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Kurzantwort
OBIS steht für Object Identification System. Eine OBIS-Kennzahl ist ein fester Zifferncode, der genau eine Größe in einem Messgerät oder in einer Marktnachricht benennt: welches Medium, welche Messgröße, welche Messart, welche Tarifstufe, welcher Zeitbezug. Der Code 1-0:1.8.0 steht für den tariflosen Zählerstand der aus dem Netz bezogenen Wirkarbeit, 1-0:2.8.0 für den Zählerstand der ins Netz gelieferten Wirkarbeit. Der Standard stammt aus der IEC 62056-6-1, früher IEC 62056-61, und gehört zur DLMS/COSEM-Familie für den Austausch von Zählerdaten. Die Codeliste der OBIS-Kennzahlen und Medien von EDI@Energy legt fest, welche Kennzahlen im deutschen Energiemarkt gültig sind.
Im Messwesen taucht OBIS an drei Stellen auf. Der Zähler zeigt die Kurzform auf dem Display an, etwa 1.8.0 oder 2.8.0. Das Smart-Meter-Gateway überträgt die Werte im SML-Format, jeder Datenpunkt trägt seine OBIS-Kennzahl. In der Marktkommunikation identifiziert die OBIS-Kennzahl die Messgröße innerhalb der MSCONS und wird im Stammdatenaustausch der UTILMD vereinbart. Eine falsche Kennzahl verschiebt den Wert in einen anderen Messgrößen- oder Tarifkontext, und Bilanzierung wie Abrechnung rechnen mit der falschen Zahl weiter.

Herkunft und Einordnung
Die Kennzahlen hießen früher EDIS-Kennzahlen. Für elektrische Energie sind sie heute international in der IEC 62056-6-1 festgelegt, die als DIN EN 62056-6-1 in das deutsche Normenwerk übernommen ist. Die Codeliste von EDI@Energy verweist für Strom weiterhin auf die Fassung DIN EN 62056-61:2007-06 und für Gas auf die DIN EN 13757-1. OBIS ist Teil der DLMS/COSEM-Suite. COSEM beschreibt die Objekte im Zähler, DLMS regelt den Nachrichtenaustausch, und OBIS liefert die logischen Namen, unter denen ein Objekt angesprochen wird. Die IEC-Norm nennt drei Einsatzfelder: die logischen Namen der COSEM-Objekte, die über Kommunikationsleitungen übertragenen Daten und die auf dem Gerät angezeigten Daten.
In Deutschland kommt die Smart Message Language dazu. SML wurde im Projekt SyM2 für synchrone modulare Zähler entwickelt, die aktuelle Fassung 1.04 stammt vom BSI. SML transportiert Messwerte über die drahtgebundene oder optische Schnittstelle zwischen Zähler und Smart-Meter-Gateway. Jeder Wert in einer SML-Nachricht trägt seine OBIS-Kennzahl als Objektname. Die BSI TR-03109-1 und ihre Anlage zum Interoperabilitätsmodell mit den Geräteprofilen beschreiben, welche OBIS-Kennzahlen ein Zähler am Gateway liefern muss und wie das Gateway daraus Zählerstandsgang und Lastgang bildet.
Der Aufbau: A-B:C.D.E*F
Die vollständige Kennzahl besteht aus sechs Wertgruppen. Fünf Trennzeichen teilen sie auf.
| Position | Trennzeichen | ASCII | Trennt |
|---|---|---|---|
| nach A | - |
2D | Medium von Kanal |
| nach B | : |
3A | Kanal von Messgröße |
| nach C | . |
2E | Messgröße von Messart |
| nach D | . |
2E | Messart von Tarifstufe |
| nach E | * |
2A | Tarifstufe von Abrechnungsperiode |
Jede Wertgruppe trägt eine ein- oder zweistellige Zahl. Nicht jede Gruppe muss geschrieben werden. Fehlt der Medium- und Kanalteil, bleibt die Kurzform übrig, wie sie auf dem Zählerdisplay steht: 1.8.0 statt 1-0:1.8.0. Fehlt der Sternteil, gilt der aktuelle Wert. Der Empfänger ergänzt die fehlenden Gruppen aus dem Kontext. In der Marktkommunikation wird die lange Form mit Medium und Kanal übertragen, in der Anzeige am Gerät die kurze.
