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Marktkommunikation

Marktkommunikation

Zählwerk und Zählwerksdaten

Ein Zählwerk ist ein einzelnes Register in einem Zähler, das eine Messgröße in einer Tarifstufe fortlaufend aufsummiert. Der Artikel erklärt Attribute, OBIS-Zuordnung, Wandlerfaktor, Überlauf, Tarifschaltung und den Weg der Zählwerksdaten durch UTILMD und MSCONS.

Moderner Zählerschrank mit digitalem Stromzähler und Smart-Meter-Gateway
Messung wird erst durch Kennungen, Rollen und Datenflüsse zum Marktprozess.
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Kurzantwort

Ein Zählwerk ist ein einzelnes Register innerhalb eines Zählers. Es summiert eine bestimmte Messgröße in einer bestimmten Tarifstufe fortlaufend auf, etwa den Netzbezug im Hochtarif, den Netzbezug im Niedertarif, die Überschusseinspeisung einer Photovoltaikanlage oder die Blindarbeit einer Gewerbeanlage. Ein Zähler trägt eines oder mehrere Zählwerke. Die Hierarchie lautet: Die Messlokation umfasst den Zähler, der Zähler umfasst die Zählwerke. Jedes Zählwerk hat eine eigene [[obis-kennzahlen]], eine feste Stellenzahl, einen aktuellen Zählwerksstand und bei einer Wandlermessung einen Wandlerfaktor.

Zählwerksdaten sind alles, was ein einzelnes Register beschreibt und misst. Die Stammdaten des Zählwerks, also OBIS-Kennzahl, Stellenzahl, Umwandlungsfaktor und Ableserelevanz, meldet der Messstellenbetreiber im Stammdatenaustausch der UTILMD. Die Messwerte des Zählwerks, also Zählerstände und Zählerstandsgänge, laufen je Register mit ihrer OBIS-Kennzahl in der MSCONS. Wer Zähler und Zählwerk gleichsetzt, ordnet bei Doppeltarif, Einspeisung und Gerätewechsel die Werte falsch zu.

MesslokationOrt der MessungMeLo-ID mit Präfix DEZählereine Fabriknummerein EichsiegelZählwerk 11-0:1.8.1Bezug Tarif 1Zählwerk 21-0:1.8.2Bezug Tarif 2Zählwerk 31-0:2.8.0EinspeisungZeitreihe je ZählwerkZählerstand oderZählerstandsgangZeitreihe je ZählwerkZeitreihe je Zählwerk
Die Messlokation trägt einen Zähler, der Zähler trägt mehrere Zählwerke. Jedes Zählwerk hat eine OBIS-Kennzahl und liefert eine eigene Zeitreihe, entweder Zählerstände oder einen Zählerstandsgang.

Zählwerk, Zähler, Messlokation, Marktlokation

Die vier Begriffe beschreiben verschiedene Ebenen. Ein Zähler ist ein physisches Gerät mit einer Fabriknummer und einer eichrechtlichen Kennzeichnung. Ein Zählwerk ist eine logische Einheit in diesem Gerät. Die Messlokation ist der Ort der Messung samt zugehöriger Technik. Die Marktlokation ist der kaufmännische Bezugspunkt für Belieferung und Bilanzierung. Das Messstellenbetriebsgesetz definiert in § 2 die Messeinrichtung und den Zählerstandsgang, den Begriff Zählwerk verwendet es nicht ausdrücklich. Er stammt aus der Gerätetechnik und der Marktkommunikation.

Objekt Was es ist Kennung Ändert sich bei
Zählwerk Register im Zähler für eine Messgröße und Tarifstufe OBIS-Kennzahl, etwa 1-0:1.8.1 Gerätewechsel, Umbau der Messkonfiguration
Zähler physisches Messgerät Fabriknummer, Geräte-Identifikationsnummer nach DIN 43863-5 Gerätewechsel, Turnusaustausch, Eichfristablauf
Messlokation Ort der Energieerfassung mit Technik MeLo-ID, 33 Stellen mit Präfix DE Messstellenwechsel, neue Messkonfiguration
Marktlokation Ort der bilanziellen Entnahme oder Einspeisung MaLo-ID, 11 Stellen numerisch Lieferantenwechsel, Ende der Belieferung

Ein Gerätewechsel tauscht den Zähler und damit die Zählwerke, die Messlokation bleibt bestehen. Ein Lieferantenwechsel ändert die Zuordnung an der Marktlokation, die Zählwerke laufen unverändert weiter. Die Trennung erklärt der Artikel [[die-marktlokation]] und der Artikel [[die-messlokation]] im Detail.

