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Marktkommunikation

Marktkommunikation

Lokationsbündel und Lokationsstruktur

Ein Lokationsbündel fasst die messtechnisch zusammengehörenden Markt-, Mess- und Netzlokationen samt Ressourcen einer Anschlusssituation zusammen. Die Lokationsbündelstruktur beschreibt deren physikalische Beziehungen und wird als Code über die UTILMD ausgetauscht.

Moderner Zählerschrank mit digitalem Stromzähler und Smart-Meter-Gateway
Messung wird erst durch Kennungen, Rollen und Datenflüsse zum Marktprozess.
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Kurzantwort

Ein Lokationsbündel ist die Menge der Marktobjekte, die an einer Anschlusssituation messtechnisch zusammengehören. Dazu zählen eine oder mehrere Marktlokationen, eine oder mehrere Messlokationen, die Netzlokation und die technischen oder steuerbaren Ressourcen. Der BDEW-Foliensatz „Objekte in der Marktkommunikation” definiert das Lokationsbündel knapp als „Bündel messtechnisch abhängiger Markt- und Messlokationen”. Es fasst alle Markt- und Messlokationen zusammen, die in messtechnischer Beziehung stehen, damit jeder beteiligte Messstellenbetreiber den vollen Umfang kennt und jede Veränderung mitbekommt. Ein Lokationsbündel besteht mindestens aus einer Marktlokation und einer Messlokation. Es trägt keinen eigenen Identifikator, kommuniziert werden die [[die-marktlokation]]-ID und die [[die-messlokation]]-ID der enthaltenen Objekte. Das Lokationsbündel läuft ausschließlich im Datenaustausch zwischen Netzbetreiber und Messstellenbetreiber.

Die Lokationsstruktur, im Format als Lokationsbündelstruktur bezeichnet, beschreibt die Beziehungen und die Hierarchie innerhalb des Bündels. Sie zeigt die physikalischen Abhängigkeiten zwischen den Messlokationen, den Marktlokationen und den technischen Ressourcen sowie deren Lage am Kabel und an der Leitung. Bislang steckten diese Angaben in Installationsplänen und Messkonzepten und wurden in der Marktkommunikation nicht ausgetauscht. Das EDI@Energy-Konzept vom 1. August 2022 schließt diese Lücke: Jede gängige Anschlusssituation bekommt einen Code aus der „Codeliste der Lokationsbündelstrukturen”, und jedes Objekt im Bündel erhält einen Objektcode für seine feste Position. Übertragen wird der Code über die [[die-messlokation]] beschreibende UTILMD als Stammdatenänderung. Der Netzbetreiber ist die datenführende Stelle.

Der Nutzen ist die maschinenlesbare Beschreibung komplexer Anschlüsse. Ein Einfamilienhaus mit Photovoltaik, Batteriespeicher und Wallbox besteht aus mehreren Marktlokationen, mehreren Messlokationen und mehreren Ressourcen. Ohne strukturierte Übertragung muss der Empfänger raten, welcher Zähler zu welcher Marktlokation gehört und wie sich deren Energiemenge berechnet. Mit dem Bündel und der Struktur steht beides eindeutig fest.

Netz des NetzbetreibersNetzlokation NeLoAnschlusspunkt,Blindarbeit,LeistungsgrenzeMesslokation AFunktion NetzübergabeZweirichtung Verbrauchund ErzeugungMesslokation BFunktion Erzeugungseparate PV-MessungMarktlokation VerbrauchMaLo-ID, Belieferung,BilanzierungMarktlokation ErzeugungMaLo-ID,EinspeisevergütungTechnische RessourceWallbox, steuerbar nach14a EnWGTechnische RessourceWärmepumpe, steuerbarnach 14a EnWGTechnische RessourceBatteriespeicherTechnische RessourcePV-Anlage auf Dach undFassade
Ein vollständiges Lokationsbündel für ein Einfamilienhaus mit Photovoltaik-Überschuss, Batteriespeicher und Wallbox. Die Netzlokation beschreibt den Anschluss, zwei Messlokationen erfassen Bezug und Erzeugung, zwei Marktlokationen tragen Belieferung und Vergütung, vier technische Ressourcen hängen an den Marktlokationen.
Zählertafel mit zwei nebeneinander montierten digitalen Stromzählern
Zwei Zählerplätze an einem Hausanschluss. Jeder Zähler steht für eine eigene Messlokation. Ob diese Messlokationen zu einer oder zu mehreren Marktlokationen gehören und wie deren Energiemenge daraus entsteht, sagt erst das Lokationsbündel mit seiner Struktur.Foto: sarang / Wikimedia Commons – gemeinfrei

