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Kurzantwort
Eine Artikel-ID kennzeichnet in der deutschen Strom-Marktkommunikation genau eine abrechenbare Leistungsposition des Netzbetreibers, etwa „Wirkarbeit“ oder „Grundpreis“. Sie ist ein Code aus der Codeliste der Artikelnummern und Artikel-ID, kein Rechenwert. Seit der BNetzA-Festlegung BK6-20-160 ersetzt die Artikel-ID in der Sparte Strom die alte Artikelnummer der GPKE; sie stammt aus dem Preisblatt der Anlage 1b „Netznutzungspreisblatt“. Das Format ist n1-n2-n1-n3 oder eine seiner Verlängerungen. Eine Gruppen-Artikel-ID fasst mehrere Artikel-IDs zusammen, wenn der Preis mit der Menge variiert. Weder Artikel-ID noch Gruppen-Artikel-ID sind ein Tarif, eine Lokations-ID oder eine Zählernummer.
Wo die Artikel-ID im Ablauf sitzt
Die Netznutzungsabrechnung beantwortet die Frage, welches Entgelt ein Lieferant für die Nutzung eines Netzes schuldet. Auf der einen Seite stehen Mengen und Leistungswerte aus dem Messwesen, auf der anderen Seite Preise aus dem Preisblatt des Netzbetreibers. Die Artikel-ID verbindet beide Seiten: Sie sagt, welche Position mit welcher Menge und welchem Preis gebildet wird. Dieselbe ID taucht in drei Nachrichten der Codeliste auf: UTILMD, PRICAT und INVOIC (BNetzA/BDEW – Codeliste 5.6, Kap. 3).
Das Auftreten der ID ist in der Codeliste je Nachricht über Spalten mit X oder -- gesteuert. Der Aufbau einer Artikel-ID folgt einer eigenen Notation: Der Buchstabe n steht für rein numerische Zeichen, die folgende Zahl für die genaue Stellenzahl, der Bindestrich trennt die Blöcke und gehört zwingend zur ID (BNetzA/BDEW – Codeliste 5.6, Kap. 3). n1-n2-n1-n3 bedeutet also vier Blöcke aus ein, zwei, ein und drei Ziffern.
Format und Gruppen-Artikel-ID
Die Codeliste unterscheidet zwei Ebenen. Die Artikel-ID hat eines dieser Formate: n1-n2-n1-n3, n1-n2-n1-n8, n1-n2-n1-n8-n2 oder n1-n2-n1-n8-n2-n1. Die Gruppen-Artikel-ID hat das Format n1-n2-n1 oder n1-n2-n1-n8-n2 und wird am Anfang der zugehörigen Artikel-ID wiederholt (BNetzA/BDEW – Codeliste 5.6, Kap. 3). Aus 1-01-1 und 1-01-1-001 wird also ein Paar: Die längere ID beginnt mit der kürzeren.
Drei Regeln folgen daraus. Erstens gilt: Gibt es eine Gruppen-Artikel-ID, dann gehören mindestens eine Artikel-ID dazu. Zweitens existieren Artikel-IDs auch ohne Gruppe. Drittens tritt eine Gruppen-Artikel-ID fachlich immer dann auf, wenn der Preis mit der Menge variiert. In diesem Fall wird sie über die Stammdaten ausgetauscht und ist niemals Teil des Preisblatts (BNetzA/BDEW – Codeliste 5.6, Kap. 3).
Jede Positionszeile einer Netznutzungsrechnung entsteht nach demselben Muster: eine Artikel-ID, eine Menge mit Einheit, ein Preis mit Einheit und ein Zeitraum. Das INVOIC-AHB zeigt das an einem vollständigen Beispiel für das Grundpreis- und Arbeitspreissystem. Position 1 ist dort die Artikel-ID 1-02-0-002 “Wirkarbeit” mit 4.000 KWH zu 0,0608 €/kWh. Der Nettobetrag lautet 243,20 €. Position 2 ist 1-02-0-001 “Grundpreis” mit 1 H87, 366 DAY und 0,21 €/Tag (INVOIC/REMADV AHB 2.5d, Kap. 7.1). Die Einheit H87 steht für „Stück” und dient hier als Zählmaß für die Zeitkomponente. Die zeitbezogene Menge (366 DAY) und der Preis mit acht Nachkommastellen stammen aus diesem AHB-Rechenbeispiel, nicht aus der Codeliste.