Was ein Zählwerk trägt

Jedes Zählwerk hat einen festen Satz Attribute. Sie stehen im Zähler, auf dem Typenschild und in den Stammdaten der Marktkommunikation.

Attribut Bedeutung Beispiel
OBIS-Kennzahl benennt Messgröße, Flussrichtung, Messart und Tarifstufe des Registers 1-0:1.8.1
Einheit ergibt sich aus der OBIS-Kennzahl, wird nicht separat übertragen kWh, kvarh
Vorkommastellen Anzahl der Stellen vor dem Komma, bestimmt den Überlaufpunkt 6, Höchststand 999999
Nachkommastellen angezeigte Bruchstellen, meist rot umrandet und nicht abrechnungsrelevant 1
Zählwerksstand aktueller Ablesewert des Registers 24860 kWh
Zählwerkstyp Verbrauch, Einspeisung, Bezug, Lieferung, Blindarbeit Verbrauch
Wandlerfaktor Multiplikator bei Wandlermessung, sonst 1 40
Zählerkonstante Impulse je Kilowattstunde oder Umdrehungen je Kilowattstunde, gerätebezogen 1000 imp/kWh
Ableserelevanz ob das Register in die turnusmäßige Ablesung und in die Marktkommunikation geht ja
Zeit- oder Tarifbezug Zuordnung zu Tarifstufe oder Zeitscheibe Tarif 1

Die OBIS-Kennzahl ist das wichtigste Attribut. Sie trägt die Flussrichtung im ersten Zahlenblock, die Messart im mittleren Block und die Tarifstufe im letzten Block. 1-0:1.8.1 ist der Zählerstand der bezogenen Wirkarbeit in Tarifstufe 1, 1-0:2.8.0 der tariflose Zählerstand der gelieferten Wirkarbeit. Die Einheit steht nirgends als eigenes Feld, sie folgt aus Messgröße und Messart. Der Aufbau der Kennzahl ist im Artikel [[obis-kennzahlen]] beschrieben.

Typische Zählwerke und ihre OBIS-Kennzahlen

Welche Zählwerke ein Zähler führt, hängt von der Anlage ab. Ein einfacher Haushaltszähler hat ein Zählwerk, ein Doppeltarifzähler zwei oder drei, ein Zweirichtungszähler mindestens zwei, ein Gewerbezähler zusätzlich Register für Leistung und Blindarbeit.

Zählwerk OBIS-Kennzahl lang Kurzform Einheit Klartext
Bezug Eintarif 1-0:1.8.0 1.8.0 kWh tarifloser Zählerstand der aus dem Netz bezogenen Wirkarbeit
Bezug Hochtarif 1-0:1.8.1 1.8.1 kWh Zählerstand Bezug in Tarifstufe 1, historisch Hochtarif
Bezug Niedertarif 1-0:1.8.2 1.8.2 kWh Zählerstand Bezug in Tarifstufe 2, historisch Niedertarif
Einspeisung Eintarif 1-0:2.8.0 2.8.0 kWh tarifloser Zählerstand der ins Netz gelieferten Wirkarbeit
Einspeisung Tarif 1 1-0:2.8.1 2.8.1 kWh Zählerstand Lieferung in Tarifstufe 1
Blindarbeit Bezug 1-0:3.8.0 3.8.0 kvarh Zählerstand der bezogenen Blindarbeit, induktiv
Blindarbeit Lieferung 1-0:4.8.0 4.8.0 kvarh Zählerstand der gelieferten Blindarbeit, kapazitiv
Leistungsmaximum Bezug 1-0:1.6.0 1.6.0 kW höchste gemittelte Bezugsleistung der Abrechnungsperiode
Lastgang Bezug 1-0:1.29.0 1.29.0 kWh je Intervall Energiemengen des Netzbezugs je Messintervall
aus Gateway gebildeter Bezug 1-65:1.8.0 1.8.0 kWh im Smart-Meter-Gateway gebildeter Zählerstand, Kanal 65

Die letzte Ziffer trennt die Tarifstufen. Eine feste Zuordnung von HT und NT zu den Codes 1 und 2 gibt es nicht. Der Messstellenbetreiber legt sie fest und überträgt die Gerätebezeichnung dazu. Das Summenzählwerk mit der Endziffer 0 kann ein eigenes Register sein oder rechnerisch aus den Tarifregistern entstehen, das hängt vom Gerät ab.

