nNick Energy Atlas
Erzeugung und Einspeisung

01Energiesystem & Netze

Wind, Sonne und Wasserkraft

Wie Windenergie, Photovoltaik und Wasserkraft Strom erzeugen, worin sie sich ergänzen und was das für Energiedaten und Abrechnung bedeutet.

Umspannwerk und Stromleitungen in einer deutschen Landschaft
Netzinfrastruktur verbindet Erzeugung, Transport und Verbrauch.
Auf dieser Seite 9 Abschnitte

Kurzantwort

Windenergie, Photovoltaik und Wasserkraft wandeln natürliche Energie in elektrischen Strom um. Wind und Sonne liefern dabei wetter- und tageszeitabhängig: Windanlagen können Tag und Nacht laufen, Photovoltaik erzeugt nur bei ausreichender Einstrahlung. Wasserkraft ist in Deutschland mengenmäßig kleiner, liefert aus geeigneten Flüssen und Speichern aber vergleichsweise planbare Energie. Im Verbund ergänzen sich die drei Quellen: Wind erzeugt häufig auch nachts und im Winter, Solarstrom vor allem tagsüber und im Sommer, Wasserkraft kann den zeitlichen Verlauf teilweise ausgleichen.

Das EEG zählt Wasserkraft, Windenergie und solare Strahlungsenergie ausdrücklich zu den erneuerbaren Energien. Für den Betrieb eines Energiesystems ist aber nicht nur die Jahresmenge entscheidend, sondern auch der Zeitpunkt, die Prognosequalität, der Netzanschlusspunkt und die Messung.

WindWindanlageSonnenstrahlungPV-AnlageWasserfluss oderSpeicherWasserkraftwerkNetzanschluss undMessungPrognose, Bilanzierung,Lieferung
Vereinfachter Weg von der natürlichen Energiequelle bis zur energiewirtschaftlichen Nutzung.

Drei Quellen, drei Erzeugungsprofile

Eine Kilowattstunde ist unabhängig von ihrer Quelle dieselbe elektrische Arbeit. Die Erzeugungsprofile unterscheiden sich jedoch deutlich. Windleistung hängt von Windgeschwindigkeit, Anlagenstandort und Abschaltungen ab. Photovoltaik folgt dem Sonnenstand und der Bewölkung; nachts ist ihre Leistung null. Wasserkraft hängt vom Zufluss, von Stau- und Betriebsregeln sowie von der verfügbaren Fallhöhe ab.

Darum darf man installierte Leistung (kW oder MW) nicht mit erzeugter Energie (kWh oder MWh) verwechseln. Zwei Anlagen mit gleicher Nennleistung können im Jahr sehr unterschiedliche Energiemengen erzeugen. Das Umweltbundesamt weist außerdem darauf hin, dass Wetterjahre die Ergebnisse stark beeinflussen. Ein wind- oder niederschlagsarmes Jahr ist nicht automatisch ein technischer Rückschritt.

Erzeugungsprofile im Vergleich – qualitativ, nicht maßstabsgetreu

Merke: Die Kombination ergänzt sich zeitlich: Solarstrom füllt die Mittagsstunden, Wind und Wasser tragen auch außerhalb davon bei.

Quelle Primäre Energie Typisches Profil Besondere Rolle
Windenergie Bewegte Luft variabel, oft stark im Winter große Mengen an Land und auf See
Photovoltaik Sonnenstrahlung tagsüber, saisonal sommerbetont dezentral und schnell ausbaubar
Wasserkraft Wasserfluss/Fallhöhe relativ stetig, zuflussabhängig planbarer Beitrag und Speicheroption
Vergleich · DeutschlandErneuerbare Stromerzeugung im VergleichDatenjahr 2025 · veröffentlicht im März 2026

Erzeugte Strommenge

Terawattstunden (TWh) im Jahr 2025

Stromerzeugung aus Wind, Photovoltaik und Wasserkraft im Jahr 2025Windenergie 133,9 Terawattstunden, Photovoltaik 91,6 Terawattstunden und Wasserkraft 16,9 Terawattstunden.Windenergie133,9 TWhPhotovoltaik91,6 TWhWasserkraft16,9 TWh070140