Das Lokationsbündel als Mengengerüst

Das Lokationsbündel beantwortet eine einzige Frage: Welche Marktobjekte gehören an dieser Stelle im Netz messtechnisch zusammen? Der Netzbetreiber bildet, verwaltet und schließt das Bündel. Er teilt es dem Messstellenbetreiber mit, damit dieser seine Aufgaben nach dem Messstellenbetriebsgesetz erfüllen kann. Sind an den Messlokationen eines Bündels verschiedene Messstellenbetreiber tätig, erhält jeder von ihnen den vollen Umfang, denn eine Änderung an einer Messlokation kann die Berechnung einer Marktlokation im selben Bündel verschieben.

Das Bündel ist ein Objekt aus dem Rollenmodell für die Marktkommunikation. Die Trennung von Marktlokation und Messlokation kam mit der Marktkommunikation 2020, die Marktlokations-ID gilt seit dem 1. Februar 2018. Die Netzlokation und die technische sowie die steuerbare Ressource wurden mit der Neuordnung der Marktprozesse eingeführt, die als MaKo 2022 firmiert und deren Datenformate mit dem UTILMD-Anwendungshandbuch Strom zum 1. April 2023 in Kraft traten. Seither steht der Objektbaukasten bereit, den die Lokationsbündelstruktur zusammensetzt.

Objekt Rolle im Bündel Identifikator Pflicht
Lokationsbündel Klammer um alle messtechnisch abhängigen Objekte keiner genau eines je Anschlusssituation
Marktlokation Ort von Verbrauch oder Erzeugung, Anker für Belieferung und Bilanzierung MaLo-ID, 11 Stellen mindestens eine
Messlokation Ort der Messung mit allen technischen Einrichtungen MeLo-ID, Präfix DE, 33 Stellen mindestens eine, außer bei pauschaler Marktlokation
Netzlokation Anschlusspunkt im Netzgebiet, Blindarbeit und Leistungsgrenze NeLo-ID, nur wenn marktrelevant optional
Technische Ressource Erzeugungs- oder Verbrauchseinheit an einer Marktlokation TR-ID, Vergabe optional optional, dynamisch 0 bis n
Steuerbare Ressource technische Einrichtung mit Steuerbefehl oder Schaltprofil, § 14a EnWG SR-ID optional

Nicht Teil der Struktur sind Wandler und Transformatoren. Ihre Daten laufen über die UTILMD und die UTILTS und ändern die Struktur nicht. Auch eine Tranche gehört nicht hinein. Eine Tranche entsteht aus rein kaufmännischen Gründen an einer Marktlokation und lässt die Lokationsbündelstruktur unberührt.

Rolle Aufgabe am Lokationsbündel
Netzbetreiber bildet, pflegt und schließt Bündel und Struktur, vergibt die Objektcodes, versendet die UTILMD
Messstellenbetreiber empfängt Bündel und Struktur, ordnet die verbauten Geräte den richtigen Messlokationen zu
Lieferant empfängt die Lokationsbündelstruktur, leitet daraus Prognose und passende Produkte ab, prüft die Plausibilität der berechneten Werte

Lokationsstruktur und Lokationsbündelstruktur

Die Lokationsbündelstruktur beschreibt innerhalb eines Bündels die physikalischen Abhängigkeiten zwischen den Messlokationen, den Marktlokationen und den technischen Ressourcen sowie deren Lage am Kabel und an der Leitung. Sie stellt damit die Verkabelung so weit dar, wie sie für die Marktkommunikation nötig ist. Der komplette Schaltplan des Gebäudes bleibt außen vor, ein Gebäude kann aus mehreren Bündeln mit je einer Struktur bestehen.

Der Aufbau folgt einer Codeliste. Jede gängige Anschlusssituation trägt einen dreizehnstelligen Code der Lokationsbündelstruktur, im Dokument zur besseren Lesbarkeit mit Leerzeichen geschrieben, im Datenaustausch ohne. 9992 00000 002 6 steht für „Verbrauch mit einer Messlokation”, die Standardsituation im Haushalt. Innerhalb der Struktur bekommt jedes Objekt einen Objektcode, der seine feste Position beschreibt. Der Objektcode hängt ab vom Objekttyp, von der Ebene, von der Energieflussrichtung und bei der Messlokation zusätzlich von ihrer Funktion. 9992 00000 101 6 kennzeichnet zum Beispiel die verbrauchende Marktlokation auf Ebene 1.