Display einer modernen Messeinrichtung mit markierter OBIS-Kennzahl 1.8.0 vor dem Zählerstand
Die moderne Messeinrichtung zeigt je Zählwerk die OBIS-Kurzform vor dem Stand. Markiert ist 1.8.0 für das Bezugszählwerk, rechts die aufgedruckte Legende.Foto: RobbieIanMorrison / Wikimedia Commons – CC BY 4.0, Markierungen ergänzt

Tarifschaltung: wie ein Wert ins richtige Zählwerk läuft

Bei einem Doppeltarifzähler läuft die gemessene Energie immer in genau ein Tarifzählwerk. Welches Register aktiv ist, steuert eine Schaltquelle.

Schaltquelle Funktionsweise Typischer Einsatz
Rundsteuerempfänger der Netzbetreiber sendet ein Tonfrequenzsignal über das Stromnetz, der Empfänger schaltet das Zählwerk um klassische Doppeltarifzähler, Wärmepumpen- und Nachtstromtarife
Schaltuhr eine Uhr im Zähler oder im Schaltschrank schaltet nach fester Zeittabelle, oft über Funkuhr synchronisiert Anlagen ohne Rundsteuerempfang
Tarifanwendungsfall im Smart-Meter-Gateway das Gateway ordnet die Messwerte nach einer hinterlegten Schalttabelle den Registern oder Zeitscheiben zu intelligente Messsysteme, zeitvariable Tarife nach § 41a EnWG

Im klassischen Fall schaltet das Signal ein mechanisches oder elektronisches Relais, und die Impulse laufen ab diesem Moment in ein anderes Register. Im intelligenten Messsystem gibt es diese physische Umschaltung nicht mehr. Das Gateway bildet aus dem einen Messwertstrom je Zeitscheibe eine eigene Reihe. Der Lieferant definiert die Zeitscheiben, das Gateway führt die Zuordnung nach dem Tarifanwendungsfall aus, beschrieben in der BSI TR-03109-1. Eine Zeitscheibe ist ein wiederkehrender Zeitbereich am Tag, dem ein Register oder ein Preis zugeordnet ist.

SchaltquelleRundsteuerempfängerSchaltuhr oder TAF imGatewaySchaltbefehlTarif 1 oder Tarif 2Tarif 1 aktivImpulse laufen inZählwerk 1-0:1.8.1Tarif 2 aktivImpulse laufen inZählwerk 1-0:1.8.2Summenzählwerk1-0:1.8.0zählt in jeder Stufe mit
Die Schaltquelle bestimmt, welches Tarifzählwerk die Impulse aufnimmt. Das Summenzählwerk zählt in jeder Stufe mit.
Rundsteuerempfänger auf einer Zählertafel, angeschlossen an einen Doppeltarifzähler
Der Rundsteuerempfänger empfängt das Tonfrequenzsignal des Netzbetreibers und gibt den Schaltbefehl an den Zähler weiter. Erst dieser Befehl entscheidet, ob der Verbrauch im Hochtarif- oder im Niedertarifzählwerk landet.Foto: Kopiersperre / Wikimedia Commons – CC BY-SA 3.0

Wandlermessung: gemessener Wert mal Wandlerfaktor

Bei hohen Strömen misst der Zähler nicht direkt. Ein Stromwandler setzt den Primärstrom auf einen kleinen Sekundärstrom herunter, meist auf 5 Ampere oder 1 Ampere. In der Mittel- und Hochspannung kommt ein Spannungswandler dazu. Das Zählwerk summiert dann die Sekundärenergie. Der abrechnungsrelevante Wert entsteht durch Multiplikation mit dem Wandlerfaktor.

Der Wandlerfaktor ist das Übersetzungsverhältnis: Primärwert geteilt durch Sekundärwert. Bei reiner Strommessung in der Niederspannung ist es der Stromwandlerfaktor. Bei zusätzlicher Spannungswandlung multiplizieren sich beide Faktoren zum Gesamtfaktor.