Installierte Leistung

Gigawatt (GW) zum Jahresende 2025

Installierte Leistung von Wind, Photovoltaik und Wasserkraft Ende 2025Windenergie rund 78 Gigawatt, Photovoltaik rund 120 Gigawatt und Wasserkraft rund 5,5 Gigawatt.Windenergie78 GWPhotovoltaik120 GWWasserkraft5,5 GW060120
Datentabelle: Stromerzeugung und installierte Leistung 2025
QuelleErzeugung 2025Installierte Leistung Ende 2025
Windenergie133,9 TWh78 GW
Photovoltaik91,6 TWh120 GW
Wasserkraft16,9 TWh5,5 GW

Erzeugte Strommenge und installierte Leistung sind unterschiedliche Größen: Die Balken werden deshalb je Darstellung separat skaliert.

Quelle: Umweltbundesamt / AGEE-Stat: Erneuerbare Energien in Deutschland 2025. Werte gerundet.

Windenergie: große Mengen, variable Einspeisung

Eine Windenergieanlage wandelt die Bewegungsenergie der Luft über Rotorblätter und Generator in Strom um. An Land (Onshore) stehen Anlagen näher an Verbrauchszentren; auf See (Offshore) sind Windangebot und Volllaststunden oft höher, der Netzanschluss aber aufwendiger. Die Leistung steigt nicht linear mit dem Wind: Unterhalb der Einschaltgeschwindigkeit steht die Anlage, bei starkem Wind kann sie aus Sicherheitsgründen abschalten.

Nach den 2025-Daten des UBA erzeugten Windanlagen an Land und auf See zusammen rund 133,9 TWh. Ende 2025 waren knapp 78 GW Windleistung installiert, davon etwa 68 GW an Land und 10 GW auf See. Die Erzeugung lag trotz eines Zubaus wegen windarmer Witterung unter dem Vorjahreswert. Für Netz- und Marktprozesse bedeutet das: Prognosen, Fahrpläne und Ausgleichsenergie müssen mit Unsicherheit umgehen.

Photovoltaik: dezentral und tageszeitabhängig

Photovoltaikmodule erzeugen aus Licht Gleichstrom. Wechselrichter wandeln ihn in netzkonformen Wechselstrom um; bei größeren Anlagen kommen Transformator und Netzschutz hinzu. Dachanlagen, Freiflächenanlagen und Balkonanlagen unterscheiden sich bei Größe, Anschluss und Messkonzept, nicht aber beim physikalischen Grundprinzip.

2025 erzeugten PV-Anlagen in Deutschland laut UBA 91,6 TWh – rund 21 Prozent mehr als 2024. Die installierte Leistung lag zum Jahresende bei fast 120 GW. Der Zubau erhöht die mögliche Jahresproduktion, verschiebt aber auch die Herausforderung in die Mittagsstunden: Bei viel Sonne kann die Erzeugung den lokalen Bedarf übersteigen. Batteriespeicher, flexible Lasten, Netzausbau und Vermarktung helfen, diesen Überschuss zeitlich nutzbar zu machen.

Für eine konkrete PV-Anlage sind Ausrichtung, Neigung, Verschattung, Wechselrichterbegrenzung und Eigenverbrauch wichtig. Die installierte Modulspitzenleistung allein sagt nicht, wie viel Energie tatsächlich eingespeist oder vor Ort verbraucht wird.

Wasserkraft: planbarer, aber begrenzter Ausbau

Wasserkraftwerke nutzen die potentielle oder kinetische Energie von Wasser. Bei Laufwasserkraftwerken treibt der kontinuierliche Fluss eine Turbine an. Speicherkraftwerke halten Wasser zurück und können die Abgabe stärker an den Bedarf anpassen; Pumpspeicher erzeugen dabei keinen erneuerbaren Primärstrom, sondern verschieben elektrische Energie.

In Deutschland sind die geeigneten Potenziale weitgehend erschlossen. Die Erzeugung hängt trotzdem vom Wetter ab: Trockenheit senkt den Zufluss. 2025 lag sie laut UBA bei 16,9 TWh, etwa 25 Prozent unter 2024; die installierte Leistung betrug rund 5,5 GW. Neben der Energiemenge müssen bei neuen oder modernisierten Anlagen Gewässerökologie, Durchgängigkeit und Wasserrechte berücksichtigt werden.