Interaktiver Decoder
OBIS-Kennzahl in Wertgruppen lesen
Eine Lernhilfe für häufige Strom-Kennzahlen. Eine vollständige Codeliste ersetzt sie nicht.
Wirkarbeit Bezug; Elektrizität; tarifloser Gesamtwert / Summe über Tarife; aktuell (F fehlt oder ist 255).
1-0:1.8.0*255- A1Medium-
- B0Kanal:
- C1Messgröße.
- D8Messart.
- E0Tarif / Register*
- F255Abrechnungsperiode
- Medium A
- Elektrizitäteindeutig
- Kanal B
- Standardkanal 0eindeutig
- Messgröße C
- Wirkarbeit / Wirkleistung Bezugeindeutig
- Richtung
- Bezug aus dem Netz (+A)
- Messart D
- Zeitintegral 1 · Zählerstandeindeutig
- Tarif / Register E
- tarifloser Gesamtwert / Summe über Tarifeeindeutig
- Abrechnungsperiode F
- aktuell (F fehlt oder ist 255)eindeutig
Zählerstand aus dem Netzbezug, tariflos. Typische Einheit: kWh.
Die Einordnung folgt dem Aufbau A-B:C.D.E*F und der im Artikel beschriebenen Strom-Systematik. Bei Marktkommunikationsprozessen gilt immer die aktuell vereinbarte EDI@Energy-Codeliste.
| Wertgruppe | Bedeutung | Wertebereich | Nutzung im deutschen Markt |
|---|---|---|---|
| A | Medium, also die Energieart | 0 bis 15 | genutzt, meist 1 oder 7 |
| B | Kanal, also die Messquelle im Gerät | 0 bis 255, davon 0 bis 64 als Kanäle | genutzt, Vergabe durch den Messstellenbetreiber |
| C | Messgröße, das physikalische oder abstrakte Datum | 0 bis 255 | genutzt |
| D | Messart, das Verarbeitungsverfahren | 0 bis 255 | genutzt |
| E | Tarifstufe oder weitere Klassifizierung | 0 bis 255 | genutzt, 0 bis 62 als Tarife |
| F | Abrechnungsperiode, historische Vorwerte | 0 bis 255, 255 für aktuell | weggelassen, das heißt aktueller Wert |
Wertgruppe A: das Medium
A benennt die Energieart. Die Norm reserviert den Bereich 0 bis 15. Nicht medienbezogene Daten wie die Gerätenummer laufen als abstrakte Objekte unter A gleich 0.
| Code | Medium |
|---|---|
| 0 | abstrakte Objekte, nicht an ein Medium gebunden |
| 1 | Elektrizität |
| 4 | Heizkostenverteiler |
| 5, 6 | thermische Energie, also Wärme und Kälte |
| 7 | Gas |
| 8 | Kaltwasser |
| 9 | Warmwasser |
| 15 | andere Medien |
Für Strom gilt A gleich 1, für Gas A gleich 7. Die Codes für Wärme, Gas und Wasser stehen im Detail in der DIN EN 13757-1, nicht in der IEC 62056-6-1.
Wertgruppe B: der Kanal
B nummeriert die Quelle innerhalb eines Geräts, etwa wenn ein Datensammler mehrere Zähler führt oder ein Zähler mehrere Eingänge hat. Bei einem einzelnen Wert steht B gleich 0, geschrieben als 1-0:.... Der Bereich 0 bis 64 steht für echte Kanäle, 65 bis 127 für versorgerspezifische Codes, 128 bis 199 für herstellerspezifische. Trägt B einen Wert aus dem hersteller- oder versorgerspezifischen Bereich, verliert die restliche Kennzahl ihre genormte Bedeutung.