Wandlung Übersetzung Faktor Rechnung
Stromwandler Niederspannung 200 A zu 5 A 40 200 geteilt durch 5
Stromwandler Niederspannung 1000 A zu 5 A 200 1000 geteilt durch 5
Stromwandler Mittelspannung 100 A zu 5 A 20 100 geteilt durch 5
Spannungswandler Mittelspannung 20000 V zu 100 V 200 20000 geteilt durch 100
Gesamtfaktor Mittelspannung Strom mal Spannung 4000 20 mal 200
Primärkreishoher Stromggf. hohe SpannungStromwandler200 A zu 5 ASpannungswandleroptionalWandlerzählerZählwerk summiertSekundärenergieAblesedifferenz malWandlerfaktorOBIS-Zeitreihe inMSCONSPrimärwert oderSekundärwert plus Faktor
Der Wandlerzähler misst und zeigt Sekundärwerte. Erst die Multiplikation mit dem Wandlerfaktor ergibt die abrechnungsrelevante Primärmenge.
Rechenbeispiel Wandlerfaktor

Eine Gewerbeanlage in der Niederspannung wird über Stromwandler 200 A zu 5 A gemessen, keine Spannungswandlung. Der Wandlerfaktor ist 200 geteilt durch 5, also 40. Das Bezugszählwerk 1-0:1.8.0 zeigt bei der letzten Ablese den Stand 18500 kWh, bei der aktuellen Ablese 21600 kWh. Die Sekundärdifferenz beträgt 3100 kWh. Der abrechnungsrelevante Verbrauch ist 3100 mal 40, also 124000 kWh. Wird der Faktor vergessen, rechnet die Abrechnung mit einem Vierzigstel der tatsächlichen Menge.

Nur Wandler mit PTB-Baumusterprüfung dürfen in eichpflichtigen Abrechnungsmessungen zwischen Netzbetreiber und Kunde eingesetzt werden. Die PTB-Technische Richtlinie TR-E 45 regelt die Eichung teilbarer Stromwandler. Die Genauigkeitsklasse, etwa 0,5 S, begrenzt den zulässigen Fehler bei gegebener Bürde. Der Wandlerfaktor gehört zu den Stammdaten des Zählwerks und wird in der UTILMD als Umwandlungsfaktor übertragen.

Zählwerksüberlauf: wenn das Register auf Null springt

Ein Zählwerk hat eine feste Zahl von Vorkommastellen. Erreicht der Stand den Höchstwert, springt das Register beim nächsten Zuwachs auf Null. Ein sechsstelliges Zählwerk läuft von 000000 bis 999999 und beginnt danach wieder bei 000000. Ohne Korrektur ergäbe die Differenz aus altem und neuem Stand einen negativen oder unplausibel kleinen Wert.

Größe Wert
Vorkommastellen 6
Höchststand vor Überlauf 999999
Kapazität des Registers 1000000
Ablesewert vorher 998500
Ablesewert nachher 002300
falsche Differenz ohne Korrektur 002300 minus 998500, also minus 996200
korrekte Menge 1000000 minus 998500 plus 2300, also 3800
Rechenregel Überlauf

Verbrauch bei Überlauf gleich Registerkapazität minus alter Ablesewert plus neuer Ablesewert. Die Registerkapazität ist zehn hoch Vorkommastellen. Ein Überlauf gilt nur als plausibel, wenn er zur bisherigen Verbrauchshöhe passt. Bei einem Jahresverbrauch von 4000 kWh ist ein Sprung von 998500 auf 002300 stimmig, bei einem Verbrauch von 40000 kWh ist er es nicht, dann liegt eher ein Zählertausch oder ein Ablesefehler vor.

Bei Wandlermessung wird zuerst die Sekundärdifferenz über den Überlauf gebildet und danach mit dem Wandlerfaktor multipliziert. Moderne Messeinrichtungen mit acht Vorkommastellen laufen im Haushalt praktisch nie über. Alte Ferraris-Zähler mit fünf oder sechs Stellen dagegen schon.

Zählwerkszuordnung beim Gerätewechsel

Beim Gerätewechsel baut der Messstellenbetreiber den alten Zähler aus und einen neuen ein. Die Wechselprozesse im Messwesen regeln, welche Werte dabei erfasst und gemeldet werden. Für jedes Zählwerk des Altgeräts wird der Ausbauzählerstand festgehalten, für jedes Zählwerk des Neugeräts der Einbauzählerstand, meist Null oder ein kleiner Werksstand.