Zusammenspiel im Stromsystem

Die Ergänzung der Quellen entsteht nicht automatisch, sie muss geplant und bewirtschaftet werden. Wetterprognosen liefern erwartete Wind- und PV-Erzeugung. Netzbetreiber und Vermarkter ordnen diese Prognosen Fahrplänen, Bilanzkreisen und Ausgleichsenergie zu. Speicher und flexible Verbraucher verschieben Energie aus Zeiten hoher Erzeugung in Zeiten höherer Nachfrage.

2025 stammten in Deutschland 55,1 Prozent des Bruttostromverbrauchs aus erneuerbaren Energien. Wind und PV trugen den größten Teil bei; Wasserkraft stellte einen kleineren, aber regional wertvollen Beitrag bereit. Ein hoher Jahresanteil bedeutet nicht, dass jede Viertelstunde vollständig erneuerbar versorgt ist. Erzeugung, Verbrauch, Importe, Speicher und regelbare Kraftwerke müssen zeitgleich zusammenpassen.

Praxisbezug: SAP IS-U und Energiedaten

In SAP IS-U wird eine Erzeugungsanlage nicht einfach als „grüner Strom“ verbucht. Für Abrechnung und Marktkommunikation sind technische und energiewirtschaftliche Objekte zu verknüpfen: Anlage, Netzanschlusspunkt, Messlokation, Marktlokation, Zählwerk/Register und Bilanzierungs- beziehungsweise Lieferbeziehung. Eine PV-Anlage mit Überschusseinspeisung kann beispielsweise Bezug und Einspeisung über getrennte Register erfassen.

Wichtig ist die zeitliche Gültigkeit. Bei Inbetriebnahme, Anlagenänderung oder Zählerwechsel müssen Stammdaten und Messwerte ab dem richtigen Datum zusammenpassen. Ein Jahreswert in kWh beantwortet nicht, ob er aus Bezug oder Einspeisung stammt und welchem Register er zugeordnet ist. Für Lastgänge ist zusätzlich die Viertelstunden- oder andere Zeitbasis zu prüfen.

Ein typischer Ablauf sieht so aus: Der Anlagenbetreiber meldet die Anlage und ihre Stammdaten, der Netz- oder Messstellenbetreiber ordnet sie im Marktstammdatenregister und in den Marktprozessen ein, das Messsystem liefert Werte, und die Marktrolle verarbeitet diese für Bilanzierung und Abrechnung. Das Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur ist dabei eine Referenz für registrierte Anlagen und Marktakteure; es ersetzt nicht die vollständige operative Stammdatenführung im Abrechnungssystem.

Typische Missverständnisse

„Erneuerbar bedeutet jederzeit verfügbar.“ Nein. Wind und Sonne sind variabel. Wasserkraft ist planbarer, aber von Zufluss und Betriebsregeln abhängig.

„Mehr installierte Leistung erzeugt automatisch gleich viel mehr Strom.“ Nein. Standort, Wetter, Ausrichtung, Verfügbarkeit und Abregelung bestimmen die tatsächliche Energie.

„Wasserkraft ist immer regelbar.“ Speicherkraft kann zeitlich verschoben werden; Laufwasser folgt weitgehend dem Zufluss.

„PV-Erzeugung und Einspeisung sind identisch.“ Nein. Ein Teil kann direkt vor Ort verbraucht oder gespeichert werden. Gemessen werden müssen die für das konkrete Messkonzept relevanten Richtungen und Register.

„Ein erneuerbarer Jahresanteil beschreibt jede einzelne Stunde.“ Nein. Jahresbilanzen und zeitgleiche Versorgung sind unterschiedliche Betrachtungen.

Quellen und Pflegehinweis

Die Definitionen folgen § 3 EEG 2023. Die Mengen- und Leistungsangaben beziehen sich auf die vom UBA und der AGEE-Stat veröffentlichten Daten für 2025 (Stand der Veröffentlichung: März 2026). Die Einordnung von Anlagenregistrierung und Marktrollen orientiert sich am Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur. Rechtslage, Registeranforderungen und Marktprozesse können sich ändern; vor einer Umsetzung in SAP IS-U sind die am Stichtag gültigen Regelwerke und Formatversionen zu prüfen. Geprüft am 8. September 2026.

Primärquellen zum Nachlesen