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Transport, Sicherheit und Tests

06AHB, Formate & Datenaustausch

AS4 und die Smart-Metering-PKI

Warum AS4 der verpflichtende Transportweg der Marktkommunikation ist, wie Zertifikate der Smart-Metering-PKI den Austausch absichern und warum Transport keine Geschäftsprozesse definiert.

Moderner Zählerschrank mit digitalem Stromzähler und Smart-Meter-Gateway
Messung wird erst durch Kennungen, Rollen und Datenflüsse zum Marktprozess.
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Kurzantwort

AS4 ist der verpflichtende Übertragungsweg für die elektronische Marktkommunikation in Deutschland. Es ist ein auf Web-Services basierendes Protokoll, das als Profil des OASIS-Standards ebMS 3.0 definiert ist. Die Marktpartner der Sparte Strom nutzen AS4 seit dem 1. April 2024 verbindlich, die Sparte Gas folgte zum 1. April 2025.

AS4 transportiert die EDIFACT-Übertragungsdateien sicher zwischen zwei Marktpartnern. Die Absicherung übernehmen Zertifikate der Smart-Metering-PKI des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik. AS4 ist ein Transportweg und kein Geschäftsprozess: Es regelt nicht, welcher Vorgang abläuft, sondern wie die Nachricht sicher ankommt.

Wer SAP-IS-U-Systeme betreibt, sollte AS4 deshalb als Infrastrukturthema behandeln. Die Fachprozesse der Marktkommunikation bleiben davon unberührt. Erst wenn Transport und Fachlogik getrennt geführt werden, lassen sich Störungen schnell lokalisieren und Releases unabhängig voneinander umsetzen.

AS4 transportiert, es definiert keinen Geschäftsprozess
GeschäftsprozesseGPKE · WiM Strom · MaBiS

Regeln, Rollen, Fristen und Prüfungen. Hier entsteht der fachliche Anlass.

InhaltEDIFACT-Übertragungsdatei

Die eigentliche Nachricht, etwa UTILMD oder MSCONS, mit Absender- und Empfänger-MP-ID.

Transportweg · kein ProzessAS4 nach dem BDEW-AS4-Profil (ebMS 3.0 / OASIS AS4)

1:1-Kommunikation zwischen zwei Marktpartnern. Jeder AS4-Endpunkt muss erreichbar sein; verschlüsselt und signiert wird auf Transport- und Message-Ebene.

AbsicherungSmart-Metering-PKI des BSI

X.509-Zertifikate für Signatur und TLS. Das Signaturzertifikat reist in jeder AS4-Nachricht mit, damit der Empfänger die Signatur prüfen kann.

Wer AS4 einführt, löst eine Transportfrage, keine Prozessfrage. Der Geschäftsprozess bleibt in GPKE, WiM und MaBiS geregelt. Eine erfolgreiche Übertragung sagt nichts über die fachliche Verarbeitung aus.

Der Übertragungsweg als eigene Schicht

Die Marktkommunikation trennt den Inhalt vom Transport. Der Inhalt ist die EDIFACT-Nachricht, die einen Geschäftsvorfall abbildet. Der Transport ist der Weg, auf dem die Nachricht vom Sender zum Empfänger gelangt. Beide Schichten haben eigene Regeln und eigene Fehlerbilder.

Früher nutzte die Branche für den Transport unter anderem E-Mail mit Verschlüsselung. Diese Wege erfüllten die wachsenden Anforderungen an Sicherheit und Nachvollziehbarkeit nicht mehr. Die Bundesnetzagentur hat deshalb mit dem Verfahren BK6-21-282 einen einheitlichen, sicheren Übertragungsweg vorgegeben: AS4. E-Mail und ältere Protokolle sind für die Marktkommunikation unzulässig. BDEW: AS4 in der Sparte Strom

Für die Systeme bedeutet die Trennung von Inhalt und Transport eine klare Architektur. Die Verarbeitung der Nachricht und die Übertragung der Datei sind getrennte Aufgaben. Ein Übertragungsfehler sagt nichts über den Inhalt aus, und ein fachlicher Fehler sagt nichts über den Transport. Wer beide Ebenen vermischt, erschwert die Fehlersuche.