In der deutschen Marktkommunikation galt der Kanal lange als für die Identifikation irrelevant. Mit der Codeliste 2.5c vergibt der Messstellenbetreiber den Kanal im Bereich 0 bis 65, und er ist identifikationsrelevant. Kanal 65 kennzeichnet eine aus dem Smart-Meter-Gateway gebildete Energiemenge, Kanal 66 die Blindmehrarbeit im Lieferschein. Bei Gas unterscheidet der Kanal im Lastgangversand, ob die thermische Energie mit dem Bilanzierungsbrennwert gebildet wurde, Kanal 10, oder mit dem endgültigen Abrechnungsbrennwert, Kanal 20.
Wertgruppe C: die Messgröße
C sagt, was gemessen oder abgelegt wird. Die Bedeutung hängt vom Medium ab. Für Strom deckt C den Strom, die Spannung, die Wirk-, Blind- und Scheinleistung, den Leistungsfaktor und die Frequenz ab, dazu die abstrakten Bereiche für Gerätedaten. Das Vorzeichen in C trägt die Energieflussrichtung: ungerade Grundzählwerke für den Bezug aus dem Netz, gerade für die Lieferung ins Netz.
| C | Messgröße Strom | Einheit typisch |
|---|---|---|
| 1 | Wirkarbeit oder Wirkleistung Bezug, +A |
kWh oder kW |
| 2 | Wirkarbeit oder Wirkleistung Lieferung, -A |
kWh oder kW |
| 3 | Blindarbeit Bezug, +Q |
kvarh |
| 4 | Blindarbeit Lieferung, -Q |
kvarh |
| 5, 6, 7, 8 | Blindarbeit in den Quadranten QI, QII, QIII, QIV | kvarh |
| 9 | Scheinarbeit oder Scheinleistung | kVAh oder kVA |
| 13 | Leistungsfaktor, cos φ |
dimensionslos |
| 14 | Netzfrequenz | Hz |
| 15 | Wirkarbeit ohne Richtung, ` | +A |
| 16 | Wirkarbeit saldiert, ` | +A |
| 21, 41, 61 | Wirkleistung Bezug in Phase L1, L2, L3 | kW |
| 31, 51, 71 | Strom in Phase L1, L2, L3 | A |
| 32, 52, 72 | Spannung in Phase L1, L2, L3 | V |
| 36, 56, 76 | Wirkleistung in Phase L1, L2, L3 | kW |
| 0 | abstrakte Gerätedaten, siehe unten | verschieden |
| 96, 97, 98 | abstrakte Objekte: Betrieb und Status, Fehlerregister, Listen | verschieden |
Der phasenbezogene Block folgt einem Raster: L1 liegt bei 21 bis 40, L2 bei 41 bis 60, L3 bei 61 bis 80. Deshalb steht die Spannung von L1 bei 32, die von L2 bei 52, die von L3 bei 72.
Wertgruppe D: die Messart
D beschreibt, wie aus der Messung ein Wert wird. Die Codeliste für Strom nennt für die Marktkommunikation vier zentrale Verfahren, die IEC-Norm kennt weitere.
| D | Messart | Ergebnis |
|---|---|---|
| 6 | Maximum 1 | höchster Messwert der Periode, etwa die höchste Viertelstundenleistung |
| 7 | Momentanwert | aktueller Augenblickswert, etwa Strom oder Spannung |
| 8 | Zeitintegral 1 | Zählerstand, fortlaufend aufsummierte Energie |
| 9 | Zeitintegral 2 | Vorschub, Energiemenge für einen beliebigen Zeitraum |
| 29 | Zeitintegral 5 | Lastgang, Energiemengen für gleich lange Zeitintervalle |
| 4 | gleitender Mittelwert 1 | fortlaufend gemittelter Wert |
| 5 | letzter Mittelwert 1 | Mittelwert des zuletzt abgeschlossenen Intervalls |
| 3 | Minimum 1 | kleinster Messwert der Periode |
| 1, 2 | kumuliertes Maximum, kumuliertes Minimum | über mehrere Perioden aufsummierte Extremwerte |
Bei abstrakten Objekten mit C gleich 0 oder C gleich 96 nummeriert D die einzelnen Datenpunkte durch, etwa 0.2.0 für den Firmwarestand oder 0.9.1 für die Uhrzeit.