Artikel-ID, Tarif, Preis und andere IDs
Die Systeme rund um eine Marktlokation tragen unterschiedliche Kennungen. Die folgende Tabelle grenzt sie ab.
| Begriff | Bezugsobjekt | Form | Wo es steht |
|---|---|---|---|
| Artikel-ID | eine abrechenbare Leistung | n1-n2-n1-n3 und Verlängerungen | UTILMD, PRICAT, INVOIC (LIN, DE 7140) |
| Gruppen-Artikel-ID | Bündel von Artikel-IDs mit mengenspreizenden Preisen | n1-n2-n1 oder n1-n2-n1-n8-n2 | Stammdaten, UTILMD |
| Artikelnummer | dieselbe Rolle, ältere Systematik | 8 Stellen aus der BDEW-Codenummernlogik | Gas und Randprozesse der INVOIC |
| Preis | Geldbetrag je Einheit der Position | max. 6 Nachkommastellen im PRI-Segment für die PIDs 31001 bis 31003; für die MSB-Rechnung (31009) und in der PRICAT bis zu 11 | Preisblatt (PRICAT) und Rechnung (INVOIC) |
| Tarif | Kundenprodukt und Preislogik des Lieferanten | kein Code der Codeliste | nicht Bestandteil der Netznutzungsposition |
| Marktlokations-ID | die Lokation, an der Energie entnommen wird | elfstellige ID | INVOIC LOC+172 (DE 3225) |
| Zählernummer / Geräte-ID | das Messgerät | Gerätekennung | Geräteverwaltung, nicht die Rechnungsposition |
Trägt eine Position einen Artikel aus der Codeliste, steht dort die Kennung Z01. Für eine Artikel-ID lautet die Kennung Z09. Der Prüfidentifikator 31002 (NN-Rechnung) nennt beide Varianten nebeneinander (INVOIC/REMADV AHB 2.5d, Kap. 3.1.1). Die Marktlokation steht dagegen im Kopfbereich der Nachricht (LOC+172), also außerhalb der Position.
PRICAT, INVOIC und REMADV
Die drei Nachrichten tragen unterschiedliche Aussagen zur selben ID. Die Codeliste führt für jede ID je Nachricht eine Spalte „Codeverwendung“ und eine Spalte „Preisangabe“ (BNetzA/BDEW – Codeliste 5.6, Kap. 3.1). Für 1-01-7-004 steht in beiden Spalten der INVOIC ein X, in beiden Spalten der PRICAT ebenfalls.
Die PRICAT überträgt das Preisblatt des Netzbetreibers an den Lieferanten (Use Case „Preisblatt NB-Leistungen“, Prüfidentifikator 27003). In der Position steht die Artikel-ID (Z09), darunter die Preisangabe; die zum Preis gehörende Einheit ist in der Codeliste definiert und wird nicht in der PRICAT wiederholt (PRICAT AHB 2.0e, Kap. 5.2). Für gezont bepreiste Artikel wiederholt sich die Preisangabe, bis alle Zonen genannt sind.
Die INVOIC rechnet ab. Dieselbe Artikel-ID trägt hier Menge, Zeitraum und Preis. Bei zeitabhängigen Preisen ist die Zeitspanne als eigene mengenartige Angabe zu führen; das AHB nutzt dafür die Qualifier DAY, MON und ANN (INVOIC/REMADV AHB 2.5d, Kap. 3.1.1).