Was AS4 technisch leistet

AS4 ist ein Profil des OASIS-Standards ebXML Messaging Services 3.0. OASIS AS4 Profile Es definiert, wie Nachrichten zwischen zwei Partnern ausgetauscht werden, welche Sicherheitsmechanismen greifen und wie Empfangsbestätigungen aussehen. AS4 baut auf Web-Service-Standards auf und ist für den B2B-Datenaustausch ausgelegt.

Die Marktkommunikation nutzt AS4 in der Ausprägung des BDEW-AS4-Profils. Dieses Profil legt fest, wie die EDIFACT-Übertragungsdateien in AS4-Nachrichten verpackt, signiert und verschlüsselt werden. Die Anbieter der Marktpartner betreiben AS4-Endpunkte, über die der Austausch läuft. Regelungen zum Übertragungsweg für AS4

Ein zentrales Merkmal ist die 1:1-Kommunikation. Zwischen zwei Marktpartnern existiert genau ein Übertragungsweg. Jeder Marktpartner sorgt dafür, dass seine interne Organisation bei den anderen keinen Zusatzaufwand erzeugt. Diese Regel vereinfacht den Betrieb, weil sie die Zahl der zu pflegenden Verbindungen begrenzt und eindeutig hält.

Technisch gesehen verschickt der Sender über seinen AS4-Endpunkt eine Nachricht an den Endpunkt des Empfängers. Der Empfänger bestätigt die Zustellung auf der Ebene des Protokolls. Diese Bestätigung ist eine Transportquittung. Sie sagt aus, dass die Datei angekommen ist, und sie ist von den fachlichen Rückmeldungen CONTRL und APERAK zu unterscheiden, die erst nach der Entgegennahme der Datei entstehen.

Verbindlichkeit und Einführung

Die Einführung von AS4 lief über einen gestuften Zeitplan. Die Bundesnetzagentur verpflichtete die Marktpartner der Sparte Strom, die Umstellung zum 1. Oktober 2023 zu beginnen. Nach einer Übergangsfrist von sechs Monaten war AS4 ab dem 1. April 2024 verbindlich zu nutzen. BDEW: Einführung von AS4

Die Sparte Gas folgte mit eigenem Zeitplan zum 1. April 2025. Damit nutzen die Marktpartner beider Sparten einen einheitlichen, sicheren Übertragungsweg. Die Umstellung betraf nicht nur die Technik, sondern auch die Organisation: Marktpartner mussten ihre Adressen veröffentlichen, Zertifikate beantragen und ihre Prozesse auf die neuen Verbindungen umstellen.

Für Projekte war die Umstellung ein klassisches Migrationsvorhaben. Bestehende Verbindungen liefen parallel weiter, bis die neuen AS4-Verbindungen getestet waren. Erst nach erfolgreichen Tests erfolgte der Wechsel. Die BDEW-Regelungen zum Übertragungsweg beschreiben dafür auch Testservices und den Wechsel zwischen Übertragungswegen. Regelungen zum Übertragungsweg

Zertifikate und die Smart-Metering-PKI

Die Sicherheit von AS4 beruht auf Zertifikaten. Die Kommunikation wird über die Smart-Metering-PKI des BSI abgesichert. Diese Public-Key-Infrastruktur stellt Zertifikate aus, die die Authentizität und Vertraulichkeit der Kommunikation gewährleisten. Das Messstellenbetriebsgesetz definiert die Smart-Metering-PKI als System zur Ausstellung, Verteilung und Prüfung digitaler Zertifikate. MsbG § 2

In der Praxis kommen mehrere Zertifikate zum Einsatz. Ein Zertifikat sichert die Signatur der Nachricht, ein weiteres den Aufbau des TLS-Kanals. Das Signaturzertifikat wird in jeder AS4-Nachricht mitgeführt, damit der Empfänger die Signatur prüfen kann. Die Vorgaben der Certificate Policy der Smart-Metering-PKI sind einzuhalten. Regelungen zum Übertragungsweg für AS4