Wertgruppe E: die Tarifstufe
E ordnet den Wert einer Tarifstufe zu. E gleich 0 steht für den tariflosen Gesamtwert, also einen Eintarifzähler oder die Summe über alle Register. E gleich 1 ist Tarif 1, früher Hochtarif, E gleich 2 ist Tarif 2, früher Niedertarif. Die Codeliste erlaubt Tarife bis 62, E gleich 63 kennzeichnet das Fehlerregister. Eine feste Zuordnung zwischen den alten Kürzeln HT und NT und den Codes 1 und 2 gibt es nicht, der Messstellenbetreiber legt sie fest und überträgt zusätzlich die Bezeichnung auf dem Gerät.
Wertgruppe F: die Abrechnungsperiode
F identifiziert historische Vorwerte, also die Werte vergangener Abrechnungsperioden. Der Wert 255 oder das Weglassen der Gruppe bedeutet den aktuellen Wert. 1-0:1.8.0*255 ist damit derselbe aktuelle Bezugszählerstand wie 1-0:1.8.0. Im deutschen Strom- und Gasmarkt wird F nicht verwendet, historische Werte laufen über eigene Prozesse der Marktkommunikation.
1-0:1.29.0 bedeutet: Medium 1 ist Elektrizität, Kanal 0 heißt kein besonderer Kanal, Messgröße 1 ist Wirkarbeit Bezug, Messart 29 ist Zeitintegral 5 also Lastgang, Tarifstufe 0 ist tariflos. Der Code beschreibt also die Lastgangwerte des Netzbezugs, gemessen je Zeitintervall, ohne Tarifunterscheidung. Die physikalische Einheit ergibt sich aus Messgröße plus Messart, hier kWh je Intervall.
Beispieltabelle mit Klartext
Die folgenden Kennzahlen kommen in Zählern, in SML-Datensätzen und in der Marktkommunikation vor. Die lange Form steht mit Medium und Kanal, die Kurzform ist die Anzeige am Gerät.
| OBIS-Kennzahl | Kurzform | Klartext |
|---|---|---|
1-0:1.8.0 |
1.8.0 |
Zählerstand Wirkarbeit Bezug, tariflos, Summe über alle Tarife, in kWh |
1-0:1.8.1 |
1.8.1 |
Zählerstand Wirkarbeit Bezug, Tarif 1, früher Hochtarif |
1-0:1.8.2 |
1.8.2 |
Zählerstand Wirkarbeit Bezug, Tarif 2, früher Niedertarif |
1-0:1.8.0*255 |
1.8.0 |
derselbe Bezugszählerstand, F gleich 255 heißt aktueller Wert, keine Abrechnungsperiode |
1-0:2.8.0 |
2.8.0 |
Zählerstand Wirkarbeit Lieferung, tariflos, etwa PV-Überschusseinspeisung, in kWh |
1-0:2.8.1 |
2.8.1 |
Zählerstand Wirkarbeit Lieferung, Tarif 1 |
1-65:1.8.0 |
1.8.0 |
aus dem Smart-Meter-Gateway gebildeter Zählerstand Bezug, Kanal 65 |
1-0:1.6.0 |
1.6.0 |
Maximum der Wirkleistung Bezug in der Abrechnungsperiode, in kW |
1-0:1.29.0 |
1.29.0 |
Lastgang Wirkarbeit Bezug, Energiemenge je Messintervall, tariflos |
1-0:2.29.0 |
2.29.0 |
Lastgang Wirkarbeit Lieferung, Energiemenge je Messintervall |
1-0:1.9.0 |
1.9.0 |
Vorschub Wirkarbeit Bezug, Energiemenge für einen beliebigen Zeitraum |
1-0:16.7.0 |
16.7.0 |
Momentanwert der saldierten Gesamtwirkleistung, Vorzeichen zeigt Bezug oder Einspeisung |