Funktion der Messlokation Kürzel Bedeutung
Netzübergabe N Messung an der Verbindung zum Netz
Hinterschaltung H Messung hinter einer vorgelagerten Messlokation
Differenzmessung D Messwert wird von einem anderen Messwert abgezogen
Speicher S Messung am Speicher
Merkmal Werte Aussage
Energieflussrichtung Verbrauch, Erzeugung, Verbrauch und Erzeugung ob das Objekt bezieht, einspeist oder beides
Ebene 1, 2, 3 Position in der Hierarchie, Ebene 1 liegt am Netz
Dynamisierung statisch, dynamisch ob die Anzahl der Objekte fest ist oder variiert
Ebenenwechsel markiert oder nicht ob eine Referenz von Messlokation zu Messlokation nötig ist

Die meisten Objekte sind statisch, ihre Anzahl liegt fest. Technische Ressourcen sind immer dynamisch, sie wiederholen sich beliebig oft, etwa mehrere PV-Module oder die Verbraucher Licht, Wärme und E-Mobilität. Auch Mess- und Marktlokationen können in einigen Strukturen dynamisch sein. Bei einem dynamischen Objekt reichen Objektcode und Objektcode allein nicht, es braucht Objektreferenzen. Eine rote Linie in den Modellen steht für eine Referenz von der Messlokation zur Marktlokation, eine grüne Linie für eine Referenz von Messlokation zu Messlokation beim Wechsel der Ebene.

Fehlt für eine reale Anschlusssituation ein passender Code, meldet der Netzbetreiber im Segment SG10 CCI+ZXZ, dass die Struktur bilateral mitzuteilen ist. Soll die Struktur umgebaut werden, kommt zusätzlich das CAV+ZXX „Geplante Lokationsbündelstruktur” zum Einsatz.

BerechnungsformelSummenbildung mitVorzeichenhängt am Anschlusszugeordnetnetzorientierte Steuerung14aLeistungsgrenzeenthältführtMarktlokationMesslokationNetzlokationTechnische RessourceSteuerbare RessourceZähler, MesseinrichtungZählwerk, Register mitOBIS
Die Zuordnungstypen im Lokationsbündel. Die Marktlokation bezieht ihre Werte über eine Berechnungsformel aus Messlokationen, sie hängt am Anschluss der Netzlokation, technische Ressourcen sind der Marktlokation zugeordnet, steuerbare Ressourcen zusätzlich der Netzlokation, und die Messlokation enthält Zähler mit Zählwerken.

Die Zuordnungstypen im Überblick

Die eigentliche fachliche Information des Bündels sind die Zuordnungen. Sie sagen, welches Objekt mit welchem anderen in welcher Weise verbunden ist. Sechs Typen kommen regelmäßig vor.

Zuordnungstyp verbundene Objekte Bedeutung Träger im Datenaustausch
Marktlokation zu Messlokation, ohne Summenbildung 1 MaLo, 1 MeLo die Energiemenge der Marktlokation ist der Messwert einer einzigen Messlokation UTILMD, Berechnungsformel mit Status Z40
Marktlokation zu Messlokation, mit Summenbildung 1 MaLo, n MeLo die Zeitreihe der Marktlokation entsteht arithmetisch aus mehreren Messlokationen mit Vorzeichen + oder − UTILTS, Berechnungsformel mit Rechenschritten
Marktlokation zu Netzlokation n MaLo, 1 NeLo die Marktlokationen sind über genau eine Leitung an denselben Anschlusspunkt angebunden UTILMD-Stammdaten, NeLo-ID an der MaLo
Technische Ressource zu Marktlokation 1 TR, 1 MaLo die Erzeugungs- oder Verbrauchseinheit wirkt an dieser Marktlokation UTILMD SG8 SEQ+ZXX, Referenz RFF+ZYZ auf die MaLo
Steuerbare Ressource zu Netzlokation 1 SR, 1 NeLo die Netzlokation überwacht die Leistungsgrenze am Anschluss der steuerbaren Einrichtung, § 14a EnWG Stammdaten der Netzlokation, Leistungskurvendefinition
Messlokation zu Zähler zu Zählwerk 1 MeLo, 1 bis n Zähler, je Zähler 1 bis n Zählwerke die Messeinrichtung sitzt in der Messlokation, jedes Zählwerk führt einen OBIS-adressierten Wert UTILMD-Gerätedaten, nicht Teil der Lokationsbündelstruktur