Die Verwaltung der Zertifikate ist ein eigener Betriebsprozess. Zertifikate laufen ab und müssen rechtzeitig erneuert werden. Die Regelungen sehen vor, dass Nachfolgezertifikate vor Ablauf bereitstehen, damit keine Lücke entsteht. Wer die Zertifikatsverwaltung vernachlässigt, riskiert den Stillstand der gesamten Marktkommunikation.

Für die Systeme bedeutet das: Die Zertifikate sind Teil der technischen Stammdaten einer Marktpartner-Verbindung. Zu jedem Marktpartner gehören die AS4-Adresse und die gültigen Zertifikate. Diese Daten werden zentral gepflegt und überwacht. Ein Ablaufdatum, das niemand beobachtet, führt zu Übertragungsfehlern, die wie Verbindungsstörungen aussehen, aber ihre Ursache in der Zertifikatsverwaltung haben.

Betrieb: Adressen und Zertifikatswechsel

Für den Betrieb einer AS4-Anbindung braucht jedes Unternehmen verlässliche Stammdaten. Dazu gehören die AS4-Adresse des eigenen Endpunkts und die Adressen der Marktpartner. Die Marktpartner verständigen sich über ihre Datenaustauschadressen und die verwendeten Zertifikate. Diese Angaben werden gepflegt und bei Änderungen aktualisiert.

Beim Zertifikatswechsel greifen feste Regeln. Neue Zertifikate werden den Marktpartnern rechtzeitig bekannt gegeben. Der Inhaber stellt die Nachfolgezertifikate bereit, bevor die alten ungültig werden. In der Übergangszeit akzeptieren die Empfänger Nachrichten mit alten und neuen Zertifikaten. Regelungen zum Übertragungsweg für AS4

Will ein Marktpartner ein Zertifikat vorzeitig zurückziehen, muss er es über die Sperrlisten seiner Zertifizierungsstelle für ungültig erklären lassen. Auch dieser Vorgang folgt den Vorgaben der PKI. Für SAP-IS-U-Projekte heißt das: Die AS4-Anbindung braucht eine eigene Stammdaten- und Zertifikatsverwaltung, die unabhängig von der fachlichen Nachrichtenverarbeitung betrieben wird.

Transport ist kein Geschäftsprozess

Der wichtigste fachliche Punkt bleibt die Abgrenzung: AS4 ist ein Transportweg, kein Geschäftsprozess. Wer AS4 einführt, löst eine Transportfrage. Die Frage, welcher Vorgang abläuft, welche Fristen gelten und welche Nachricht zu senden ist, beantworten GPKE, WiM und MaBiS.

Diese Trennung wirkt sich auf Fehlerbilder aus. Eine fehlgeschlagene Übertragung über AS4 ist ein Transportproblem. Der Sender prüft Adresse, Zertifikat und Verbindung. Eine erfolgreiche Übertragung sagt dagegen nichts über die fachliche Verarbeitung aus. Erst CONTRL, APERAK und die Geschäftsantwort zeigen, ob der Empfänger die Nachricht verarbeiten konnte.

In Projekten verhindert diese Trennung zwei Fehler. Der erste Fehler: Ein Team testet nur den Transport und hält die Marktkommunikation für fertig. Der zweite Fehler: Ein Team verwechselt Transportfehler mit Prozessfehlern und sucht die Ursache in der Fachlogik. Beide Male bleibt die eigentliche Aufgabe unerledigt.

Bedeutung für SAP IS-U

In SAP-IS-U-Landschaften ist AS4 Teil der Kommunikationsinfrastruktur. Die Datenaustausch-Komponenten senden und empfangen EDIFACT-Dateien über AS4-Endpunkte. Die fachliche Verarbeitung der Nachrichten bleibt davon getrennt. Diese Architektur erlaubt es, den Transport zu warten, ohne die Fachprozesse zu berühren.