1-0:36.7.0 |
36.7.0 |
Momentanwert der Wirkleistung in Phase L1 |
1-0:32.7.0 |
32.7.0 |
Momentanwert der Spannung in Phase L1, in V |
1-0:52.7.0 |
52.7.0 |
Momentanwert der Spannung in Phase L2 |
1-0:72.7.0 |
72.7.0 |
Momentanwert der Spannung in Phase L3 |
1-0:31.7.0 |
31.7.0 |
Momentanwert des Stroms in Phase L1, in A |
1-0:13.7.0 |
13.7.0 |
Momentanwert des Leistungsfaktors, cos φ |
1-0:14.7.0 |
14.7.0 |
Momentanwert der Netzfrequenz, in Hz |
1-0:0.0.0 |
0.0.0 |
abstrakt: Geräte- oder Zählernummer, die Geräteadresse |
1-0:0.2.0 |
0.2.0 |
abstrakt: Firmware- oder Parameterstand des Zählers |
1-0:96.1.0 |
96.1.0 |
abstrakt: Geräte-Identifikationsnummer, die Fabriknummer |
1-0:96.5.5 |
96.5.5 |
abstrakt: Statuswort des Zählers |
1-0:0.9.1 |
0.9.1 |
abstrakt: Uhrzeit im Gerät |
1-0:0.9.2 |
0.9.2 |
abstrakt: Datum im Gerät |
7-0:3.0.0 |
3.0.0 |
Gas: Zählerstand Betriebsvolumen, Ausspeisung, in m³ |
7-0:52.0.22 |
52.0.22 |
Gas: Zustandszahl als Monatsmittelwert |
7-0:54.0.0 |
54.0.0 |
Gas: Brennwert |
OBIS auf dem Display und beim Ablesen
Eine moderne Messeinrichtung zeigt im Standardbetrieb die Kurzformen. Der Anschlussnutzer sieht 1.8.0 mit dem laufenden Bezugszählerstand, bei Einspeisung zusätzlich 2.8.0. Ein Zweitarifzähler blättert 1.8.1 und 1.8.2 durch. Momentanwerte wie 16.7.0 für die aktuelle Leistung wechseln im Anzeigelauf mit.
Die erweiterte Anzeige mit den historischen Werten der letzten 24 Monate ist durch eine PIN geschützt. Der Messstellenbetreiber gibt die PIN auf Wunsch an den Anschlussnutzer heraus. Erst nach Eingabe erscheinen die Vorwerte und weitere Register. Die 24-Monats-Historie fordert das Messstellenbetriebsgesetz für intelligente Messsysteme, die technische Umsetzung steht in der BSI TR-03109-1.
Beim turnusmäßigen Ableseprozess erfasst der Messstellenbetreiber die relevanten Register, bei einem einfachen Haushaltszähler meist 1.8.0 oder die Paare 1.8.1 und 1.8.2. Diese Zählerstände wandern mit ihrer OBIS-Kennzahl und der Gerätebezeichnung in die Marktkommunikation. Bei einem intelligenten Messsystem entfällt die Vor-Ort-Ablesung, das Gateway liefert die Werte fern.
OBIS in der Marktkommunikation
In der MSCONS steht die OBIS-Kennzahl in der Segmentgruppe 9 im PIA-Segment mit dem Qualifier 5 für die Produktidentifikation, im Datenelement 7140. Das Positionssegment LIN eröffnet die Position, PIA benennt die Messgröße über die OBIS-Kennzahl, die folgenden QTY- und DTM-Segmente tragen Menge und Zeitbezug. Die Einheit steht nicht separat in der Nachricht, sie steckt implizit in der OBIS-Kennzahl. Zulässig sind nur die Kennzahlen, die der Messstellenbetreiber zuvor im Stammdatenaustausch der UTILMD gemeldet hat.