Die Verbrauchsmenge der Wechselperiode bildet sich je Zählwerk getrennt: Ausbaustand des alten Registers minus letzter abgerechneter Ablesewert desselben Registers. Der neue Zähler zählt ab seinem Einbaustand weiter. Stimmen die OBIS-Kennzahlen von Alt- und Neugerät überein, läuft die Zeitreihe des Lieferanten ohne Bruch weiter. Ändert sich die Registerstruktur, etwa von zwei Tarifregistern auf ein Eintarifregister, muss der Lieferant den Vertrag anpassen, sonst bleibt die Abrechnung in der Klärung.

Altgerät ausbauenAusbaustand je Zählwerk1.8.1 1.8.2 2.8.0Schlussrechnungswertean Lieferant undNetzbetreiberper MSCONSNeugerät einbauenEinbaustand je Zählwerkmeist 0 oder WerksstandStammdaten je neuemZählwerkOBIS StellenzahlUmwandlungsfaktorper UTILMDVerbrauch derWechselperiodeAusbaustand minusletzter Ablesewertje Zählwerk getrennt
Beim Gerätewechsel werden Ausbau- und Einbaustände je Zählwerk erfasst. Die Schlussrechnungswerte laufen per MSCONS, die neuen Zählwerksstammdaten per UTILMD.

Die Rolliermenge ist der Verbrauch zwischen der letzten turnusmäßigen Ablese und dem Ausbau. Sie wird der bisherigen Ableseperiode zugeschlagen. Ein Überlauf im Altgerät kurz vor dem Ausbau wird nach der Rechenregel oben aufgelöst, bevor die Rolliermenge gebildet wird.

Zählwerksdaten in der Marktkommunikation

Zählwerksdaten teilen sich in Stammdaten und Messwerte. Beide laufen über verschiedene Nachrichtentypen.

Datenart Nachricht Inhalt je Zählwerk
Stammdaten des Zählwerks UTILMD OBIS-Kennzahl, Vor- und Nachkommastellen, Umwandlungsfaktor, Zählwerkstyp, Ableserelevanz, Zuordnung Gerätebezeichnung
Zählerstände MSCONS je Register ein LIN-Segment, im PIA-Segment die OBIS-Kennzahl, im QTY-Segment der Stand wie am Gerät, im DTM-Segment der Ablesezeitpunkt
Zählerstandsgang und Lastgang MSCONS Zeitreihe je Register mit OBIS-Kennzahl, Messart 8 für den Zählerstandsgang, Messart 29 für den Lastgang

Der Messstellenbetreiber meldet in der UTILMD den tatsächlichen Umfang der Zählwerke an der Lokation. Zulässig in der MSCONS sind nur die OBIS-Kennzahlen, die zuvor im Stammdatenaustausch vereinbart wurden. Die Einheit steht nie separat in der MSCONS, sie steckt in der OBIS-Kennzahl. Trägt eine MSCONS einen Wert unter der falschen Kennzahl, verschiebt sich die Menge in einen anderen Tarif- oder Messgrößenkontext, und Bilanzierung wie Rechnung rechnen falsch weiter. Der Weg der Messwerte vom Zählwerk bis in die Bilanzierung ist im Artikel [[messwerte-und-zaehlerstandsgaenge]] beschrieben.

Praxisbeispiel: Doppeltarifzähler mit HT, NT und Einspeise-Zählwerk

Ein Haushalt mit kleiner Photovoltaikanlage hat einen elektronischen Zähler mit drei Zählwerken. Der Messstellenbetreiber hat im Stammdatenaustausch folgende Register gemeldet.

Zählwerk OBIS-Kennzahl Typ Vorkommastellen Tarifbezeichnung
HT-Bezug 1-0:1.8.1 Verbrauch 6 Hochtarif
NT-Bezug 1-0:1.8.2 Verbrauch 6 Niedertarif
Einspeisung 1-0:2.8.0 Einspeisung 6 tariflos

Der Rundsteuerempfänger schaltet den Hochtarif werktags von 06:00 bis 22:00, sonst gilt der Niedertarif. Die Einspeisung läuft unabhängig von der Tarifschaltung in ihr eigenes Zählwerk. Am Ablesestichtag ergibt sich folgende Runde, das HT-Register läuft dabei über.