Die ersten beiden Typen tragen die kaufmännisch-bilanzielle Rechnung. Die Marktlokation zu Netzlokation trägt die Netzsicht: An der Netzlokation ermittelt der Netzbetreiber die Blindarbeit und prüft die Einhaltung vorgegebener Leistungsgrenzen. Technische Ressourcen erklären, warum an einer Marktlokation mehrere Vorgänge parallel laufen, sie sind in der Struktur immer dynamisch und optional mit einer ID versehen. Die steuerbare Ressource verbindet die Anlagensicht mit der netzorientierten Steuerung. Die Kette Messlokation zu Zähler zu Zählwerk gehört zur Messsicht und läuft über die Gerätestammdaten, sie steht hier, weil sie in Projekten oft mit der Struktur verwechselt wird. Details dazu stehen unter [[zaehlwerk-und-zaehlwerksdaten]] und [[netzlokation-und-technische-ressource]].

Hinweisaufkleber an einem Zweirichtungszähler im Zählerschrank
Ein Zweirichtungszähler bildet eine Messlokation, die zwei Marktlokationen zugeordnet ist: eine für den Bezug, eine für die Einspeisung. Das ist der Zuordnungstyp Messlokation zu mehreren Marktlokationen.Foto: Kai Kemmann / Wikimedia Commons – CC BY-SA 4.0
Mehrere Photovoltaik-Wechselrichter nebeneinander an einer Wand
Wechselrichter einer Photovoltaik-Anlage. In der Lokationsbündelstruktur erscheinen die Module als erzeugende technische Ressourcen an der einspeisenden Marktlokation, dynamisch und beliebig oft wiederholbar.Foto: Asurnipal / Wikimedia Commons – CC BY-SA 4.0

Summenbildung: aus Messlokationen wird die Marktlokations-Zeitreihe

Braucht eine Marktlokation Werte von mehr als einer Messlokation, entsteht ihre Zeitreihe rechnerisch. Die Rechenvorschrift ist die Berechnungsformel. Sie beschreibt die Formel zur Berechnung der Werte der Markt- oder Netzlokation unter Angabe der nötigen Messlokationen und Parameter und wird über die UTILTS übertragen. Der Netzbetreiber sendet sie unter dem Prüfidentifikator 25001 an Messstellenbetreiber und Lieferant, die Antwort trägt den Prüfidentifikator 25010.

Die Formel besteht aus Rechenschritten. Jeder Rechenschritt referenziert eine Messlokation und trägt einen mathematischen Operator sowie eine Energieflussrichtung.

Operator Code Wirkung
Addition Z69 Messwert wird addiert, Vorzeichen +
Subtraktion Z70 Messwert wird abgezogen, Vorzeichen −
Divisor Z80 Messwert steht im Nenner
Dividend Z81 Messwert steht im Zähler
Faktor Z82 Messwert wird multipliziert
Positivwert Z83 negatives Ergebnis wird auf null gesetzt
Energieflussrichtung Verbrauch Z71 der Schritt betrifft eine Bezugsmenge
Energieflussrichtung Erzeugung Z72 der Schritt betrifft eine Einspeisemenge
Status der Berechnungsformel Code Fall
Berechnungsformel liegt bei Z33 die Formel wird mitgeliefert
muss beim Absender angefragt werden Z34 bilaterale Klärung nötig
besitzt keine Rechenoperation Z40 genau eine Messlokation misst die Marktlokation
nicht erforderlich Z41 keine Messlokation, pauschale Marktlokation

Drei Muster decken die Praxis weitgehend ab. Beim ersten wird eine Untermessung abgezogen. Eine Schule und die Hausmeisterwohnung teilen sich einen Anschluss, die Hauptmessung erfasst beides, eine Untermessung erfasst nur die Wohnung. Die Zeitreihe der Marktlokation Schule ist Hauptmessung minus Untermessung. Beim zweiten Muster addiert eine Kaskade mehrere ungemessene Verbraucher oder Erzeuger hinter einer Messlokation, etwa eine Wärmepumpenkaskade. Beim dritten Muster steht Einspeisung gegen Bezug: An einem Zweirichtungszähler liefert die eine Energieflussrichtung die verbrauchende, die andere die erzeugende Marktlokation.