Die Codeliste der OBIS-Kennzahlen und Medien von EDI@Energy ist eine externe Codeliste. Sie wird bei der Syntaxprüfung und bei der Prüfung gegen das Anwendungshandbuch herangezogen. Sie ordnet jedem Messwertübermittlungsfall die erlaubten Kennzahlen zu, gestaffelt nach messtechnischer Einordnung, also moderne Messeinrichtung oder intelligentes Messsystem, nach beteiligten Marktrollen und nach Ebene, also Markt-, Mess- oder Netzlokation. Für einen Lastgang gilt 1-b:1.29.0 für den Bezug und 1-b:2.29.0 für die Lieferung, für einen Vorschub 1-b:1.9.e, für einen Zählerstand 1-b:1.8.e.
Eine falsche OBIS-Kennzahl bricht den Folgeprozess. Trägt eine MSCONS den Wert eines Lastgangs unter der Kennzahl eines Vorschubs, ordnet der Empfänger die Menge einer anderen Werteart zu. Steht statt 1.8.1 die Kennzahl 1.8.0, landet ein Tarifwert in der tariflosen Summe. Beide Fehler wirken bis in die Bilanzkreisabrechnung und in die Endkundenrechnung, weil dort niemand mehr die ursprüngliche Messgröße prüft.

OBIS im Smart-Meter-Gateway
Das Gateway spricht die Zähler über das lokale metrologische Netz an. In den Geräteprofilen der TR-03109-1 stehen je Zähler das Protokoll, die OBIS-Kennzahlen der verfügbaren Werte und die Geräte-Identifikation. Das Gateway liest die vom Profil vorgesehenen Kennzahlen aus und legt zwei Arten von Zeitreihen an. Der Zählerstandsgang besteht aus Zählerständen in festem Raster, gebildet aus einer Kennzahl mit Messart 8. Der Lastgang besteht aus Energiemengen je Intervall, in der Marktkommunikation als Kennzahl mit Messart 29 geführt. Welche Reihe das Gateway an welchen Empfänger sendet, steuert der jeweilige Tarifanwendungsfall.
Damit trennt das Gateway sauber: Im Zähler und auf der lokalen Schnittstelle laufen die OBIS-Kennzahlen nach der IEC-Norm und der SML-Spezifikation, in der Marktkommunikation die Teilmenge, die die EDI@Energy-Codeliste erlaubt. Ein Zähler liefert oft mehr Kennzahlen, als je in eine MSCONS gehen.
Entscheidung: welche Kennzahl gilt
Der Weg beginnt bei der Frage, ob ein physikalischer Messwert oder eine Geräteinformation gemeint ist. Bei einem Messwert folgt die Richtung über die Wahl zwischen C gleich 1 und C gleich 2, dann die Messart über D, dann der Tarif über E. Für eine Geräteinformation führt der Weg in die abstrakten Bereiche C gleich 0 und C gleich 96.
Abgrenzung zu anderen Kennungen
| Kennung | Was sie identifiziert | Beispiel |
|---|---|---|
| OBIS-Kennzahl | die Messgröße samt Medium, Messart, Tarif, Zeitbezug | 1-0:1.8.1 |
| Marktlokations-ID | den Ort, an dem Energie bilanziell entnommen oder eingespeist wird | 11 Stellen, rein numerisch |
| Messlokations-ID | den Ort der Messung, also die Messstelle | Präfix DE, 33 Stellen |
| Zählpunktbezeichnung | die frühere Bezeichnung der Lokation, weiterhin geläufig | strukturierte 33-stellige Kennung |
| Prüfidentifikator | den Geschäftsvorfall einer EDIFACT-Nachricht | fünfstellige Zahl, etwa 13018 |
| Geräte-Identifikationsnummer | das physische Gerät, über OBIS 96.1.0 transportiert |
Fabriknummer des Zählers |
Die OBIS-Kennzahl sagt, welche Größe vorliegt. Die Lokations-IDs sagen, wo. Der Prüfidentifikator sagt, in welchem Prozessschritt. Diese Ebenen laufen in derselben Nachricht nebeneinander und dürfen nicht vermischt werden.