Zählwerk Vorwert aktueller Stand Rechnung Menge
1-0:1.8.1 998200 001500 1000000 minus 998200 plus 1500 3300 kWh
1-0:1.8.2 412750 414600 414600 minus 412750 1850 kWh
1-0:2.8.0 63120 64890 64890 minus 63120 1770 kWh

Der Messstellenbetreiber sendet drei Positionen in einer MSCONS: je Zählwerk ein LIN-Segment, die OBIS-Kennzahl im PIA-Segment, der abgelesene Stand im QTY-Segment, der Stichtag im DTM-Segment. Der Lieferant erkennt am HT-Register den Überlauf, weil die rohe Differenz minus 996700 ergäbe, was zur bisherigen Verbrauchshöhe von rund 3000 kWh je Periode nicht passt. Er wendet die Überlaufregel an, bildet 3300 kWh, rechnet HT und NT mit den jeweiligen Arbeitspreisen ab und vergütet die 1770 kWh Einspeisung nach dem vereinbarten Satz. Ohne die getrennte Führung der drei Zählwerke ließe sich die Runde nicht auflösen.

Typische Missverständnisse

Zähler und Zählwerk sind dasselbe. Der Zähler ist das Gerät, das Zählwerk ein Register darin. Ein Zähler kann ein, zwei oder viele Zählwerke führen. Gerätewechsel betreffen den Zähler, Tarifänderungen oft nur einzelne Zählwerke.

Das Zählwerk 1.8.0 ist immer die Summe aus 1.8.1 und 1.8.2. 1.8.0 ist der tariflose Wert. Ob das Gerät ihn als eigenes Register mitführt oder rechnerisch bildet, hängt vom Zähler ab. Die Zuordnung von HT und NT zu den Codes 1 und 2 legt der Messstellenbetreiber fest, sie ist nicht genormt.

Der Ablesewert eines Wandlerzählwerks ist die abrechnungsrelevante Menge. Das Zählwerk zeigt die Sekundärenergie. Erst die Multiplikation mit dem Wandlerfaktor ergibt die Primärmenge. Bei Stromwandler 200 A zu 5 A ist der Faktor 40.

Ein Zählersprung von hoch auf niedrig ist immer ein Defekt. Erreicht ein Register seinen Höchststand, springt es auf Null. Die korrekte Menge ist Registerkapazität minus alter Wert plus neuer Wert. Plausibel ist der Überlauf nur, wenn er zur bisherigen Verbrauchshöhe passt.

Die Einheit eines Zählwerks steht in der Marktnachricht. Die Einheit folgt aus der OBIS-Kennzahl. 1.8.1 liefert kWh, 3.8.0 liefert kvarh, 1.6.0 liefert kW. Eine separate Einheitenangabe gibt es in der MSCONS nicht.

Quellen und Pflegehinweis

Die Attribute eines Zählwerks und ihre Übertragung stehen im UTILMD-Anwendungshandbuch Strom und in der zugehörigen Nachrichtenbeschreibung von EDI@Energy, die Übermittlung der Zählerstände und Zählerstandsgänge im MSCONS-Anwendungshandbuch und in der MSCONS-Nachrichtenbeschreibung. Welche OBIS-Kennzahl je Zählwerk und Übermittlungsfall zulässig ist, regelt die EDI@Energy-Codeliste der OBIS-Kennzahlen und Medien, aktuell Version 2.5c mit Stand 1. Oktober 2025. Das Vorgehen bei Ausbau, Einbau und Zählerstandserfassung beschreibt die Lesefassung der Wechselprozesse im Messwesen Strom. Die Begriffe Messeinrichtung und Zählerstandsgang definiert das Messstellenbetriebsgesetz in § 2. Die eichrechtlichen Anforderungen an Stromwandler stehen in der PTB-Technischen Richtlinie TR-E 45, die Geräte-Identifikationsnummer regelt DIN 43863-5, die Tarifanwendungsfälle im Smart-Meter-Gateway die BSI TR-03109-1. Codelisten und Anwendungshandbücher ändern sich mit jedem Formatstand. Vor jeder Umsetzung ist der aktuelle Stand auf edi-energy.de zu prüfen, besonders bei den zulässigen Kennzahlen je Übermittlungsfall und den Feldern für Stellenzahl und Umwandlungsfaktor.

Abrufdatum aller Quellen: 8. September 2026.

Primärquellen zum Nachlesen