MesslokationHauptmessungVorzeichen positiv,Operator Z69SummenbildungMarktlokation SchuleMesslokationUntermessungHausmeisterVorzeichen negativ,Operator Z70Zeitreihe MarktlokationSchulegleich Hauptmessungminus Untermessung
Summenbildung mit Vorzeichen am Beispiel der Hinterschaltung Schule und Hausmeister. Die Marktlokation Schule ergibt sich aus der Hauptmessung mit positivem Vorzeichen und der Untermessung mit negativem Vorzeichen.

Bündel-Beispiele

Die Codeliste der Lokationsbündelstrukturen deckt Verbrauch ohne Messlokation, Verbrauch mit einer Messlokation, Volleinspeisung, mehrere Varianten der Überschusseinspeisung, Hinterschaltungen, Pooling, dynamische Einspeisung und Kaskaden ab. Vier Fälle zeigen die Bandbreite.

Fall Marktlokationen Messlokationen Ressourcen Summenbildung
Haushalt ohne Erzeugung 1 verbrauchend 1 an der Netzübergabe keine oder ungemessen keine, Status Z40
Einfamilienhaus mit PV-Überschuss, Speicher, Wallbox 1 verbrauchend, 1 erzeugend 1 Zweirichtung an der Netzübergabe, 1 für die Erzeugung PV, Batteriespeicher, Wärmepumpe, Wallbox Erzeugungs-MeLo geht in die Einspeise-MaLo, Rest in die Bezugs-MaLo
Mehrfamilienhaus mit Mieterstrom und Untermessung je Wohnung 1, plus Allgemeinstrom, plus Erzeugung Summenzähler am Netz, je Wohnung 1, Erzeugerzähler PV-Anlage, gemeinsame Wärmeerzeugung Wohnungs-MeLo werden vom Summenzähler abgezogen
Gewerbe mit Eigenerzeugung 1 verbrauchend, 1 erzeugend 1 an der Netzübergabe, 1 an der Erzeugung, ggf. Netzlokation für Blindarbeit Blockheizkraftwerk oder PV, Lastmanagement Bezug gleich Netzübergabe minus Eigenerzeugung, plus Blindarbeit an der NeLo
NetzMesslokation AObjektcode 9992 00000121 4Ebene 1, FunktionNetzübergabeRichtung Verbrauch undErzeugungMarktlokation VerbrauchObjektcode 9992 00000101 6Ebene 1Messlokation BObjektcode 9992 00000115 7Ebene 2, RichtungErzeugungMarktlokation ErzeugungObjektcode 9992 00000111 5Ebene 2TR Licht, Wärme,E-Mobilitätverbrauchend, dynamischTR BatteriespeicherungemessenTR PV Dach und Fassadeerzeugend, dynamisch
Bündel Photovoltaik-Überschuss mit separater Erzeugungsmessung, Struktur 9992 00000 013 3. Messlokation A liegt an der Netzübergabe und erfasst beide Richtungen, Messlokation B auf Ebene 2 erfasst die Erzeugung. Objektcodes gemäß EDI@Energy-Codeliste, hier illustrativ.

Wer das Bündel pflegt und wie es ausgetauscht wird

Der Netzbetreiber ist die datenführende Stelle für Lokationsbündel und Lokationsbündelstruktur. Er baut das Bündel bei der Inbetriebsetzung auf, ändert es bei jedem Umbau der Anschlusssituation und schließt es bei der Stilllegung. Jede Änderung läuft als Stammdatenänderung über die UTILMD an Messstellenbetreiber und Lieferant.