Praxisbeispiel: Zweitarifzähler in einem Haushalt
Ein Haushalt hat einen elektronischen Zweitarifzähler, historisch mit den Registern Hochtarif und Niedertarif. Der Messstellenbetreiber hat im Stammdatenaustausch die Kennzahlen 1-0:1.8.1 und 1-0:1.8.2 gemeldet und die Zuordnung der Gerätebezeichnungen HT und NT dazu übertragen.
Die Kennzahl 1-0:1.8.1 zerlegt sich so:
| Gruppe | Wert | Bedeutung |
|---|---|---|
| A | 1 | Elektrizität |
| B | 0 | kein besonderer Kanal |
| C | 1 | Wirkarbeit, Richtung Bezug aus dem Netz |
| D | 8 | Zeitintegral 1, also fortlaufender Zählerstand |
| E | 1 | Tarifstufe 1 |
| F | weggelassen | aktueller Wert |
Der Ableseprozess läuft am Stichtag. Der Zähler zeigt für 1.8.1 den Stand 24.860 kWh und für 1.8.2 den Stand 8.130 kWh. Der Messstellenbetreiber sendet beide Stände in einer MSCONS: je Register ein LIN-Segment, im PIA-Segment die zugehörige OBIS-Kennzahl, im QTY-Segment der Zählerstand, im DTM-Segment der Ablesezeitpunkt. Der Lieferant bildet die Verbrauchsmengen als Differenz zu den Vorwerten aus der letzten Ablese, ordnet Tarif 1 seinem Hochtarifpreis und Tarif 2 seinem Niedertarifpreis zu und stellt die Jahresrechnung.
Jetzt der Fehlerfall. Bei einem Gerätewechsel baut der Messstellenbetreiber einen Eintarifzähler ein und meldet nur noch 1-0:1.8.0, ohne den Vertrag des Kunden anzupassen. Die MSCONS liefert den Gesamtzählerstand unter 1.8.0. Das Abrechnungssystem des Lieferanten erwartet weiterhin 1.8.1 und 1.8.2, findet die Register nicht und stellt den Fall in die Klärung. Bis der Vertrag auf einen Eintarif umgestellt ist, kann der Lieferant nicht abrechnen. Der Fehler steckt in einer einzigen Ziffer der Wertgruppe E.
Typische Missverständnisse
Die OBIS-Kennzahl ist die Zählpunktbezeichnung.
Beide stehen in derselben Nachricht, meinen aber verschiedene Dinge. Die Zählpunktbezeichnung und die Lokations-IDs benennen den Ort. Die OBIS-Kennzahl benennt die Messgröße an diesem Ort.
1.8.0 ist immer die Summe aus 1.8.1 und 1.8.2.
1.8.0 bezeichnet den tariflosen Gesamtwert. Ob ein Zähler diesen Wert als eigenes Register führt oder rechnerisch aus den Tarifregistern bildet, hängt vom Gerät ab. Und die Zuordnung von HT und NT zu den Codes 1 und 2 ist nicht fest, der Messstellenbetreiber legt sie fest.
Die Einheit steht in der Marktnachricht.
Die Einheit ergibt sich aus Messgröße und Messart der OBIS-Kennzahl. 1.8.0 liefert kWh, 1.6.0 liefert kW, 32.7.0 liefert Volt. Eine separate Einheitenangabe ist nicht nötig.
Die Wertgruppe F muss immer gesetzt sein.
Im deutschen Strom- und Gasmarkt wird F weggelassen. Der Wert 255 oder das Fehlen der Gruppe bedeutet den aktuellen Wert. Historische Vorwerte laufen über eigene Prozesse.
OBIS-Kennzahl und Prüfidentifikator sind dasselbe.