Die REMADV prüft und quittiert. Sie ist das Zahlungsavis zur INVOIC und trägt die Prüfidentifikatoren 33001 (Bestätigung) und 33002 (Abweisung). Bei einer Abweisung verweist sie über die Positionsnummer auf die beanstandete Zeile der INVOIC (INVOIC/REMADV AHB 2.5d, Kap. 4.1.1 und 4.1.2). Diese Positionsnummer stammt aus dem LIN-Segment der INVOIC und ist keine Artikel-ID. Wenn eine Abweisung also „Position 4“ meldet, sagt sie nur, welche Zeile streitig ist; ihre Artikel-ID steht in der ursprünglichen INVOIC.
Vereinfachtes Beispiel
Eine Marktlokation in Niederspannung wird nach dem Jahresleistungspreissystem abgerechnet. Vereinfachtes Beispiel auf Grundlage der Anwendungsfälle 7.3 und 7.4 des INVOIC-AHB, ohne Umlagen und ohne Steuern:
| Pos. | Artikel-ID | Bezeichnung | Menge | Einheit | Preis | Betrag |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 1-01-7-004 | Wirkarbeit, Januar | 10.000 | KWH | 0,01990000 €/kWh | 199,00 € |
| 2 | 1-01-7-003 | Leistung, Januar | 50 | KWT, 31 DAY | 0,35857534 €/(kW*Tag) | 555,79 € |
| 3 | 1-01-9-001 | Pauschale Netzentgeltreduzierung Modul 1, Januar | 1 | H87, 31 DAY | -0,34857534 €/Tag | -10,81 € |
Die Summe der Netzentgelte beträgt 743,98 €. Genau diese Zahlen nennt der AHB-Anwendungsfall 7.3 (INVOIC/REMADV AHB 2.5d, Kap. 7.3). Der Nutzen der Artikel-ID zeigt sich in der Zeile 3: Derselbe Vorgang erscheint in einem anderen Preissystem unter 1-01-9-001 und im Grundpreis-Arbeitspreissystem unter 1-02-0-015, weil dort der Grundpreis das Bezugsobjekt ist. Die Abrechnungslogik bleibt dieselbe, die Position trägt einen anderen Code.
Folgen und Fehlerfälle
Eine falsche Artikel-ID ist kein Formalproblem. Das INVOIC-AHB lässt im LIN-Segment für die Produkt- und Leistungsnummer nur Werte zu, die in der Codeliste für den jeweiligen Prüfidentifikator ein X tragen oder als Artikel-ID zugelassen sind (INVOIC/REMADV AHB 2.5d, Kap. 3.1.1). Ein Wert außerhalb dieser Liste führt zur Abweisung.
Drei typische Konstellationen:
- Erfundene oder verlängerte ID. Wer aus
1-01-7-004eine Ziffernanhängsel wie1-01-7-004-01macht, verlässt das zulässige Format. Für netzbetreiberindividuelle Artikel-IDs erlaubt die PRICAT lediglich die drei Formaten1-n2-n1-n8,n1-n2-n1-n8-n2undn1-n2-n1-n8-n2-n1(PRICAT AHB 2.0e, Kap. 5.2). - Alte Artikelnummer in einer Strom-Position. Seit BK6-20-160 gilt für die Sparte Strom die Artikel-ID. Artikelnummern bleiben für Gas und für einzelne Randprozesse bestehen (BNetzA/BDEW – Codeliste 5.6, Kap. 1).
- Gruppen-Artikel-ID im Preisblatt. Die Gruppe gehört laut Codeliste in die Stammdaten, nicht in das Preisblatt. Steht sie dennoch in der PRICAT, fehlt dem Lieferanten die Zuordnung der einzelnen Positionen.
Abgewiesene Positionen laufen über die Positionsnummer in die Klärung. Dort steht keine Artikel-ID.
Typische Missverständnisse
„Die Artikel-ID ist der Tarif.“ Nein. Ein Tarif ist ein Kundenprodukt mit eigener Preislogik und Laufzeit. Die Artikel-ID benennt eine einzelne Leistung des Netzbetreibers und ist bundesweit in derselben Codeliste definiert. Ein Vertrag mit einem bestimmten Tarif erzeugt keine eigene Artikel-ID.