UTILMD-Inhalt Segment Bedeutung
Daten der Marktlokation SG8 SEQ+Z01, RFF+Z18 Referenz auf die MaLo-ID
Lokationsbündelstruktur-Daten SG10 CCI+ZYY eröffnet die Strukturangabe
Code der Lokationsbündelstruktur CAV+ZYZ der dreizehnstellige Code der Struktur
Objektcode CAV+ZZZ feste Position dieses Objekts in der Struktur
Daten der Messlokation SG8 SEQ+Z18, RFF+Z19 Referenz auf die MeLo-ID
Zuordnung MeLo zu MaLo RFF+Z16 die der Messlokation zugeordnete Marktlokation
Referenz vorgelagerte MeLo RFF+ZVV Pflicht bei dynamischem Kabel, grüne Linie
Daten der technischen Ressource SG8 SEQ+ZXX, RFF+ZXY Referenz auf die TR-ID, optional

Der Zeitplan aus dem Konzept sah die Veröffentlichung der Codeliste zum 1. Oktober 2023 vor, die freiwillige Anwendung ab dem 1. April 2024 und die verpflichtende Anwendung ab dem 1. April 2025. Sendet der Netzbetreiber die Daten früher, müssen Messstellenbetreiber und Lieferant sie verarbeiten und speichern. Die Formatstände sind später in das UTILMD-Anwendungshandbuch Strom in den Versionen 2.x eingegangen, dessen verbindliche Anwendung Mitte 2025 griff. Der jeweils gültige Stand steht auf edi-energy.de und bei der Bundesnetzagentur.

Lokationsbündel perUTILMDLokationsbündelstrukturper UTILMDSG10 CCI plus ZYYLokationsbündelstrukturper UTILMDBerechnungsformel perUTILTSPrüfidentifikator 25001Berechnungsformel perUTILTSAntwort Prüfidentifikator25010Netzbetreiberdatenführende StelleMessstellenbetreiberLieferant
Austausch von Lokationsbündel, Lokationsbündelstruktur und Berechnungsformel. Das Bündel selbst läuft nur zwischen Netzbetreiber und Messstellenbetreiber, Struktur und Berechnungsformel gehen zusätzlich an den Lieferanten.

Praxisbeispiel: Einfamilienhaus mit PV-Überschuss, Batteriespeicher und Wallbox

Ein Einfamilienhaus am Niederspannungsnetz bezieht Strom und speist den Überschuss einer Dach- und Fassaden-Photovoltaik ein. Ein Batteriespeicher puffert, eine Wärmepumpe heizt, eine Wallbox lädt das Fahrzeug. Wärmepumpe und Wallbox sind steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach § 14a EnWG. Der Netzbetreiber bildet für dieses Haus ein Lokationsbündel mit der Struktur „Überschusseinspeisung mit einer separaten Erzeugungsmessung”.

Objekt Typ Identifikator Position
Anschlusspunkt Blindarbeit und Leistungsgrenze Netzlokation NeLo-ID, falls marktrelevant Ebene 1
Zweirichtungszähler am Hausanschluss Messlokation A MeLo-ID DE00..., Objektcode 9992 00000 121 4 Ebene 1, Funktion Netzübergabe, Richtung Verbrauch und Erzeugung
Erzeugungszähler der PV Messlokation B MeLo-ID DE00..., Objektcode 9992 00000 115 7 Ebene 2, Richtung Erzeugung
Haushalt inklusive Wärmepumpe, Wallbox, Speicherladung Marktlokation Verbrauch MaLo-ID, Objektcode 9992 00000 101 6 Ebene 1
PV-Überschuss Marktlokation Erzeugung MaLo-ID, Objektcode 9992 00000 111 5 Ebene 2
PV-Module Dach und Fassade technische Ressourcen, erzeugend TR-ID optional dynamisch an der Erzeugungs-MaLo
Wärmepumpe, Wallbox steuerbare Ressourcen SR-ID an der Verbrauchs-MaLo, Leistungsgrenze an der NeLo
Batteriespeicher technische Ressource TR-ID optional an der Verbrauchs-MaLo, ungemessen
Zuordnung von nach Art
MaLo Verbrauch zu MeLo A Marktlokation Verbrauch Messlokation A Summenbildung, Richtung Verbrauch
MaLo Verbrauch zu MeLo B Marktlokation Verbrauch Messlokation B Summenbildung, Vorzeichen −
MaLo Erzeugung zu MeLo B Marktlokation Erzeugung Messlokation B Summenbildung, Richtung Erzeugung
MaLo zu NeLo beide Marktlokationen Netzlokation Anbindung über eine Leitung
TR zu MaLo PV-Module Marktlokation Erzeugung Ressourcenzuordnung
SR zu NeLo Wärmepumpe, Wallbox Netzlokation Leistungsgrenze § 14a EnWG

Die Summenbildung Schritt für Schritt für die verbrauchende Marktlokation:

