung und zum Ableseprozess, dazu EnWG § 40 für die Pflichtangabe der Ermittlungsart und MsbG § 55 für die Ersatzwertbildung. Die SAP-Quellen beschreiben SAP S/4HANA Utilities; in älteren Releases von SAP IS-U fehlen einzelne Oberflächen, während Belegstatus und Plausibilitätslogik gleich bleiben. Prüfen Sie bei einem Release-Wechsel die Statuswerte und die Customizing-Pfade nach. Rechtsstand: EnWG und MsbG am 11. September 2026 gesichtet.

Primärquellen zum Nachlesen