Für die Einführung bedeutet das: Der AS4-Betrieb braucht eigene Verantwortliche und eigene Prozesse. Adressen, Zertifikate und Verbindungen werden gepflegt, überwacht und dokumentiert. Die Fachteams arbeiten mit den Ergebnissen, ohne sich um die Transportdetails kümmern zu müssen.

Dazu kommt die Teststrategie. Bevor eine neue Verbindung produktiv geht, testen die Partner den Austausch über die vorgesehenen Testservices. Diese Tests prüfen Adressen, Zertifikate und den Nachrichtenaustausch. Erst wenn die Tests erfolgreich sind, wird die Verbindung für den Produktivbetrieb freigegeben. Wer die Tests überspringt, verschiebt die Fehler in den laufenden Betrieb.

Praxisbeispiel: Umstellung eines Versorgers auf AS4

Ein Versorger stellt seine Marktkommunikation von E-Mail auf AS4 um. Das Projektteam beantragt die Zertifikate bei der Smart-Metering-PKI und richtet den AS4-Endpunkt ein. Die Adresse und die Zertifikate werden den Marktpartnern bekannt gegeben.

Das Team testet die Verbindungen mit den wichtigsten Partnern über den Testservice. Es prüft, ob die EDIFACT-Dateien korrekt übertragen, signiert und entschlüsselt werden. Nach erfolgreichen Tests wechselt der Versorger die Verbindungen auf den Produktivbetrieb. Die alten E-Mail-Wege werden abgeschaltet, sobald alle Partner die neuen Wege nutzen.

Im Beispiel zeigt sich die Arbeitsteilung: Die Fachprozesse bleiben unverändert, der Transport wird ausgetauscht. Die Umstellung gelingt, weil das Projekt Transport und Inhalt sauber trennt.

Für den laufenden Betrieb bleibt diese Trennung die wichtigste Leitlinie. Tritt eine Störung auf, lautet die erste Frage, ob sie den Transport oder den Inhalt betrifft. Fällt eine AS4-Verbindung aus, helfen Adress- und Zertifikatsprüfung. Kommt eine Nachricht nicht an oder wird abgelehnt, beginnt die Suche bei der Fachlogik. Diese klare Diagnose spart Zeit und verhindert, dass Teams aneinander vorbei arbeiten.

Typische Missverständnisse

„AS4 ist ein Geschäftsprozess.“
Nein. AS4 ist ein Transportprotokoll. Die Geschäftsprozesse regeln GPKE, WiM und MaBiS.

„AS4 ersetzt EDIFACT.“
Nein. AS4 transportiert die EDIFACT-Dateien. Der Inhalt bleibt EDIFACT.

„Eine erfolgreiche AS4-Übertragung heißt: fachlich verarbeitet.“
Nein. Sie heißt nur: zugestellt. Die fachliche Verarbeitung bestätigen CONTRL, APERAK und die Geschäftsantwort.

„E-Mail ist weiterhin ein zulässiger Übertragungsweg.“
Nein. Für die Marktkommunikation ist AS4 verbindlich. E-Mail und ältere Protokolle sind unzulässig.

„Ohne Smart-Metering-PKI geht gar nichts.“
Für die Marktkommunikation gilt: Die Zertifikate der SM-PKI sichern den AS4-Austausch. Ohne gültige Zertifikate funktioniert die Übertragung nicht.

Quellen und Pflegehinweis

Die Regeln zum AS4-Transport veröffentlicht die BDEW im Auftrag der Marktkommunikation, die Bundesnetzagentur begleitet die Vorgabe. Die technischen Grundlagen liefern der OASIS-Standard und die Smart-Metering-PKI. Zertifikate, Adressen und Profile unterliegen der Pflege. Vor jeder Umsetzung die aktuell gültigen Regelungen prüfen.

Abrufdatum aller Quellen: 7. September 2026.

Primärquellen zum Nachlesen