Schritt Operator Messlokation Richtung Zwischenergebnis
1 Z69 Addition Messlokation A, Bezugsanteil Z71 Verbrauch gesamter Netzbezug am Hausanschluss
2 Z70 Subtraktion Messlokation B Z72 Erzeugung Netzbezug minus die vor Ort verbrauchte PV-Menge, die intern durchläuft
3 Z83 Positivwert Ergebnis aus 1 und 2 – negatives Ergebnis wird auf null gesetzt, damit kein Scheinbezug entsteht

Die erzeugende Marktlokation ergibt sich spiegelbildlich: Sie übernimmt den Einspeiseanteil der Messlokation A mit der Energieflussrichtung Erzeugung. Ändert der Anschlussnutzer später den Speicher gegen ein größeres Modell oder ergänzt eine zweite Wallbox, ändert sich die Zahl der technischen Ressourcen. Der Netzbetreiber schickt eine Stammdatenänderung mit derselben Struktur und der erweiterten Ressourcenliste. Kommt eine separate Speichermessung hinzu, wechselt die Struktur auf „Überschusseinspeisung mit separat gemessenem Speicher”, und der Code der Lokationsbündelstruktur ändert sich. Mehr zu den Anlagenbegriffen steht unter [[anlage-erzeugung-verbrauch-und-ressource]].

Wandmontierte Wallbox zum Laden eines Elektrofahrzeugs
Die Wallbox ist eine steuerbare Verbrauchseinrichtung nach § 14a EnWG. In der Lokationsbündelstruktur zählt sie als technische Ressource an der verbrauchenden Marktlokation, ihre Leistungsgrenze überwacht der Netzbetreiber über die Netzlokation.Foto: Martin Kraft / Wikimedia Commons – CC BY-SA 4.0

Typische Missverständnisse

Das Lokationsbündel hat eine eigene ID.
Es trägt keinen Identifikator. Kommuniziert werden die MaLo-IDs und die MeLo-IDs der enthaltenen Objekte, und in der Struktur zusätzlich die Objektcodes.

Lokationsbündel und Lokationsbündelstruktur sind dasselbe.
Das Bündel ist das Mengengerüst, also welche Objekte messtechnisch zusammengehören. Die Struktur ist die Beschreibung ihrer physikalischen Beziehungen und ihrer Lage am Kabel, ausgedrückt über Codes.

Die Lokationsbündelstruktur ersetzt die Berechnungsformel.
Die Struktur zeigt, welche Objekte voneinander abhängen. Die konkrete Rechenvorschrift mit Operatoren und Vorzeichen liefert die Berechnungsformel über die UTILTS.

Eine Tranche verändert das Lokationsbündel.
Tranchen entstehen aus kaufmännischen Gründen an einer Marktlokation. Sie lassen die Lokationsbündelstruktur unberührt.

Der Lieferant bekommt das Lokationsbündel.
Das Bündel selbst läuft nur zwischen Netzbetreiber und Messstellenbetreiber. Der Lieferant erhält die Lokationsbündelstruktur und die Berechnungsformel, damit er Prognose und Plausibilität prüfen kann.

Quellen und Pflegehinweis

Die Definition des Lokationsbündels und die Objektabgrenzung folgen dem BDEW-Foliensatz „Objekte in der Marktkommunikation” und dem Rollenmodell für die Marktkommunikation, dessen Objekte mit der Marktkommunikation 2020 und der MaKo 2022 eingeführt wurden. Aufbau und Codierung der Lokationsbündelstruktur stehen im EDI@Energy-Konzept vom 1. August 2022 und in der Codeliste der Lokationsbündelstrukturen 1.0 vom 31. März 2023. Die Summenbildung und die Operatoren stammen aus dem UTILTS-Anwendungshandbuch zur Berechnungsformel. Die Einbindung in den Stammdatenaustausch beschreibt das UTILMD-Anwendungshandbuch Strom. Der Einführungszeitpunkt für die verpflichtende Anwendung hat sich gegenüber dem Konzept verschoben und ist in die UTILMD-Formatstände 2.x eingeflossen. Codelisten, Konzepte und Anwendungshandbücher ändern sich mit jedem Formatstand. Vor jeder Umsetzung ist der aktuelle Stand auf edi-energy.de und bei der Bundesnetzagentur zu prüfen, besonders bei den Objektcodes, den zulässigen Strukturen und den Prüfidentifikatoren.

Abrufdatum aller Quellen: 8. September 2026.

Primärquellen zum Nachlesen