Der Prüfidentifikator benennt den Geschäftsvorfall der gesamten Nachricht. Die OBIS-Kennzahl benennt eine einzelne Messgröße innerhalb der Nachricht. Eine MSCONS mit einem Prüfidentifikator kann viele Positionen mit unterschiedlichen OBIS-Kennzahlen enthalten.
Quellen und Pflegehinweis
Der Aufbau der OBIS-Kennzahl und die Wertgruppen A bis F stehen in der IEC 62056-6-1, übernommen als DIN EN 62056-6-1, im Kontext der DLMS/COSEM-Suite. Welche Kennzahlen im deutschen Energiemarkt gültig sind und welche in welchem Übermittlungsfall genutzt werden, regelt die EDI@Energy-Codeliste der OBIS-Kennzahlen und Medien, aktuell Version 2.5c mit Stand 1. Oktober 2025. Die Einbindung in die Nachrichten beschreiben das MSCONS-Anwendungshandbuch und die MSCONS-Nachrichtenbeschreibung von EDI@Energy. Die Nutzung im Smart-Meter-Gateway und in SML steht in der BSI TR-03109-1 mit der Anlage zum Interoperabilitätsmodell und den Geräteprofilen. Die Begriffe Zählerstandsgang und Lastgang definiert das Messstellenbetriebsgesetz in § 2. Die Codelisten und Anwendungshandbücher ändern sich mit jedem Formatstand. Vor jeder Umsetzung ist der aktuelle Stand auf edi-energy.de zu prüfen, besonders bei der Kanalvergabe, den zulässigen Kennzahlen je Übermittlungsfall und den Prüfidentifikatoren.
- IEC 62056-6-1:2017, Object Identification System (OBIS)
- IEC 62056-6-1:2017, Vorschau mit der Struktur der Wertgruppen (PDF)
- EDI@Energy / BDEW, Codeliste der OBIS-Kennzahlen und Medien 2.5c
- EDI@Energy, Codeliste der OBIS-Kennzahlen 2.2h (Bundesnetzagentur-Hosting)
- EDI@Energy, Datenformate für die Marktkommunikation
- EDI@Energy, MSCONS Nachrichtenbeschreibung (MIG) 2.4c
- DLMS User Association, DLMS/COSEM
- OBIS-Kennzahlen, Wikipedia
- BSI, Technische Richtlinie TR-03109-1
- BSI, TR-03109-1 Anlage VII, Interoperabilitätsmodell und Geräteprofile (PDF)
- Smart Message Language, Wikipedia
- Messstellenbetriebsgesetz § 2, Begriffsbestimmungen
Abrufdatum aller Quellen: 8. September 2026.
Primärquellen zum Nachlesen
- IEC 62056-6-1:2017 – Electricity metering data exchange, The DLMS/COSEM suite, Part 6-1, Object Identification System (OBIS)webstore.iec.ch
- IEC 62056-6-1:2017 – Vorschau/Leseprobe (PDF, Struktur der Wertgruppen)cdn.standards.iteh.ai
- EDI@Energy / BDEW – Codeliste der OBIS-Kennzahlen und Medien, Version 2.5c (Stand 01.10.2025)bdew-mako.de
- EDI@Energy – Codeliste der OBIS-Kennzahlen für den deutschen Energiemarkt, Version 2.2h (Bundesnetzagentur-Hosting)bundesnetzagentur.de
- EDI@Energy – Datenformate für die Marktkommunikationedi-energy.de
- EDI@Energy – MSCONS Nachrichtenbeschreibung (MIG) 2.4cbundesnetzagentur.de
- DLMS User Association – DLMS/COSEMdlms.com
- OBIS-Kennzahlen – Wikipediade.wikipedia.org
- BSI – Technische Richtlinie TR-03109-1, Smart-Meter-Gatewaybsi.bund.de
- BSI – TR-03109-1 Anlage VII, Interoperabilitätsmodell und Geräteprofilebsi.bund.de
- Smart Message Language – Wikipediade.wikipedia.org
- Messstellenbetriebsgesetz – § 2 Begriffsbestimmungengesetze-im-internet.de