„Die Artikel-ID enthält den Preis.“ Nein. Die Codeliste ordnet jeder ID eine Einheit zu, etwa €/kWh, €/(kW*Tag) oder €/Tag. Der konkrete Betrag steht im PRI-Segment der PRICAT und der INVOIC. Für die Prüfidentifikatoren 31001 bis 31003 sind dort höchstens sechs Nachkommastellen vorgesehen; für die MSB-Rechnung (31009) und in der PRICAT lässt das AHB bis zu elf zu.
„Artikel-ID und Artikelnummer sind zwei Bezeichnungen derselben Sache.“ Sie füllen dieselbe Rolle, gehören aber zu zwei Systematiken mit unterschiedlichem Aufbau. Die Codeliste führt beide in getrennten Kapiteln und markiert die Artikelnummern in Kapitel 2 mit X in den Spalten GPKE (auslaufend), GeLi Gas, MaBiS, WiM und MMM (BNetzA/BDEW – Codeliste 5.6, Kap. 2).
„Artikel-ID und Lokations-ID sind dieselbe Kennung.“ Die Marktlokations-ID benennt den Ort der Entnahme und steht im Nachrichtenkopf. Die Artikel-ID benennt die Leistung und steht in der Position. Eine Rechnung enthält beide, aber in unterschiedlichen Segmenten.
„Im Gasmarkt gilt dasselbe.“ Nur teilweise. Die Codeliste lässt die Artikel-ID im Gasmarkt für die Abrechnung der Unterbrechung und Wiederherstellung der Anschlussnutzung sowie für Verzugskosten zu. Alle übrigen Leistungen, die bisher über Artikelnummern in der INVOIC abgerechnet wurden, behalten ihre Artikelnummern (BNetzA/BDEW – Codeliste 5.6, Kap. 1).
Quellen und Pflegehinweis
Der Artikel stützt sich auf drei Dokumente im Stand vom 21.09.2026:
- Codeliste der Artikelnummern und Artikel-ID, Version 5.6, Publikationsdatum 01.04.2025, gültig ab 01.09.2025. Sie trägt Formatdefinition, Abgrenzung von Artikelnummer und Artikel-ID, Gas-Ausnahme und die Preiszuordnung.
- INVOIC/REMADV Anwendungshandbuch 2.5d vom 19.06.2024. Es trägt die Verwendung im LIN-Segment, die Prüfidentifikatoren, die Mengenqualifier und die Rechenbeispiele.
- PRICAT Anwendungshandbuch 2.0e vom 19.06.2024. Es trägt die Übertragung des Preisblatts und die Formate netzbetreiberindividueller Artikel-IDs.
Diese Angaben sind versionsabhängig. Bei jedem Releasewechsel sind erneut zu prüfen: Versionsnummer und Gültigkeitsdatum der Codeliste, die Prüfidentifikatoren der Abrechnungsnachrichten, die Fußnoten mit Gültigkeitsgrenzen an einzelnen Artikel-IDs und die Frage, ob weitere Gas-Leistungen auf Artikel-IDs umgestellt werden. Ein Beispiel für eine Fußnote mit Zeitbezug ist 1-01-9-002, laut Codeliste gültig ab 01.01.2025, 00:00 Uhr (BNetzA/BDEW – Codeliste 5.6, Kap. 3.1.1).
Zum Weiterlesen: Netznutzungsabrechnung verstehen und REMADV verstehen.
Primärquellen zum Nachlesen
- Bundesnetzagentur/BDEW – Codeliste der Artikelnummern und Artikel-ID, Version 5.6 (gültig ab 01.09.2025)bundesnetzagentur.de
- Bundesnetzagentur – INVOIC/REMADV Anwendungshandbuch 2.5d (19.06.2024)bundesnetzagentur.de
- Bundesnetzagentur – PRICAT Anwendungshandbuch 2.0e (19.06.2024)bundesnetzagentur.de